Geplanter Börsengang
Groupon muss Millionen-Rabatt einräumen

Ursprünglich wollte das Schnäppchen-Portal Groupon bei seinem Börsengang 750 Millionen Dollar einsammeln - nun sind es nur noch 540 Millionen. Der Zeitpunkt für den Sprung aufs Parkett ist aber noch offen.
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San FranciscoDas Internet-Rabattportal Groupon muss Investoren bei seinem geplanten Börsengang selbst einen Nachlass einräumen. Statt wie ursprünglich geplant 750 Millionen Dollar plant das US-Unternehmen nun nur noch bis zu 540 Millionen Dollar am Kapitalmarkt einzusammeln, wie aus dem Antrag an die US-Börsenaufsicht vom Freitag hervorgeht. Das gerade einmal drei Jahre alte Unternehmen aus Chicago will 30 Millionen Aktien für 16 bis 18 Dollar pro Stück an den Markt bringen.

Das Schnäppchen-Portal peilt bei seinem Börsengang eine Bewertung von bis zu 11,4 Milliarden Dollar an. Dem Dienst war ursprünglich eine Bewertung bis zu 20 oder sogar 30 Milliarden Dollar zugetraut worden. Doch die Abkühlung der Märkte und Fehler des Unternehmens sorgten dafür, dass sich der Börsengang immer weiter verzögerte und jetzt deutlich kleiner als erwartet ausfällt.

Der Zeitpunkt des Börsengangs ist offen. Zuletzt waren Zweifel laut geworden, ob das Geschäftsmodell der Start-Up-Firma langfristig trägt. Kritiker warnen, der Stern von Groupon könne ebenso schnell sinken wie der des lange hochgehandelten Online-Netzwerks MySpace. Mit Hilfe von Groupon können sich Internetnutzer einen Rabatt auf ein Produkt oder eine Dienstleistung sichern, wenn sich genügend andere Interessenten für ein Angebot finden.

Die Internet-Firma will ab kommender Woche bei potenziellen Geldgebern die Werbetrommel rühren. Vor allem der 30-jährige Firmenchef und -gründer Andrew Mason soll Geld bei den Investoren locker machen. Der Gang auf das Börsenparkett gilt als Gradmesser für andere Internet-Firmen wie das Spieleportal Zynga oder das soziale Netzwerk Facebook. Sollte die Emisson gelingen, stehen die Chancen gut, dass die anderen nachziehen.

Verpatzt Mason den Schritt, dürften sie sich angesichts der Turbulenzen an den Kapitalmärkten länger zurückhalten. Der Groupon-Gründer hätte allerdings bereits ein deutlich besseres Geschäft machen können. Kreisen zufolge hatte er im vergangenen Jahr ein sechs Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot von Google ausgeschlagen. Zuletzt hatte seine Firma mit einigem Widerstand zu kämpfen.

Unter dem Druck der Wall Street änderte das Unternehmen zwei Mal seine Rechnungslegung. Zudem verlor es allein im laufenden Jahr zwei Vorstände für das Tagesgeschäft. Experten bezweifelten außerdem, ob Groupon in absehbarer Zeit Gewinne erwirtschaften kann. Das SEC-Dokument zeigte in diesem Punkt einen Aufwärtstrend. Im dritten Quartal hat Groupon seinen Betriebsverlust demnach auf zwei Millionen Dollar eingegrenzt nach 62 Millionen Dollar im Vorquartal.

Im Heimatmarkt USA fuhr das Unternehmen bereits einen Gewinn von 19 Millionen Dollar ein. Dazu beigetragen hat auch der von Amazon zu Groupon gewechselte Manager Richard Williams, der zuletzt die Marketingausgaben deutlich drosselte. Der Bruttoumsatz des Rabattvermittlers, der gegen Provisionen Kundenvergünstigungen weiterreicht, stieg im vergangenen Quartal verglichen mit den Monaten April bis Juni um ein Viertel auf 1,16 Milliarden Dollar.

Im Jahresvergleich hat er sich fast versechsfacht. Der Provisionsanteil, der bei den Amerikanern hängenbleibt, lag zuletzt bei 430 Millionen Dollar gelegen und stieg damit im Jahresvergleich um 426 Prozent. Ende September hatte Groupon nach eigenen Angaben weltweit 30 Millionen Kunden, die einen Coupon bestellten. Davon schlugen 16 Millionen Schnäppchenjäger mindestens zwei mal zu. Im Schnitt gaben die Bezieher 13 Dollar pro Gutschein aus.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wie hoch war noch mal die "Bewertung" von StudiVZ? Irrwitzig hoch - so lange bis facebook kam, dann entwich die Luft aus der Bewertungsblase. Und so wird es auch bei Groupon kommen, sobald der erste halbwegs erfolgreiche Nachahmer am Markt erscheint - wetten? Denn wo bitte wäre das Alleinstellungsmerkmal, wo der Pfiff der Idee, die ja auch die Groupon-Macher schon ngeklaut haben? Das einzige, was also passiert ist: Die Blase ist diesmal etwas kleiner ausgefallen - na und?

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