Börsengang macht Probleme
VW vermiest die große Schaeffler-Party

2009 feierten Maria-Elisabeth Schaeffler und Sohn Georg die Übernahme von Continental. Sechs Jahre später hat der Zulieferer Schwierigkeiten, den Börsengang über die Bühne zu bringen. Der VW-Skandal grätscht dazwischen.
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FrankfurtDer Autozulieferer Schaeffler strebt bei seinem Börsengang ein Emissionsvolumen von rund einer Milliarde Euro an. Das fränkische Unternehmen legte am Montag die Preisspanne auf zwölf bis 14 Euro je Aktie fest. Ausgehend vom Mittelwert dieser Spanne belaufe sich der Bruttoerlös auf rund 975 Millionen Euro, wie Schaeffler mitteilte. Geplant sei der Gang aufs Börsenparkett nun für diesen Freitag.

Eigentlich hätte Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld schon am Montag die Börsenglocke zur Emission läuten wollen. Doch die Investoren zeigten sich verunsichert. „Angesichts der aktuellen Marktvolatilität haben wir uns gemeinsam mit unseren Gesellschaftern dazu entschieden, die Platzierung schrittweise durchzuführen“, erklärte Rosenfeld. Insidern zufolge wollte der Familienkonzern ursprünglich 2,5 bis drei Milliarden Euro bei Investoren einsammeln. „Drei Milliarden Euro kriegen sie nicht mehr, ob es zwei Milliarden werden, muss man sehen“, hieß es von Insidern bereits am Freitag. Schaeffler hatte die Pläne aber verschoben, dem Konzern war unter anderem die Abgas-Affäre bei VW in die Quere gekommen.  

Konkret hatten nach dem VW-Abgas-Skandal wohl einige der institutionellen Anleger wie Aktien-, Pensionsfonds und Versicherungen etwas mehr Zeit zur Prüfung der Wertpapier-Offerte gebraucht, hieß es in gut informierten Kreisen. Die intensiven Investorengespräche der vergangenen Tage, die teils bis Donnerstag gedauert haben, seien dafür verantwortlich gewesen, dass man den Börsengang um einige Tage verschoben habe.

„Das Problem ist, dass sich potenzielle Investoren anderen Themen zugewandt haben“, hatte ein Insider berichtet. Der Abgas-Skandal hatte nicht nur die Werte von Autobauern, sondern auch die Aktienkurse einiger Autozulieferer einbrechen lassen. Der hoch verschuldete Wälzlagerhersteller will mit dem Verkauf von 25 Prozent der Anteile einen Teil seiner Milliardenschulden abbauen. Statt bis zu 166 Millionen Papiere will Schaeffler nun maximal 99,4 Millionen Papiere ausgeben.

Nach dem Börsengang sind den abgespeckten Plänen zufolge nur elf Prozent an der Schaeffler AG im Streubesitz. 66 Millionen Aktien kommen aus einer Kapitalerhöhung. Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihr Sohn Georg geben statt bis zu 100 Millionen nur neun Millionen Papiere ab, bei entsprechend hoher Nachfrage können bis zu 24,4 Millionen hinzukommen. Den Rest der Papiere wollen die Schaefflers erst nach Ablauf einer sechsmonatigen Sperrfrist auf den Markt werfen - in einem oder mehreren Schritten. Dann sollen der Familie nur noch 75 Prozent an dem Konzern gehören - das Sagen hat sie allerdings weiterhin.

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  • Die Schaeffler's sind reich und in den letzten 6 Jahren noch reicher geworden. Leider auf Kosten andere Leute. Das verdient gar keine Anerkennung. Es erinnert viel mehr an kriminelle oder mafiaähnliche Performance. Nach der verkorgsten Conti-Übernahme wurden unschuldige MA entlassen ohne mit der Wimper zu zucken. In den Meiden wurde allerdings großmundig verkündet, dass Schaeffler trotz alledem keine Mitarbeiter entlassen hat. Das ist ein Skandal und riesen Schweinerei was sich in diesem Laden vollzieht. Denn Arbeit bei Schaeffler hat uns arm und krank gemacht. Und wen man auf die dort herrschenden Mißstände und Manipulationen hinweist, schweigt Frau Schaeffler aus Herzogenaurach in gleicher Weise, wie die andere Dame aus Berlin. Beschämend, aber selbst die IGM ist hier nicht unschuldig sondern Mittäter und steht der "Listigen Witwe" in Rat und Tat bei.

  • Ich bin bei Conti eingestiegen, als die sich mit Manfred Wennemer vom Gummi lösten und in die Elektronik gingen. Den Conti-Aktien bekam das trotz der sich verschärfenden Verschuldung der Firma sehr gut: Prognosen gingen seinerzeit bis 130 bei einem Kaufkurs von 60 – bis die Schefflers kamen. Die boten dann, neben einem desaströsen Firmenkonzept, zu den sie den Manfred Wennemer nicht bewegen konnten, den Aktionären einen Preis von 75, den viele nahmen, nur raus aus diesem Laden; Ich aber nicht. Denn kurz danach, als die Scheffler merkte, daß sie sich übernommen hatte und auch ihre Erpressungsversuche (Arbeitsplatzsicherung) bei Merkel & Co. nicht zogen, warfen sie gerade die Fondaktionäre (DWS) aus der Firma. Auf der entscheidenden HV las ihr der Enders von DWS das Wort zum Sonntag. Und dann warf man ihre Berater aus der Firma und holte einen Mann der Erfolgsleiter von Linde, den Wolfgang Reitzle, der setzte den Aufstieg der Firma unter Manfred Wennemer konsequent fort und brachte die Conti-Aktie bis auf 260 – Heute, im Tal der Tränen immerhin noch bei 193. Ich verkaufte leider auf Drängen meiner Bank für 100. Aus dieser Erfahrung kann ich nur jedem Privataktionär raten: Lasst die Finger von solchen wie die Schefflers – sie taugen zu nichts!!!

  • Mich interessieren neben den Flüchtlingen durchaus auch noch die Aktienmärkte, vor allem WIESO sie überhaupt noch nicht kollabiert sind.
    Okay, gerade in den USA leisten die PPT´s Schwerstarbeit, sodass Zerohedge am Freitag schon ganz offen von einer kompletten Farce und Marktmanipulation geschrieben hat:
    http://www.zerohedge.com/news/2015-10-02/farce-complete-stocks-soar-most-4-years-us-job-market-disintegrates
    Wenn Börsenkurse nur noch aufgrund einer Entwertungsflucht der Anleger, aus Anlagenotstand und aus scheinbarer Alternativlosigkeit steigen können, (weil die Zentralbanken die Zinsen in Wirklichkeit NIE MEHR erhöhen können, da ihnen ansonsten der ganze Laden um die Ohren fliegt), dann zeichnet das einen totkranken Markt aus.

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