Die Kurserholung steht auf wackeligen Beinen
Bei Infineon drohen weitere Rückschläge

Die Nachricht, dass Infineon 160 Mill. Dollar Bußgeld zahlen muss, führte gestern bei der Aktie des Chipherstellers zeitweise zu erneuten Kursverlusten. Lange Zeit zählte das Papier zu den größten Verlieren im Deutschen Aktienindex (Dax), ehe der Kurs kurz vor Handelsschluss noch deutlich ins Plus drehte.

HB DÜSSELDORF. Für Anleger waren die vorübergehenden Verluste ein weiteres Anzeichen dafür, dass die jüngste Erholung von den kräftigen Kursverlusten seit Anfang August nicht von Dauer sein könnte. Denn auch für die kommenden Monate sind die Perspektiven nicht günstig. Hintergrund für die Strafe sind illegale Absprachen von Infineon mit anderen Anbietern von Speicherbausteinen, so genannten DRAMs, die zu höheren Preisen führten. Neben dem Bußgeld muss Infineon die Kunden für die höheren Preise entschädigen. Verhandlungen über die konkrete Summe haben bereits begonnen.

Obwohl Analysten im Vorfeld mit einer Strafe in diesem Ausmaß gerechnet hatten und der Konzern bereits ausreichende Rückstellungen gebildet hat, kommt die Nachricht zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Vor allem die gesenkten Prognosen der amerikanischen Branchenführer Intel und Texas Instrument haben dem Papier in den vergangenen Monaten kräftig zugesetzt. Beide Unternehmen verwiesen bei Bekanntgabe des schwächeren Ausblicks auf hohe Lagerbestände bei den Kunden und sinkende Nachfrage. Nur asiatische Hersteller wie UMC oder Semiconductor Manufacturing International, die Chips nur für andere Firmen produzieren und nicht unter ihrem eigenen Namen verkaufen, hatten zuletzt weiterhin Rekordabsatzzahlen gemeldet.

Daher rechnen viele Branchenbeobachter damit, dass in der Halbleiterindustrie der Abschwung früher kommt als lange Zeit erwartet. „Da immer mehr Werke in Betrieb gehen, steigt auch die weltweite Produktion“, sagt beispielsweise Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck & Co. Bereits Ende des Jahres könnte es daher zu Überschüssen kommen, die später auch auf die Preise durchschlagen würden. Er stuft die Infineon-Aktie vor diesem Hintergrund nur mit „halten“ ein.

Entscheidend wird vor allem das bevorstehende Weihnachtsgeschäft mit Elektronikspielzeug, Handys und Computern sein. „Auch bei den Chipherstellern ist das vierte Quartal das wichtigste“, sagt Kitz. Sollte der Konsum weiter schwach bleiben, werde das die Halbleiterwerte zusätzlich belasten. Da die ersten Bestellungen für diese Zeit schon bei den Chipproduzenten eingehen, warten die Analysten mit Spannung auf die Mitte Oktober anstehenden Drittquartalszahlen von Intel. Der Branchenprimus gab bereits in den vergangenen Monaten die Marschrichtung für die Aktien europäischen Halbleiterhersteller vor. Allein die Unsicherheit über die jüngsten Zahlen hat nicht nur die Infineon-Aktie sondern den gesamten europäischen Stoxx-Branchenindex für Technologiewerte kräftig in die Tiefe gezogen.

Auch Oliver Drebing, Branchenexperte bei SES Research, rechnet zunächst nicht mit Kursgewinnen und stuft die Infineon Aktie mit „underperform“ ein. „Besser als im laufenden Jahr kann es für die Branche eigentlich nicht mehr werden“, sagt der Analyst. Nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Preise liegen konstant auf hohem Niveau. Dies wird sich spätestens im kommenden Jahr sicherlich ändern.

Infineon-Aktionäre müssen also auch in Zukunft mit Enttäuschung rechnen. Allerdings sind sie Rückschläge mittlerweile gewohnt. Allein in den vergangenen zwölf Monaten verlor die Aktie des Halbleiterherstellers über 33 Prozent und damit mehr als jedes andere Papier im Deutschen Aktienindex. Mit einem aktuellen Kurs von rund 8,30 Euro ist der Anteilsschein zudem nur noch wenige Cent vom Allzeit-Tief entfernt. Im Jahr 2000, kurz nach dem Börsengang von Infineon, waren die Aktien der ehemaligen Siemens-Tochter zeitweise mehr als 80 Euro wert.

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