Erstnotiz am 5. Mai
Air Berlin lockt mit Rabatt

Anleger können die Aktien der Fluggesellschaft Air Berlin ab Freitag in einer Preisspanne von 15 bis 17,50 Euro zeichnen, teilte das Unternehmen gestern mit. Die zweitgrößte deutsche Fluglinie nach Lufthansa ist das erste größere deutsche Unternehmen seit über einem Jahr, das mit einem Verlust in der Bilanz den Weg an die Börse sucht.

FRANKFURT. Der zweitgrößte deutsche Börsengang in diesem Jahr geht in die entscheidende Phase. Anleger können die Aktien der Fluggesellschaft Air Berlin ab dem heutigen Freitag in einer Preisspanne von 15 bis 17,50 Euro zeichnen, teilte das Unternehmen gestern mit. Nach einem Aktiensplit sollen maximal 50 Mill. Anteile an den Markt kommen. Damit liegt der Emissionserlös bei 750 Mill. Euro bis 875 Mill. Euro. Im laufenden Jahr hatte bisher nur der Chemiekonzern Wacker vor knapp drei Wochen mehr Geld bei den Anlegern eingesammelt.

Die zweitgrößte deutsche Fluglinie nach Lufthansa ist das erste größere deutsche Unternehmen seit über einem Jahr, das mit einem Verlust in der Bilanz den Weg an die Börse sucht. 2005 fiel bei Air Berlin ein Minus von 115 Mill. Euro an. Konsortialführer Commerzbank rechnet zwar für 2006 mit der Ergebniswende und einem Nettogewinn von rund 50 Mill. Euro. Doch der hohe Kerosinpreis, der harte Preiskampf unter Europas Billigfliegern, drohender Ärger mit den Piloten sowie die im Vergleich zu Ryanair und Easyjet niedrigere Profitabilität sorgten für Kritik an der Emission. Für Phantasie könnte dagegen die Hoffnung auf einen schnellen Aufstieg der Aktie in den Nebenwerte-Index MDax sorgen.

„Wir fühlen uns mit der Preisspanne sehr wohl, die Emission stößt auf reges Interesse bei den Anlegern“, hieß es gestern aus dem Kreis der begleitenden Banken. Vor allem Großinvestoren hatten im Vorfeld wegen der Risiken einen deutlichen Bewertungsabschlag von mindestens 20 Prozent gegenüber Europas führenden Billigfliegern gefordert.

Am unteren Ende der Preisspanne käme das Unternehmen auf Basis der Gewinnschätzungen für das Jahr 2007 und vor Einrechnung der Kapitalerhöhung jetzt mit einem Abschlag von 33 Prozent gegenüber dem direkten Konkurrenten Easyjet auf den Markt. Am oberen Ende der Spanne läge der Abschlag bei 22 Prozent.

Uwe Weinreich, Luftfahrt-Analyst der Hypo-Vereinsbank, hält das Unternehmen auf Basis der jetzt festgelegten Preisspanne für fair bewertet. Dann würden sich für Erstzeichner auch noch „Chancen auf Kursgewinne auftun“, glaubt Weinreich. Wie die Emissionsbanken Commerzbank und Morgan Stanley rechnet auch die Hypo-Vereinsbank damit, dass Air Berlin im laufenden Jahr den Weg aus der Verlustzone schafft. Am so genannten Graumarkt, wo die Aktien von Börsenkandidaten bereits vor der eigentlichen Erstnotiz gehandelt werden, hielt sich Air Berlin gestern in einer Spanne von 16,25 zu 16,75 Euro und damit solide innerhalb der Preisspanne.

Dem Unternehmen selbst werden durch den Börsengang aus einer Kapitalerhöhung 350 Mill. Euro bis gut 400 Mill. Euro zufließen, der Rest des Emissionserlöses soll an die Altaktionäre gehen. Vorstandschef Joachim Hunold will an seiner Beteiligung allerdings festhalten. Rund die Hälfte der Einnahmen will Air Berlin dem Prospekt zufolge nun doch zur Finanzierung der bestellten 60 neuen Airbus-Maschinen verwenden. Bisher hieß es, für den Kauf dieser Flugzeuge sei der Börsengang nicht notwendig. „Wir können mit den Erlösen aus dem IPO unser dynamisches Wachstum vorantreiben und erhalten zusätzlichen Handlungsspielraum, um an der allgemeinen Branchenentwicklung teilzuhaben“, sagte Hunold. Air Berlin will in den nächsten Jahren die dritte Position auf dem umkämpften europäischen Billigflugmarkt hinter Ryanair und Easyjet behaupten.

Anleger können die Aktien von heute an bis zum 4. Mai zeichnen. Die Erstnotiz ist für den 5. Mai geplant. Der Streubesitz von Air Berlin wird nach dem Börsengang bei maximal 80 Prozent liegen. Damit würde die Fluggesellschaft an der Börse insgesamt mit 950 Mill. Euro bis 1,1 Mrd. Euro bewertet.

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