Investmentidee
Petrobras gefällt Analysten

Der brasilianische Ölmulti lockt mit hohen Reserven und starkem Wachstum. Heikel ist indes der staatliche Einfluss. Allerdings bietet dies aus Sicht der Aktionäre auch Vorteile. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

SAO PAULO. Die Übernahme zweier Petrochemiekonzerne durch den brasilianischen Ölkonzern Petrobras in diesem Jahr kam bei den Investoren schlecht an. Sie befürchteten, dass die Regierung den halbstaatlichen Konzern für industriepolitische Zwecke missbraucht. Die Petrobras-Aktie sackte zeitweise um zehn Prozent ab. „Wir können die Aktion von Petrobras nicht verstehen“, erklärte Tereza Mello von JP Morgan, „sollte Petrobras eine führende Rolle in der Petrochemie übernehmen, dann ist das eindeutig negativ für das Unternehmen.“

Wieder einmal war der wichtigsten brasilianischen Aktie – neben dem Erzkonzern CVRD – ihr Zwitterdasein als halbstaatlicher Konzern zum Schicksal geworden. Denn obwohl rund 44 Prozent des Petrobras-Kapitals an der Börse gestreut ist, kontrolliert der brasilianische Staat den Konzern.

Allerdings bietet dies aus Sicht der Aktionäre auch Vorteile: So haben ausländische Wettbewerber im Vertrieb, beim Import und selbst in der Öl- und Gasproduktion de facto nur eine Chance, wenn sie sich mit Petrobras zusammentun. Die Gesetzeslage sichert Petrobras in vielen Geschäftsbereichen von der Ölexploration bis zum Tankstellenbetrieb die Möglichkeit, als dominierender Anbieter aufzutreten. Das garantiert Monopolgewinne. Problematisch wird es, wenn die Regierung Petrobras für ihre Zwecke einspannen will. In der Industriepolitik – etwa zum Aufbau einer Petrochemieindustrie oder, wie ebenfalls geplant, zum Aufbau der größten Biodiesel- und Ethanolproduktion des Landes – kann das für langfristig denkende Aktionäre noch sinnvoll erscheinen. Für die Personalpolitik gilt das nicht: Wenn die Spitzen mit politischen Verbündeten besetzt werden statt mit Fachkräften, dann ist das für das Management eine Katastrophe. Da die oberste Führungsebene aus politischen Gründen nur ein Bruchteil dessen verdient, was sonst in der Branche bezahlt wird, hat sich die Fluktuation unter den Spitzenkräften bedenklich erhöht.

Trotzdem ist die Aktie für Investoren interessant, obwohl sich der Kurs wegen des steigenden Ölpreises wieder erholt hat und das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2007 von zwölf dem Mittelwert der Branche entspricht. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt die Aktie zum Kauf. Der entscheidende Grund für die Zuversicht: Petrobras wird seine Produktion in den nächsten Jahren stark steigern. „Es ist eine der Ölgesellschaften mit der aggressivsten Produktionskurve weltweit“, sagt Analyst Felipe Cunha von Brascan in São Paulo. Gerade hat das Management den Investitionsplan für die nächsten fünf Jahre vorgestellt: Mit 112 Mrd. Dollar will der Konzern rund ein Drittel mehr investieren als bisher geplant. Damit werden zwar zum Teil die gestiegenen Kosten in der Exploration und Produktion aufgefangen. Dennoch steckt der Konzern unter dem Strich deutlich mehr in die Erweiterung seiner Reserven.

Seite 1:

Petrobras gefällt Analysten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%