Insider-Barometer
Top-Manager machen Kasse

Dürr war zuletzt Top-Seller unter den Insidern. Die Verkäufer kamen vorwiegend aus den eigenen Reihen. Für den Autozulieferer gilt jedoch weiterhin eine Kaufempfehlung.
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FrankfurtDeutschlands Firmenlenker und Aufsichtsräte halten sich in den Sommerferien tendenziell mit Aktienkäufen und -verkäufen zurück. Die Umsätze im Insider-Barometer, das die Experten des Aachener Forschungsinstituts für Asset Management (Fifam) und der Commerzbank regelmäßig für das Handelsblatt aus den Meldungen an die Finanzaufsicht Bafin berechnen, sind aktuell recht niedrig.

Trotzdem gibt es interessante Transaktionen: "Die Insider handeln antizyklisch und auffällig ist, dass es die größten Verkäufe bei Aktien gab, die extrem gut gelaufen sind", sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management.

Der größte Verkauf, der in den vergangenen beiden Wochen bekannt wurde, kam vom Autozulieferer Dürr. Heide Dürr - Ehefrau von Aufsichtsrat und Firmenpatriarch Heinz Dürr - hatte am 9. Juli Aktien zum Kurs von 51,50 Euro über insgesamt knapp 1,3 Millionen Euro veräußert.

Dürr-Aktie klettert nach Insider-Verkauf auf Top

Dabei hatte der Anlagen- und Maschinenbauer Dürr erst im Juni seine Geschäftsprognose für das laufende Jahr kräftig erhöht. Die Dürr-Aktie hat sich aber in den vergangenen drei Jahren bereits verfünffacht. Knapp zwei Wochen nach dem Verkauf von Heide Dürr stieg die Dürr-Aktie auf das Allzeithoch von 58 Euro. Seither sank sie auf unter 55 Euro. "Die Familie Dürr, die 30 Prozent der Aktien hält, fällt häufig dadurch auf, dass sie hohe Kursniveaus zu Gewinnmitnahmen nutzt und bei zwischenzeitlichen Kursschwächen nachkauft", sagt Stotz.

Kasse auf hohem Niveau machte auch Hans-Jürgen Wiecha, Finanzvorstand beim Verpackungshersteller Gerresheimer. Die Gerresheimer-Aktie markierte am 20. Juli ein Allzeithoch von 40,41 Euro. Drei Tage zuvor hatte Wiecha zum Kurs von 39,25 Euro verkauft.

Dabei sind auch die Aussichten für Gerresheimer weiter gut. Der Konzern hob vor knapp drei Wochen seine Umsatzprognose für das laufende Jahr an. Analysten erhöhten daraufhin ihre Kursprognosen für die Aktie: HSBC sieht ein Kursziel von 45, die Berenberg Bank von 46 Euro.

Antizyklisch ist auch der zuletzt größte Insider-Kauf bei einem deutschen Unternehmen: Beim Spezialchemiekonzern H&R schlug Vorstandschef Nils Hansen erneut zu. Dabei waren die jüngsten Quartalsergebnisse schwach, und die H&R-Aktie fiel am Freitag auf nur noch gut zwölf Euro - den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Hansen, der insgesamt die Hälfte der H&R-Aktien hält, kauft dennoch seit langem stetig zu.

Insgesamt ging das Insider-Barometer zuletzt nur leicht auf 115 Punkte zurück. Damit signalisiert es laut Stotz, dass der deutsche Aktienmarkt mit Sicht auf die kommenden drei Monate gut unterstützt ist.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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