Frankreich plant weitere Privatisierungen
EDF-Börsengang verläuft enttäuschend

Trotz des enttäuschenden Börsendebüts des französischen Stromversorgers EDF sehen Experten kein Risiko für weitere Privatisierungen. Mit Anteilen an Unternehmen wie Renault, Air France-KLM oder dem Versorger GDF hat der Staat noch attraktive Beteiligungen in seinem Portfolio.

PARIS. „Die Tatsache, dass am ersten Tag viele Privatanleger verkauft haben, ist eher ein Problem von mangelnder Aktionärskultur, gefährdet aber im Prinzip nicht weitere Privatisierungsvorhaben“, sagte Marc Touati, Chefökonom der Investmentbank Natexis.

Bei der Erstnotiz des größten europäischen Stromversorgers EDF haben gestern vor allem die Privatanleger schnell versucht, Kasse zu machen. In wenigen Stunden wechselten bereits 15 Prozent der neuen Aktien den Besitzer. Nach Angaben von Börsenmakler haben vor allem private Anleger ihre Papiere verkauft. Der EDF-Kurs dümpelte nur knapp oberhalb seines Ausgabepreises von 32 Euro.

Fünf Millionen Privatanleger hatten die EDF-Papiere gezeichnet. „Das zeigt, dass die Franzosen offen sind dafür, dass der Staat sich von seinen Industriebeteiligungen trennt“, kommentierte Experte Touati. Offenbar hatten die Privatanleger aber den Börsenerfolg des Gasversorger GDF im Kopf, der am ersten Tag seiner Kursnotiz ein Plus von 23 Prozent verzeichnet hatte. Doch institutionelle Anleger hatten den Ausgabepreis der EDF-Papiere kritisiert und sich skeptisch zu einem schnellen Kursgewinn geäußert.

In jedem Fall hat EDF-Chef Pierre Gadonneix seine Kapitalerhöhung mit Erfolg platziert, der Börsengang spült ihm rund sieben Milliarden Euro in die Taschen. „Die Kapitalerhöhung wird EDF erlauben, seine Entwicklung zu beschleunigen und sich dauerhaft unter den führenden europäischen Energie-Versorgern zu etablieren“, sagte er. Mit dem Geld will EDF sein ambitioniertes Investitionsprogramm von 40 Milliarden Euro bis zum Jahr 2010 finanzieren und auch Zukäufe bezahlen.

Mit der Privatisierung von EDF hat die Regierung wohl das politisch heikelste Projekt mit Erfolg über die Bühne gebracht. Denn der Stromversorger gilt als Symbol für den öffentlichen Dienst in Frankreich, zudem ist EDF eine Hochburg der französischen Gewerkschaften. Wichtiger als der flaue Börsenstart von EDF ist die Tatsache, dass die Gewerkschaften es nicht vermochten, die Bevölkerung gegen das Privatisierungsvorhaben zu mobilisieren.

Die großen Privatisierungen sind in Frankreich so gut wie abgeschlossen. In der Pipeline wartet noch der Flughafenbetreiber Aeroport de Paris (ADP). Dessen Marktwert wird auf rund 2,5 Mrd. Euro geschätzt. Verglichen mit dem Stromriesen EDF, der rund 60 Mrd. Euro auf die Waage bringt, ist ADP ein kleiner Fisch.

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