Brasilien
Hoffen auf Emissionswelle

Spannung an der Börse in Sao Paulo: In den nächsten Wochen wollen sieben Unternehmen neues Kapital aufnehmen, vier Unternehmen wagen sich sogar erstmals an die Börse. Mit dabei ist der Ölkonzessionär OGX, der mit einem Volumen von 3,5 Milliarden Dollar den brasilianischen Rekord bricht.

SAO PAULO. Gespannt blicken die Investmentbanken in Brasilien auf die Börse in São Paulo. Bis Juli wollen dort sieben Unternehmen Kapital aufnehmen. Vier Unternehmen wagen sich sogar erstmals an die Börse (IPO): Neben dem Stromverteiler Grupo Rede wollen auch der Biodieselhersteller Infinity Bio-Energy und der IT-Produzent Tivit ihre Aktien neu listen. Der Öl- und Gaskonzessionär OGX plant sogar mit einem Volumen von 3,5 Mrd. Dollar den größten Börsengang in der Geschichte der Bovespa.

Für die Investmentbanken in Brasilien hängt viel von erfolgreichen Emissionen ab: Ihre Rekordeinnahmen im vergangenen Jahr verdankten sie vor allem der letztjährigen IPO-Welle: 57 Unternehmen listeten letztes Jahr in São Paulo erstmals ihre Aktien. Insgesamt 76 Unternehmen nutzten die Bovespa zur Kapitalaufnahme und nahmen dabei umgerechnet etwa 33 Mrd. Dollar ein. Doch dann stoppte die internationale Finanzkrise den Run an die Börse. 19 Unternehmen haben ihren geplanten Börsengang seit Anfang 2008 verschoben oder abgesagt - obwohl der brasilianische Aktienmarkt mit plus 13 Prozent die beste Wertenwicklung eines Index weltweit verzeichnet. Das sind nach den USA die meisten Absagen weltweit.

Die Investoren zeigten wenig Interesse, da sie im vergangenen Jahr bei zwei Drittel der Börsendebüts Verluste erlitten hatten. Vor allem die zahlreichen neuen Immobilientitel und Bankaktien haben die Investoren enttäuscht.

Außerdem nutzten die Unternehmen im letzten Jahr die Euphorie der Anleger und die hohe Liquidität der Finanzmärkte aus und boten ihre Aktien teuer an: Mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 40 gingen brasilianischen Aktien 2007 durchschnittlich an die Börse. Chinesische Aktien dagegen kamen nur auf ein KGV von 22, indische Konzerne sogar nur mit 17. Deshalb haben seit Jahresanfang lediglich drei brasilianische Unternehmen den Sprung an die Börse gewagt und dabei rund 300 Mill. Euro erlöst. Daniel Darahem von JP Morgan in São Paulo ist jedoch zuversichtlich, dass die Investoren bei den jetzigen Börsengängen zugreifen werden. "Öl, Bergbau und Infrastruktur sind derzeit gefragte Branchen." Zwischen fünf bis sieben Mrd. Dollar Kapitalaufnahme rechnet JP Morgan bei den jetzt anberaumten Börsengängen.

Einen teilweisen Ausgleich für die bisherige IPO-Flaute bietet den Banken der Boom bei Fusionen und Übernahmen. Während weltweit der M&A Markt um ein Drittel geschrumpft ist, hat sich das Finanzvolumen in Brasilien bei diesen Transaktionen in den ersten vier Monaten diese Jahres im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. 43 (Vorjahr: 17) Mrd. Dollar gaben Unternehmen für M & A aus. "Viele strategische Investitionen steigen jetzt in Brasilien ein", beobachtet José Olympio Pereira von Credit Suisse, dem Marktführer, "unter den Investoren befinden sich kaum Finanzinvestoren." Pereria ist sicher, dass das Marktvolumen für Übernahmen 2008 deutlich höher ausfallen wird als die 57 Mrd. Dollar von 2007. JP Morgan hat deshalb gerade seinen Standort in Brasilien verstärkt. "Mit dem Investmentgrade durch die Risikoagenturen haben nun auch brasilianische Mittelständler erst mal die Möglichkeit im Ausland zu investieren", sagt Darahem.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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