Handelsblatt Insider-Barometer
Insider fahren weiter Gewinne ein

Der starke Kursaufschwung der vergangenen Wochen an den Aktienmärkten veranlasst immer mehr Top-Manager dazu, Gewinne mitzunehmen. Sowohl Anzahl als auch Volumina von Verkäufen sind zuletzt so stark gestiegen wie zuletzt Anfang Januar.

FRANKFURT. Anschließend ging es mit den Kursen für rund zwei Monate bergab, ehe die noch immer anhaltende Erholung eingesetzt hat. Bis vor kurzem gab es laut den Aufzeichnungen der Börsenaufsicht BaFin, an die Insiderkäufe wie -verkäufe gemeldet werden müssen, so gut wie keine Verkäufe. Und wenn doch, dann waren die Volumina kaum der Rede wert.

"In der zunehmenden Verkaufsneigung lässt sich ein kurzfristiges konträres Verhalten ausmachen, die Insider nutzen die höheren Kursniveaus, um einige Positionen abzubauen", sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance. Top-Manager gelten bei ihren Aktiengeschäften generell als antizyklisch. Durch ihr großes Wissen zur Zukunft des eigenen Unternehmens nutzen sie häufig Chancen zum Einstieg, wenn der Markt diese noch nicht erkannt hat und steigen aus, wenn ein allgemeiner Kauftrend entsteht.

Das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der Uni Aachen alle zwei Wochen zusammen mit Commerzbank Wealth Management exklusiv für das Handelsblatt berechnet, ist zuletzt deutlich auf 147 Punkte gefallen. Da in die Berechnung die durchschnittlichen Käufe und Verkäufe der vergangenen drei Monate eingehen, signalisiert es damit zwar immer noch eine deutlich überdurchschnittliche Kaufneigung der Insider. Dieser Bereich beginnt ab 110 Punkten.

Dass es zuletzt doch deutlich bergab ging, hängt indes damit zusammen, dass überhaupt wieder nennenswerte Verkäufe feststellbar waren. Selbst in der tiefsten Phase der Krise hat die Mehrzahl der Top-Manager an ihr Unternehmen geglaubt und Aktien zugekauft. Auf dem aktuellen Niveau stand das Insider-Barometer zuletzt im Januar des Vorjahres.

Deutsche-Bank-Aktie mittlerweile ausgereizt?

Dass speziell die Unternehmensinsider verkaufen, deren Aktien zuletzt massiv gewonnen haben, liegt auf der Hand. Paradebeispiel der vergangenen beiden Wochen ist die Deutsche Bank, bei der sich drei Top-Manager von Papieren im Wert von zusammen über 1,7 Mio. Euro getrennt haben. Die Kursentwicklung der Deutschen Bank trägt dabei viel zur Erklärung bei. Kostete die Aktie zu ihrem Tiefpunkt vor zwei Monaten noch phasenweise weniger als 17 Euro, so ist sie am Freitag bis auf knapp 42 Euro gestiegen. Auch Analysten treten trotz der zuletzt guten Zahlen auf die Bremse. "Aufgrund der sehr guten Kursentwicklung sehen wir die Aktie lediglich als Halteempfehlung", heißt es von den Experten von Commerzbank Wealth Management.

Markt für Triebwerksbauer verschlechtert

Ähnlich ist die Situation beim Flugzeug-Zulieferer MTU Aero Engines, wo die Vermögensverwaltung von Ex-Chef Udo Stark Papiere verkauft hat. Die Gesellschaft die in MTU-Aktien ohnehin sehr aktiv ist, hat in den vergangenen Monaten zumeist gekauft und tritt hier nun erstmals in größerem Umfang als Verkäufer auf. Auch hier dürfte der starke Kursanstieg der Aktie Auslöser für die Entscheidung gewesen sein. Analysten wie Avi Hoddes von der Schweizer Großbank UBS rechnen damit, dass sich der Markt für Triebwerksbauer in diesem Jahr noch verschlechtern wird.

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