Experten sehen die Märkte in robuster Verfassung
Dax-Ausblick: Sonnige Zeiten

Für die kommende Woche erwarten Analysten eine weiter freundliche Börsenentwicklung, die den Deutschen Aktienindex (Dax) noch über das Drei-Jahres-Hoch der vergangenen Tage treiben könnte.

HB FRANKFURT. Im Blickpunkt steht die Entwicklung des Euro, dessen jüngste Schwäche vor allem exportorientierte Werte beflügelt hatte. "Die Höchstwerte werden verteidigt und möglicherweise sogar übertroffen", sagt Günter Senftleben von der Bankgesellschaft Berlin. Es gebe zwar kaum richtungsweisende Impulse in der kommenden Woche, aber die Märkte seien in einer sehr robusten Verfassung. Am Mittwoch hatte der Dax angetrieben von steigenden Automobiltiteln das erste Mal seit Juni 2002 die psychologisch wichtige Schwelle von 4 500 Punkten überschritten. Am Freitag sorgte der MDax mit einem Allzeithoch von mehr als 6 000 Zählern für gute Stimmung bei Börsianern.

Von der technischen Analyse kommen zur Zeit klare Ansagen: "Über 4600, kleine Korrektur, dann 5 200", so lautet der Marschplan einiger Analysten. Ein Chartleser verweist zudem auf die frappierende Vergleichbarkeit des aktuellen Dax mit dem vom September 1996: "Die Chartsituation von damals sieht erfreulich ähnlich aus". Nach einer über einjährigen Flaggenformation sei 1995 ein Ausbruch erfolgt, der kurz korrigierte. Danach folgte bis Mitte 1996 ein erneuter Anstieg unter geringster Volatilität und ein Shake-Out. Anschließend stieg der Dax von 2600 auf rund 4 500, bevor die erste größere Korrektur einsetzte. Zwischenzeitlich wurde fleißig auf billige Einstandskurse gewartet, die nie kamen.

Weiterer Auftrieb durch Euroschwäche

Andere Indikationen wie die Marktbreite in Deutschland und USA sähen ebenfalls "hervorragend" aus, berichten die Analysten. Die gesamten Märkte hätten nach oben gedreht und nähmen Momentum auf. Wer einen Zwei-Jahres-Atem habe, dürfte sich wohl mit der 5800er-Marke anfreunden.

Der gestiegene Ölpreis spielt offenbar kaum eine Rolle für die Dax-Entwicklung. "Der ist im Moment als Risikofaktor komplett ausgeblendet", meint sagt Steffen Neumann, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Der Dollar wird nach seiner Einschätzung zum Euro möglicherweise noch zulegen und für weiteren Auftrieb sorgen. "Der Euro könnte sich in Richtung 1,20 Dollar bewegen", sagt Neumann. Seit Anfang der Woche hatte die Gemeinschaftswährung rund drei US-Cent auf knapp 1,23 Dollar verloren und damit auf die Ablehnung des EU-Verfassungsentwurfs in Frankreich und den Niederlanden reagiert.

Experten sehen deutschen Markt unterbewertet

Die "Doppel-Nein-Woche" zur EU-Verfassung hat unterdessen eine Meinungswende in den Köpfen der Marktteilnehmer bewirkt. Länderspezifische Titelauswahl steht damit wieder im Fokus. Und Deutschland sieht hier mit dem Thema "Neuwahl" besonders gut aus. Händler sehen eine laufende Verbesserung der Stimmung und verweisen dazu auf die Marktreaktionen der vergangenen Woche. Egal wie schlecht Konjunkturdaten wie zum Beispiel der Chicago-Einkaufsmanager-Index ausfielen, der Markt korrigierte nicht einmal richtig. "Wenn schlechte Nachrichten nicht mehr zu Kursverlusten führen, hat der Markt den Boden gesehen", heißt es im Handel.

Wer sich fragt, wieso "Stimmung" allein schon ein Kaufgrund liefert, hänge wahrscheinlich einer falsch kommunizierten "Contrary Opinion" an, mutmaßen Beobachter. Die soll angeblich Kaufsignale liefern, wenn die meisten Marktteilnehmer negativ eingestellt sind. Aber weit gefehlt: Einige Analysten weisen darauf hin, dass "ein steigendes Sentiment" gut ist für den Markt. "Nur das ist die Marktphase, in der Anleger umdisponieren und ihre Positionen aufstocken müssen", erklärt ein Analyst.

