Börsengang in Russland
Sberbank verwirrt die Anleger

Die ehemalige Sparkasse der Sowjetunion, die Sberbank, strebt mit großem Werbeaufwand an die Börse. Doch Unklarheiten bei der Preisbildung halten Investoren bisher ab. Die Konditionen in Moskau machen die Aktie zudem nur für betuchte Anleger interessant.

tom MOSKAU. Die Sberbank hat keinen Aufwand gescheut: In jeder ihrer gut 20 000 Filialen hängen Werbeplakate aus. Es soll – ähnlich wie beim Ölkonzern Rosneft im vergangenen Jahr – ein Börsengang „für das Volk“werden, der größte, den das Land je gesehen hat. Präsident Wladimir Putin nutzte auch seine Jahrespressekonferenz, um über das „Jahr der IPOs in Russland“ zu philosophieren.

Sicher ist: Ähnlich wie bei Rosneft steht der Kreml fest hinter dem Gang aufs Parkett. Und es gibt noch eine Reihe weiterer Gemeinsamkeiten: Der IPO der Sberbank mit einem geplanten Volumen von rund zwölf Mrd. Dollar läuft ähnlich undurchsichtig wie beim Energiekonzern. Das hat die Investoren in Russland reichlich verwirrt.

So veranstaltete die Bank, Marktführer in Russland, in der vergangenen Woche eine Auktion von rund 2 000 Aktien, die für rund 3 450 Dollar pro Stück an eine obskure Investmentbank mir dem Namen Russ Invest gingen. Analysten blieb der Mund offen: Der Preis liegt gut zwei Prozent über dem inoffiziellen Marktpreis. Warum diese Auktion überhaupt stattfinden musste, bleibt für Finanzexperten in Moskau ein Rätsel und unterstützt die Vermutung, dass ähnlich wie Rosneft auch die Sberbank Mühe hat, Investoren zu finden und nun der Preis künstlich in die Höhe treiben will.

Es ist vor allem die Preisbildung, die viele Investoren bisher abgehalten hat: Die Sberbank hat sich bisher geweigert, überhaupt eine Preisspanne anzugeben. Potenzielle Käufer wurden aufgefordert, ein Angebot zu machen. Wenn heute die Bücher geschlossen werden, will sich der Aufsichtsrat der Bank die Gebote anschauen und dann den endgültigen Preis festlegen. Natlia Orlowa, Bankanalystin bei der Alfa Bank ist sich sicher: so eine Vorgehensweise habe sie noch nie gesehen. Ein klarer Einblick in das tatsächliche Verhältnis von Angebot und Nachfrage ist somit überhaupt nicht möglich.

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