Die Publizitätsgrundsätze für Börsengänge versprechen die faire Behandlung aller Anleger, aber es bleiben Mänge
Vor dem Prospekt sind alle gleich

Im Börsenboom der Jahre 1999 und 2000 haben viele Anleger blindlings Aktien gekauft – und dafür viel Lehrgeld gezahlt. Nun läuft das Geschäft mit Neuemissionen nach zwei Jahren Flaute schleppend wieder an – und die Anleger zögern.

FRANKFURT/M. Dabei hat sich zumindest eines gebessert: Die Börsenkandidaten müssen die Investoren klarer über Chancen und Risiken ihres Geschäfts sowie ihrer Aktien informieren. Bereits im Sommer 2002 hatte die Deutsche Börse in Absprache mit den Emissionsbanken die so genannten Going-Public-Grundsätze eingeführt. Zentrale Aussage: Der Börsenprospekt soll das zentrale Informationsmedium und Entscheidungsgrundlage für alle Anleger sein.

Entsprechend strenge Regularien zu Umfang, Inhalt und Gestaltung machen den Börsenprospekt inzwischen zu einer interessanten Lektüre, die er vorher nicht war. Schuld daran waren vor allem die Börsenkandidaten selbst, die es bis dato geschickt verstanden, Risiken hinter Plattitüden zu verstecken. Das hat sich – das zeigen die ersten Börsengänge in diesem Jahr – mittlerweile erheblich gebessert, auch wenn es hie und da immer noch Kritikpunkte gibt.

Gerade der Punkt Nummer sechs in den Emissionsprospekten, die Angabe der Risikofaktoren, ist für den Investor von größter Bedeutung. Dort sind Gefahren aufgelistet, die sich aus dem Marktumfeld, aus der Geschäftstätigkeit sowie aus dem Aktienangebot ergeben. Zwar finden sich dort noch immer sehr viele Allgemeinplätze. Beim abgesagten Börsengang von Siltronic hieß es dort beispielsweise: „Naturkatastrophen und andere unvorhersehbare Ereignisse könnten sich negativ auf die Geschäftstätigkeit von Siltronic auswirken.“ Dennoch werden dort auch handfeste Risiken beschrieben. So stand bei Wincor-Nixdorf beispielsweise unter dieser Rubrik, dass unter bestimmten Umständen ein Darlehen von maximal 475 Millionen Euro mit sofortiger Wirkung fällig gestellt werden könnte.

Deutlich vorsichtiger im Vergleich zu früher sind die Börsenkandidaten mit ihren Ankündigungen geworden. Gehörten früher genaue Umsatz- und Ergebnisprognosen für die kommenden Jahre zu den Standards, so finden sich diese auf Grund von verschärften Prospekthaftungsregeln nun überhaupt nicht mehr. „Zukunftsgerichtete Aussagen“ muss das Unternehmen nun durch Standardformulierungen wie „erwartet“, „geht davon aus“, „nimmt an“ oder „prognostiziert“ kenntlich machen.

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