Branche im Fokus
Auto-Aktien: Hiob am Steuer

Finanzkrise, Konjunkturschwäche, hohe Spritpreise: Die schlechten Nachrichten für die Autohersteller reißen nicht ab. Nun könnten sogar die Wachstumsmärkte in den Schwellenländern bröckeln. Analysten zweifeln, ob Autoaktien derzeit eine gute Anlage sind.

DÜSSELDORF. Die Freude am Fahren ist noch da, die Freude der Autohersteller und Autoaktienbesitzer dürfte sich derzeit in Grenzen halten. Kaum eine Branche wird von Finanzkrise und Konjunkturabschwung, aber auch von hohen Spritpreisen und neuem Umweltbewusstsein im Moment so stark beeinträchtigt wie die Autobauer. "Autos gehören zu den Produkten, auf deren Kauf zuerst verzichtet werden kann", sagt Christian Breitsprecher, Auto-Analyst bei Sal. Oppenheim: "Wir erleben einen Nachfrageschock."

Heute vermeldete die Vereinigung der europäischen Autohändler (ACEA) die schlechtesten Absatzzahlen seit zehn Jahren. Insgesamt wurden im vergangenen September 8,2 Prozent weniger Autos zugelassen als 2007. Ford und General Motors gehörten zu den größten Verlierern, aber auch Daimler und vor allem BMW sahen bei den Neuzulassungen sehr schlecht aus. Nur VW konnte gegen den Trend leicht zulegen.

Die ungemütlichen Nachrichten für den Sektor rollen tatsächlich wie die Autos vom Montageband - wenn diese denn laufen. Die Hersteller haben längst begonnen, auf die Nachfrage-Krise zu reagieren. BMW und Daimler haben Produktionsstopps angekündigt. Die Münchner werden noch in diesem Jahr 8 100 Mitarbeiter entlassen und wollen etwa 25 000 Autos weniger bauen. Daimler gab jüngst bekannt, zwei LKW-Werke in Nordamerika zu schließen, die Marke Sterling wird damit eingestellt. Der angeschlagene US-Gigant General Motors denkt derweil über eine Fusion mit Chrysler nach. Einige deutsche Hersteller hoffen mittlerweile auch auf ein staatliches Hilfsprogramm, nachdem die amerikanische Regierung knapp 25 Milliarden Euro an Subventionen für die heimische Industrie angekündigt hat.

"Die Finanzkrise wirkt wie ein Katalysator auf die ohnehin anstehenden Umwälzungen in der Branche" sagt Autoexperte Oliver Weihrauch von der Beratung Droege und Comp.

Und die Leiden der Hersteller verheißen auch Schlechtes für Autoaktien. Rund um den Globus sind die Kurse aus dem Sektor zurückgefallen: Allein im vergangenen Monat verloren BMW-Aktien 25 Prozent an Wert, Daimler-Titel sackten um 17 Prozent ab. In den USA büßte der Krisen-Konzern General Motors auf Monatssicht 40 Prozent an Börsenwert ein.

Allein die Volkswagen-Aktie stemmt sich seit Wochen gegen den allgemeinen Trend. Auch wenn VW im Gegensatz zur deutschen Konkurrenz noch keine Gewinnwarnung herausgeben musste und - siehe Neuzulassungen - noch recht gut dasteht: zu erklären ist die Entwicklung kaum noch. Alleine seit September legte die VW-Aktie von einem schon hohen Niveau von etwa 200 Euro noch einmal auf über 370 Euro zu. Experten führen die Entwicklung auf fehlgeschlagene Derivatespekulationen zurück, die panikartige Deckungskäufe nach sich ziehen. Wer hinter den Kursbewegungen steht, ist aber nach wie vor völlig unklar.

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