Die Erfahrung lehrt, dass Anleger nun auf defensive Werte wie Versorger und Pharmatitel umsteigen sollten
Zinswende bringt neue Aktienfavoriten

Alan Greenspan lässt die Börsen zittern. Der amerikanische Notenbankchef stimmt die Märkte auf die erste Leitzinserhöhung seit vier Jahren ein und sorgt damit für Turbulenzen an den Börsen und kurzfristig stark fallende Kurse.

DÜSSELDORF. Die Auswertung vergangener Zins- und Börsenzyklen zeigt aber, dass Investoren bei guter Branchenselektion sogar Kursgewinne winken, wenn die Zinsen steigen. So entwickeln sich demnach Energie-Unternehmen besser als der Gesamtmarkt. Auch Nahrungsmittelproduzenten, Tabakhersteller und Pharmaspezialisten profitieren von höheren Zinsen. Hingegen drohen konjunkturempfindlichen Branchen wie Technologie, Maschinenbau und Banken Abschläge.

Wie in früheren Jahren reagierten auch diesmal die Börsen mit empfindlichen Abschlägen auf den Beginn der Zinswende. „Der Schrecken wird aber nur kurz dauern, wie auch vergangene Zinswenden zeigten. In den nächsten Wochen werden gute Quartalsergebnisse der Unternehmen die Börsen wieder nach oben ziehen“, ist sich HSBC-Stratege Volker Borghoff sicher.

Dass Ängste vor einem nachhaltigen Kursverfall zumindest zu diesem Zeitpunkt übertrieben sind, zeigt auch eine Untersuchung vom Analysehaus Ned Davis Research. Denn die 20 Zinstiefs im vergangenen Jahrhundert zeigen, dass sich die Börsen nach Beginn einer Zinswende vom ersten Rückschlag rasch erholen und sogar weiter zulegen. Statistisch gesehen notiert der Dow Jones ein halbes Jahr nach der ersten Zinserhöhung um drei Prozent höher.

Erst mehrere Zinsschritte hintereinander bremsen die Kurse aus, wie Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin errechnet hat. Nach Auswertung der US-Zinserhöhungsphasen seit 1972 kommt sie zu dem Ergebnis, dass es „gute Chancen“ für höhere Kurse in den sechs Monaten bis zum ersten Zinsschritt gibt. „Das war beim Dow Jones in fünf von sieben Fällen so“, sagt Traud. Im Durchschnitt gewann der Dax in solchen Phasen knapp sieben Prozent und der Dow Jones sogar zehn Prozent.

Nach dem zweiten Zinsschritt endet aber den Statistiken zufolge der Aufwärtstrend. Prominente Ausnahme war zwar die letzte Zinswende, also das Jahr 1999. Damals ignorierten die Märkte neun Monate lang die Leitzinswende und konzentrierten sich stattdessen auf den Wirtschaftsaufschwung und Technologieboom – mit fatalen Folgen und dem größten Börsencrash seit über 70 Jahren.

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