Dürr
Rundum frisch lackiert

Unter der Führung des Familienpatriarchen Heinz Dürr war der Stuttgarter Autozulieferer in Bedrängnis geraten. Anfang 2006 verordnete der neue Vorstandschef Ralf Dieter dem kränkelnden Konzern eine Radikalkur. Inzwischen beflügeln Aufträge aus Asien und Osteuropa das Unternehmen.

FRANKFURT. Ein grauer Roboterarm fährt an eine metallisch glänzende Auto-Karosserie heran. Am Ende des Arms ist ein Haken, wie bei einem Piraten. Mit diesem öffnet der Automat die Tür. Ein anderer Roboter-Arm windet sich um die Tür herum und sprüht Lack in die Innenseite. Die mechanischen Arbeiter stehen in der Test- und Produktionshalle des Lackieranlagenbauers Dürr.

Unter der Führung des Familienpatriarchen Heinz Dürr war das Stuttgarter Unternehmen in Bedrängnis geraten. Der ehemalige Bahnchef hatte zu Hochzeiten des Booms Konkurrenten übernommen. Doch unter den Zukäufen waren auch etliche Sanierungsfälle. Dann brachen die Absatzzahlen ein. Vor allem US-Hersteller verzettelten sich in Preiskriege und mussten die Produktionskosten drastisch drücken. Dazu nahmen sie auch Zulieferer und Ausrüster in die Zange.

Anfang 2006 verordnete der neue Vorstandschef Ralf Dieter dem kränkelnden Konzern eine Radikalkur. Die neue Führungsriege verkaufte Verluste einfahrende Geschäftsbereiche und baute das margenstarke Service-Geschäft aus. Dessen Umsatzanteil stieg im vergangen Geschäftsjahr von 20 auf 26 Prozent.

Neben dem Umbau brachte auch eine gestiegene Nachfrage aus den Wachstumsregionen Osteuropa und Asien dem Konzern neues Wachstum. Der Auftragseingang in diesem Jahr übertrifft bislang sogar die Erwartungen der Analysten. Das Wachstum soll auch kommendes Jahr anhalten. Für das Geschäftsjahr 2008 wird mit einem Umsatzwachstum von drei bis fünf Prozent gerechnet. „Wir glauben, dass Dürr bei dem Turnaround auf dem richtigen Weg ist und die Ziele für 2008 erreichen wird“, schreibt Stefan Augustin von der BHF-Bank in einer Studie. Er erwartet ein Umsatzwachstum am oberen Ende der Spanne.

„Die Aussichten im nordamerikanischen Markt haben sich nicht nur kurz-, sondern auch langfristig gebessert“, schreiben die Analysten von HSBC Trinkaus. „Der Druck auf die US-Autobauer wächst, ihre Produktpalette besser auf die Kundenwünsche zuzuschneiden.“ Die Umstellung der Automobilwerke auf neue Modelle beschert Ausrüstern wie Dürr dicke Aufträge. Diese werden obendrein lukrativer. „Dürr kann es sich mittlerweile leisten, Aufträge abzulehnen, bei denen die Gewinnspanne nicht hoch genug ist“, schreibt Christian Ludwig von der Berenberg-Bank.

Zudem will das Unternehmen die Abhängigkeit vom US-Markt zurückfahren und neue Kunden in Asien gewinnen. Aus Indien und China liegen bereits Aufträge vor. Besonders japanische Hersteller will Dürr als Kunden hinzugewinnen. Die kaufen bislang meist lieber bei ihren Landsleuten ein. Nissan und Honda haben bereits bei Dürr geordert. Automobil-Gigant Toyota hat dagegen bislang nur kleine Bröckchen an die Schwaben vergeben.

Ein Manko des Dürr-Papiers ist die in den vergangenen Jahren ausgefallene Dividende. Aktionäre hatten bei der Hauptversammlung im Mai den Vorstand scharf kritisiert, da nicht einmal ein symbolischer Betrag des letztjährigen Überschusses von acht Mill. Euro ausgeschüttet wurde. Im laufenden Jahr sollen aber 30 bis 40 Prozent des Gewinns an die Anteilseigner fließen. Analysten schätzen den Nettogewinn für 2007 auf rund 25 Mill. Euro. Laut Finanzinformationsdienst Bloomberg raten von den sechs das Unternehmen beobachtenden Analysten vier zum Kauf der Aktie. Die anderen beiden empfehlen eine Halteposition. Im Schnitt errechnen die Unternehmens-Experten ein Kursziel von 36,33 Euro. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 16, der Branchendurchschnitt bei 24.

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