Handelsblatt Insider-Barometer
Top-Manager kaufen heftig Aktien

Deutschlands Top-Manager sind trotz zuletzt steigender Aktienkurse weiter im Kaufrausch. Wie schon im vorherigen Erhebungszeitraum haben sie auch in den vergangenen beiden Wochen überdurchschnittlich häufig und dabei überdurchschnittlich viele Aktien ihres Unternehmens gekauft.

FRANKFURT. 124 Kauforders von Vorständen, Aufsichtsräten und deren Angehörigen stehen dabei lediglich fünf Verkäufen gegenüber. Die Volumina stiegen sogar auf den höchsten Stand seit Jahren und liegen dreimal so hoch wie im Durchschnitt.

Das geht aus der Datei der Börsenaufsicht Bafin hervor, wohin diese Orders jeweils spätestens fünf Handelstage nach der Durchführung gemeldet werden müssen. Bei der voran gegangenen Erhebung war sogar ein Rekordwert von 184 Insider-Käufen innerhalb von zwei Wochen erreicht worden, dem nur vier Verkäufe gegenüber standen.

"Wer jetzt kauft, der greift gleich richtig beherzt zu", sagt Christian Rouette vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der Technischen Universität Aachen. Käufe im Millionenbereich - sonst eher die Ausnahme - finden sich diesmal etliche. Das Insider-Barometer, das die Fifam alle zwei Wochen in Zusammenarbeit mit Commerzbank Private Banking exklusiv für das Handelsblatt berechnet, notiert bei hohen 194 Punkten. Geht es folglich nach denen, die wegen ihrer Insiderkenntnisse weit größeren Einblick in die künftige Entwicklung eines Unternehmens haben als gewöhnliche Aktionäre, dann sind die Aussichten für den Aktienmarkt im Allgemeinen und für diese Werte im Speziellen gut.

Die Einschätzung der Top-Manager steht dabei weiterhin in extremem Kontrast zu der von Analysten und Marktstrategen. Von denen hatte beispielsweise Albert Edwards von der französischen Großbank Société Générale zuletzt erst für das kommende Jahr den größten wirtschaftlichen Abschwung seit der großen Depression im Jahr 1929 prophezeit.

Das Phänomen, dass Top-Manager exakt anderer Meinung sind und diese extreme Marktphase auf breiter Basis zu Käufen nutzen, ist jedoch nicht nur beispielhaft für Deutschland. Auch in den USA, wo der Blick auf die Transaktionen der Unternehmensinsider eine weitaus längere Tradition hat als hier zu Lande, zeigte sich den gesamten Oktober über diese Situation. Das Verhältnis von Käufen zu Verkäufen bei Top-Manager, das in normalen Zeiten bei knapp sechs liegt, hat sich in dieser Zeit verdreifacht, hat Fondsmanager Volker Dietrich von BN Partners berechnet. Speziell in Branchen wie den Industriemetallen, in denen im Jahresverlauf überdurchschnittliche Kursverluste aufliefen, gab es besonders viele Kauforders.

Die mit Abstand größte Kauforder in Deutschland über knapp 75 Millionen Euro kam von Großinvestor und Aufsichtsrat Adolf Merckle, der sich ein weiteres Mal Anteile an Heidelberger Cement sicherte. Bereits bei der vergangenen Erhebung des Insider-Barometers hatte er sich Anteile für rund 57 Mio. Euro gesichert. Von Seiten der Analysten kommt schon seit längerem nicht mehr viel Positives zu Heidelberg Cement. Sie kritisieren vor allem die hohe Verschuldung. "Das wird kritisch", heißt es bereits im Hinblick auf den konjunkturellen Abschwung von den Experten von Commerzbank Private Banking.

Das gilt auch für viele andere Werte, bei denen Top-Manager zuletzt kräftig zugegriffen haben. Bei Deutschlands größten Windenergie-Unternehmen Nordex, wo eine ganze Gruppe aus Unternehmens-Insidern zuletzt Aktien gekauft hat, rügen die Experten, dass die Finanzierung der Projekte durch die Kreditkrise ins Stocken geraten ist. Einzig bei der Douglas Holding kommt Zustimmung für den Aktienkauf durch die dem Aufsichtsrat Jörn Kreke nahe stehende Kreke Trotz Konjunkturflaute glaubt die Mehrzahl der Experten, dass die anvisierten Prognosen erreicht werden.

Der spektakulärste Insider-Verkauf wurde erst bekannt, als die Berechnungen für das aktuelle Insider-Barometer schon abgeschlossen waren. Jochem Heinzmann, VW-Vorstand für den Bereich Produktion, hatte am letzten Tag im Oktober 2 000 der zu dieser Zeit völlig losgelösten VW-Aktien verkauft und dafür 537,93 Euro je Stück erzielt. Eine Woche später waren diese weniger als 390 Euro wert.

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