Finanzwerte profitieren von der Konjunkturerholung, den weiter niedrigen Zinsen und der anhaltenden Fusionsphantasie
Analysten setzen auf europäische Banken

Die Zinswende in den USA steht unmittelbar bevor – längst geht es nicht mehr darum, ob die Zinserhöhung kommt, sondern wann sie kommt. Anleger, die ihr Geld in Bankaktien investieren, sollten rechtzeitig umdisponieren: raus aus den Staaten, rein in europäische Werte.

DÜSSELDORF. Bislang war der historisch niedrige Leitzins für die US-Banken fast eine Lizenz zum Gelddrucken, weil sich die Finanzinstitute billig bei der Zentralbank Geld leihen und es mit satten Aufschlägen vor allem an Privatkunden weitergeben konnten. Doch ist es mit den niedrigen Zinsen erst einmal vorbei, sprudeln die Gewinne von Citigroup & Co. nicht mehr so wie im vergangenen Jahr. Die Analysten der Citigroup-Tochter Smith Barney raten Anlegern daher, US-Finanzwerte unterzugewichten. Auch, weil die Konjunkturerholung in den USA ungleich fortgeschrittener ist als in Europa. Auch die Finanzexperten von SRC Research sehen bei US-Banken nur wenig Potenzial. „Allein die großen Investmenthäuser wie Merrill Lynch und Goldman Sachs sind zurzeit attraktiv“, erklären die Analysten. Beide Banken würden von dem anziehenden Geschäft mit Übernahmen und Börsengängen profitieren.

Auf dem alten Kontinent könnten die Banken hingegen weiter mit Niedrigzinsen kalkulieren. Selbst eine Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank ist noch nicht vom Tisch. Und „wenn die Konjunktur in Europa erst anspringt, profitieren auch die Investment-Banking-Sparten der hiesigen Banken“, sagt Manfred Jakob, Analyst bei der SEB. Jakob rät Anlegern zum Kauf der niederländischen ABN Amro, der „Value-Bank überhaupt in Europa“. Das Institut sei außergewöhnlich gut aufgestellt. Außerhalb der Niederlande ist ABN in Europa im Investment- Banking und dem gehobenen Privatkundengeschäft unterwegs. In den USA ist das Institut stark im Hypothekenbankgeschäft; dritter Heimatmarkt ist Brasilien, wo ABN mit der Beteiligung an Banco Real zu den großen Spielern im Retailgeschäft gehört. „Die Wachstumsperspektiven sind in keiner Weise im Aktienkurs berücksichtigt“, sagt Jakob. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2005 liegt derzeit bei 8,5 % und die Dividendenrendite bei 5,3 %.

Auch die Deutsche Bank empfiehlt Jakob mit einem Kursziel von 82 Euro zum Kauf. Gestern notierte die Aktie bei rund 66 Euro. Die Kreditrisiken des deutschen Marktführers seien überschaubar geworden. Auch die Eigenkapitalrendite habe sich verbessert. Gewinnphantasie sieht Jakob zudem im Investment- Banking: „Wenn denn die Konjunktur endlich anspringt, dann verdient die Deutsche Bank auch wieder Geld mit Fusionen und Übernahmen sowie mit Börsengängen.“

Auch insgesamt sind die deutschen Banken nicht so schlecht wie ihr Ruf. Das belegt auch die Studie „Winners in the Age of the Titans: Creating Value in Banking 2004“ der Boston Consulting Group (BCG). Die deutschen Banken profitierten danach vor allem von den erfolgreichen Restrukturierungsmaßnahmen, sagt Walter Sinn, BCG-Geschäftsführer. Karl-Heinz Goedeckemeyer, Analyst bei SRC Research, empfiehlt deshalb die Aktie der Commerzbank. „Vor allem im Retailbereich und dem Firmenkundengeschäft hat die Bank im ersten Quartal deutlich zugelegt.“ Der Analyst sieht das Papier bei 18 Euro fair bewertet. Gestern lag der Kurs bei rund 13 Euro.

Zudem fällt der Name Commerzbank immer wieder bei Gedankenspielen um Fusionen. Als wahrscheinlichster Partner gilt in Finanzkreisen die Hypo-Vereinsbank (HVB). Aber auch die Postbank sollten Anleger nach ihrem Börsengang im kommenden Monat auf dem Zettel haben, sagt Goedeckemeyer: „Die Bank ist interessant.“ Ob sich der Einstieg lohne, sei allerdings eine Frage des Preises. Alles um die 30 Euro sei akzeptabel.

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