Insider-Barometer
Insider halten sich zurück

Sie kaufen, aber sie kaufen deutlich weniger. So lassen sich die Börsenaktivitäten von Deutschlands Top-Managern seit Mitte Januar am ehesten beschreiben, wenn es um die Aktien der eigenen Unternehmen geht. Auf der Gegenseite gibt es bei den Verkäufen ein Phänomen, das dort zuletzt im September vergangenen Jahres zu beobachten war.

FRANKFURT. Kein einziger Manager aus den 160 Unternehmen des Dax, MDax, TecDax und SDax hat sich trotz teils drastischer Tagesverluste in dieser Phase von Papieren seines Unternehmens getrennt. Das geht aus den Daten der Börsenaufsicht BaFin hervor, an die diese Orders gemeldet werden müssen.

„Hier spiegelt sich wohl die Unsicherheit der Insider wider. Jedoch hat diese nicht zu Verkäufen geführt, wie dies sonst bei psychologisch getriebenen Anlegern zu beobachten ist“, sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance. Das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) gemeinsam mit Commerzbank Wealth Management berechnet, notiert so weiter auf dem hohen Niveau von 197 Punkten. Bereits ab 110 Punkten zeigt es eine überdurchschnittlich hohe Kauflaune bei den Top-Managern. Allerdings notiert es in diesen Dimensionen schon seit dem vergangenen Sommer, was für ausgeprägten Optimismus der Unternehmensinsider im Unterschied zu Analysten und Volkswirten spricht.

Eine Erklärung für dieses Phänomen liegt laut Olaf Stotz darin, dass Deutschlands Top-Manager zum einen wohl im vergangenen Jahr noch lange Zeit eine gute Auftragslage vorfanden und erst ab Herbst vom Einbruch überrascht wurden. Zum anderen haben sie sich speziell mit Blick auf die Abgeltungssteuer gegen Jahresende mit Aktien eingedeckt.

Bei den interessantesten Käufen der vergangenen beiden Wochen fallen vor allem die Vorstandschefs selbst auf, die bei einigen Unternehmen Aktien gekauft haben. Bei EM Sport Media hat Bernd Burgener – der größte Insiderkäufer der vergangenen Wochen – bei der Hauptversammlung angekündigt, nach dem Verlust 2008 wieder in die Gewinnzone zurückkehren zu wollen. Dann allerdings unter dem Namen Constantin Medien, in den sich die ehemalige EM.TV in Kürze umwandeln wird. Die Aktie selbst jedenfalls profitiert schon jetzt: Sie hat im Januar mehr als 50 Prozent an Wert gewonnen.

Davon kann man beim Chemie-Unternehmen Lanxess nur träumen. Hier ging es um 15 Prozent bergab. Vorstandschef Axel Heitmann verglich die aktuelle Lage mit einem Tsunami. Dennoch hat er für mehr als 720 000 Euro Lanxess-Aktien gekauft. Analysten teilen seinen Optimismus nicht: „Das Unternehmen bietet einen hohen Abschlag zum Sektor, verfügt jedoch über eine geringe Visibilität und über eine nicht vorhandene Historie, wie es sich im Abschwung verhält“, heißt es bei den Analysten von Commerzbank Wealth Management. Sie beurteilen die weiteren Aussichten vorsichtig.

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