Insider-Barometer
Top-Manager halten die Füße still

Zum Jahresanfang ist der Optimismus an den Börsen wieder groß. Doch deutsche Vorstände und Aufsichtsräte hielten sich auffällig zurück. Keiner von ihnen hat gekauft - und kaum einer verkauft. Gründe gibt es mehrere.
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FrankfurtEs ist der beste Jahresstart seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts an den Börsen: Gut zehn Prozent hat der Dax seit dem ersten Handelstag zugelegt. Ähnlich gut sieht es in allen anderen Leitindizes dieser Welt aus. Die Stimmung ist prächtig, auch wenn sich an den grundsätzlichen Voraussetzungen seit dem vergangenen Herbst eigentlich nichts verbessert hat. „Ich kann das gut verstehen. Anfang des Jahres sind immer alle optimistisch“, sagt dazu Simon Bölinger vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam). Das sei Teil der Psychologie.

Völlig anders sieht es bei denen aus, die es besser wissen müssten als der Rest der Anlegerschaft. Kein einziger Vorstand und Aufsichtsrat einer deutscher Aktiengesellschaften hat in den vergangenen beiden Wochen, in denen es an den Börsen rapide nach oben ging, gekauft. Das gab es laut Bölinger noch nie seit Unternehmenschefs und Aufsichtsräte ihre Orders bei der Börsenaufsicht Bafin melden müssen. Verpflichtet dazu sind sie seit dem Jahr 2002. Kurios ist: Zuletzt hat aber auch kaum jemand von den Insidern Aktien verkauft.

Gründe dafür, dass sich die Firmenlenker zurückhalten, gibt es mehrere. Zum einen haben sie sich von August bis Oktober vergangenen Jahres, als die Börsen massiv eingebrochen waren, in großen Mengen mit Aktien eingedeckt. Damals notierte der Dax zwischen 5000 und 5500 Punkten, jetzt mehr als 1000 Punkte darüber. Bei rund einem Drittel aller Dax-Konzerne gab es damals Käufe von Topmanagern.

Dass es jetzt keine Käufe mehr gibt, liegt aber auch daran, dass zwar die Stimmung besser geworden ist, sich aber an den grundlegenden Problemen in Griechenland und vielen anderen Teilen der Welt nichts geändert hat. Ganz im Gegenteil, oftmals hat sich die Lage gar verschlechtert. War damals in Griechenland von einem Schuldenschnitt von 50 Prozent die Rede, so wird inzwischen über einen Schnitt von 70 bis 80 Prozent gesprochen.

Zudem zeigt sich auch in den Bilanzen der Unternehmen inzwischen, dass das Wachstum nicht unendlich ist. Bestes Beispiel dafür war in der vergangenen Woche Siemens, wo auf der Hauptversammlung die Aktionäre offen darauf eingestimmt wurden. „Siemens ist stets ein besonders guter Indikator für den Zustand der Wirtschaft“, sagt Fifam-Experte Bölinger.

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