Geldanlage
Die Aktie - mehr als nur eine Unternehmensbeteiligung

Aktien machen aus Kleinanlegern weit mehr als bloße Mitglieder eines Unternehmens. Die Eigentümer werden durch ein Wertpapier zu Kleinunternehmern - und Visionären.

DüsseldorfEine Aktie, so steht es in einschlägigen Wirtschaftslexika knapp beschrieben, ist ein Anteil an einer Aktiengesellschaft, der seinen Eigentümern entsprechende Mitgliedschaftsrechte verbrieft. Doch eine Aktie ist noch viel mehr als diese trockene Formel; sie macht Kleinanleger zu Kleinunternehmern, zu Visionären. Wer ein solches Wertpapier kauft, kauft einen kleinen Anteil an einer Firma. Und er kauft ihn nur dann, wenn er glaubt, dass dieses Unternehmen in der Zukunft gut verdienen wird. Denn nur in diesem Fall macht auch er ein gutes Geschäft - weil es Dividenden gibt und der Kurs der Aktie steigt.

In Deutschland allerdings gibt es nur wenige dieser Kleinunternehmer. Gerade einmal 3,7 Millionen Anleger haben nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts DAI derzeit Aktien im Depot; das sind weniger als fünf Prozent der gesamten Bevölkerung. Zur Jahrtausendwende, während der großen Interneteuphorie an den Börsen, lag die Zahl der Aktionäre noch bei mehr als sechs Millionen. Doch nach dem folgenden Kurssturz haben sich viele Privatanleger verbittert zurückgezogen - und sind bislang nicht wiedergekommen. Die Aktienkultur, das stellen Konzernlenker wie Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, immer wieder betrübt fest, sei in Deutschland leider nicht sonderlich ausgeprägt.

Dabei sollte sie das. Unternehmen beschaffen sich über die Ausgabe von Aktien frisches Eigenkapital, das sie investieren - in neue Technologien, in Arbeitsplätze. Das alles dient dem Wohlstand einer Gesellschaft; es profitiert also ein jeder davon.

Amsterdam etwa wäre ohne die Aktie vermutlich nicht zu dem geworden, was es heute ist - eine reiche Hafenstadt. Anfang des 17. Jahrhunderts florierte in der niederländischen Metropole der Handel mit Gewürzen. Bis zu 70 Schiffe verließen im Jahr den Hafen Richtung Indien, um dort mit Pfeffer und anderen Gewürzen beladen zu werden; zahlreiche Unternehmen stiegen in den lukrativen Handel ein. Die größten unter ihnen schlossen sich 1602 zur Vereinigten Ostindischen Handels-Kompanie (V.O.C) zusammen.

Um die teuren Fahrten ins ferne Asien zu finanzieren, sammelte die Kompanie Geld bei wohlhabenden Kaufleuten ein, die wiederum Anteilseigner an der Gesellschaft wurden. Zudem bekamen die Financiers einen Teil des Gewinns der Handels-Kompanie ausbezahlt, sollten die Schiffe wohlbehalten in den Amsterdamer Hafen zurückkehren. Die Idee, dass die Anteile an der Handels-Kompanie über die Börse in Amsterdam gehandelt werden konnten, ohne dass die Gesellschaft das von den Investoren erhaltene Geld zurückzahlen musste, war revolutionär. Die erste Aktie war geboren. Die Kurse jedoch schwankten kräftig, noch kräftiger als heute, nicht selten um mehr als 30 Prozent am Tag. Weil es keine Informationsquellen wie Fernsehen oder Internet gab, war das Gerücht eine sehr viel gefährlichere Waffe, um Kurse zu manipulieren.

Damals waren die Anteilscheine noch auf Papier gedruckt, die Initiale reich verziert und die Schrift edel geformt. Häufig wurden sie mit Zeichnungen und Kalligrafien kunstvoll gestaltet. Das historische Wertpapier der V.O.C gehört mittlerweile der Amsterdamer Börse. Die älteste Aktie der Welt in Sammlerhand ist die der Compagnie des Indes Orientales aus dem Jahre 1665.

Heutzutage werden Aktien aus Kostengründen von Depotbanken elektronisch verwaltet - an ihrer Funktion hat sich jedoch nichts geändert.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
Claudia Schumacher
Claudia Schumacher
Handelsblatt / Redakteur
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