Insider-Barometer
Manager halten sich zurück

Unsichere Börsen lassen die Insider vorsichtig werden: So wenig Insiderhandel wie in den vergangenen zwei Wochen gab es seit Mai 2007 nicht mehr. Gerade deswegen könnten die kommenden Wochen an den Aktienmärkten besonders spannend werden. Das Insider-Barometer.

FRANKFURT. Schlägt doch die Unsicherheit der Finanzmärkte inzwischen mehr und mehr auf die Realwirtschaft durch. „Gerade die Industrie spürt dies jetzt in Form von wegbrechenden Aufträgen“, sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance.

Kam es bislang lediglich auf der Verkaufsseite zu ganz wenigen Deals, so werden nun auch immer weniger Aktien von den Top-Managern gekauft. Das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der Uni Aachen alle zwei Wochen in Zusammenarbeit mit Commerzbank Wealth Management exklusiv für das Handelsblatt berechnet, notiert zwar weiterhin bei hohen 193 Punkten. Damit zeigt es immer noch erhöhte Kaufneigung. Das liegt aber auch daran, dass in die Berechnung der gewichtete Durchschnitt der vergangenen drei Monate eingeht, in der es in Relation zu den Käufen nur ganz wenige Verkäufe gab.

Unter den 160 Unternehmen aus Dax, MDax, TecDax und SDax gab es zuletzt dennoch hochinteressante Einzelorders, bei denen Top-Manager zugegriffen haben. Mit der Deutschen Bank und Beiersdorf waren sogar zwei Dax-Werte unter den Top-5, wenn auch hier die Volumina relativ gering war. Für knapp 40 000 Euro hat Deutsche Bank-Aufsichtsrat Peter Job Aktien geordert. Auf Zustimmung von Analysten braucht er dabei nicht zu hoffen. Finanzwerten gegenüber sind die Experten schon seit geraumer Zeit so negativ eingestellt wie keiner anderen Branche gegenüber. Bei der Deutschen Bank-Aktie raten von 42 Analysten, die sie laut dem Informationsdienst Bloomberg beobachten, immerhin noch zehn zum Kauf. Die Experten von Commerzbank Wealth Management empfehlen, die Aktie zumindest zu halten. Immerhin habe die Deutsche innerhalb der abgelaufenen drei Monate ihre Risikoposition drastisch reduziert, heißt es. Und mit den Nachverhandlungen bei der Postbank–Übernahme sei zumindest ein niedrigerer Baranteil erreicht worden, womit das Kapital geschont wird.

Der Konsumgüterhersteller Beiersdorf hat solche Sorgen nicht. Trotzdem kam auch seine Aktie in den vergangenen Wochen unter Druck, weil die Zahlen für das abgelaufene Jahr enttäuscht hatten. In dieser undurchsichtigen Phase wurde immerhin aus dem familiären Umfeld eines Aufsichtsrates einmal beherzt zugegriffen. Auf Analystenseite ist man aber vorsichtiger. Das hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,5 bremst bei vielen die Euphorie, obwohl Beiersdorf mit seinen eher konjunkturresistenten Geschäft an sich wenig von der Wirtschaftskrise abbekommen hat.

Den auffälligsten Verkauf gab es beim Online-Reifenhändler Delticom. Dessen Aktienkurs hat von den herben Verlusten, die es in vergangenen Jahr überall am Aktienmarkt gab, so gut wie nichts abbekommen. Das Zwischenhoch der vergangenen Wochen hat Aufsichtsrat Andreas Prüfer zum Ausstieg genutzt. Delticom profitiert in diesem Jahr vom besonders langen und strengen Winter. Viele Autofahrer haben deshalb neue Winterreifen geordert, auch wenn die alten Schlappen noch ausreichend Profil hatten.

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