Neuwahlen als Katalysator

Und in eben dieser Phase des "Umdisponierens" befinde sich der deutsche Markt. Auslöser ist das Thema "Neuwahl", dass im Ausland als entscheidend betrachtet wird. Natürlich wird dort nicht auf das plakative Wort "Wahl", sondern auf deren Konsequenzen geblickt - und die heißen "Reformfantasie" und konkreter "Senkung der Lohnnebenkosten". Dies könne zu massiven Gewinnsteigerungen der Unternehmen führen, vermuten Analysten. Auf der Corporate Conference der Deutschen Bank vergangene Woche hätten ausländische Anleger immer stärkeres Interesse an deutschen Aktien bekundet, hieß es von Teilnehmern.

Zudem glänzte der deutsche Markt seit dem rot-grünen Regierungsantritt mit einer Underperformance, die zur Untergewichtung in internationalen Depots führte. Wenn hier die Hebel zugunsten Deutschlands umgelegt würden, könnte es zu länger anhaltenden Käufen kommen. Vielleicht haben diese Käufe sogar schon begonnen, mutmaßen einige Marktteilnehmer: Anders wäre ein Jahreshoch im Dax und ein Allzeithoch im MDax mit über 6000 Punkten wohl kaum zu erklären. Doch vor allem die deutschen Fonds seien noch stark untergewichtet. Sie hätten überhaupt erst mit Käufen begonnen, als der Dax die 4500er-Marke übersprang.

Daran sollte auch der überraschend schlechte US-Arbeitsmarktbericht für Mai nichts ändern. Der Stimmungswechsel dürfte auch hier Wirkung zeigen und schlechte Nachrichten zu guten für die Zinsperspektive ummünzen. Einige Analysten von Investmentbanken rechnen zumindest mit einer Aussetzung der Zinserhöhungen durch die US-Notenbank.

Termine und Highlights der kommenden Woche

Mit Spannung wird in der kommenden Handelswoche der für Montag geplante Börsengang von MTU Aero Engines erwartet. Finanzkreisen zufolge sind die Aktien des Triebwerksherstellers mehrfach überzeichnet. "Ein erfolgreicher Börsengang könnte sich positiv auf die Titel von Maschinen- und Exportunternehmen auswirken", sagt Steffen Neumann, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Der vierte Börsengang in diesem Jahr in Deutschland könnte die Papiere in den MDax führen.

Ansonsten wird der Aktienmarkt den Anstieg aber wohl aus eigener Kraft schaffen müssen: Von der Terminlage her sind keine Impulse zu erwarten. Am Montag wird das erste Treffen der EU-Finanzminister nach den gescheiterten Referenden im Blick stehen. Am Dienstag das OPEC-Treffen und Freitag die US-Handelsbilanz.

In den nächsten Tagen laden wieder zahlreiche Unternehmen ihre Aktionäre zu Hauptversammlungen ein. Hierzu gehören am Dienstag Jenoptik, mg technologies und Jungheinrich, am Mittwoch AWD Holding, Linde, GPC sowie Pfeiffer Vacuum, am Donnerstag WCM und Freenet sowie am Freitag Drägerwerk und Medigene. Bei Heidelberger Druckmaschinen steht am Dienstag die Bilanz für das vergangene Jahr auf dem Programm. Thomas Cook zieht am Donnerstag Zwischenbilanz 2004/05, während die Deutsche Lufthansa Verkehrszahlen für Mai vorlegt. An diesem Tag dürfte der Mittquartalsbericht von Intel die Technologiebranche bewegen

"In Verbindung mit den verbesserten Perspektiven für währungssensitive Titel durch den schwachen Euro könnte die gestiegene Nachfrage nach Dividendenwerten durchaus noch etwas anhalten und dem Dax weitere Kursgewinne bescheren", hieß es in einem Ausblick der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die über lange Zeit dämpfenden Negativfaktoren wie schwache Konjunktur und hoher Ölpreis seien in den Hintergrund gerückt worden.

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