Konzentration auf Marktnischen
Adecco-Aktie gilt als chancenreich

Adecco will sich auf lukrative Marktnischen konzentrieren. Dieses Konzept der Zeitarbeitsfirma gefällt den Analysten.

ZÜRICH. „Investiere nicht da, wo Klaus Jacobs investiert“, lautet ein geflügeltes Wort in der Schweiz. Diese Aussage stammt aus der Zeit, als der Deutsche sein Jacobs-Suchard-Imperium in die USA an Philip Morris verkaufte und damit die Nerven der in ihre Marken verliebten Eidgenossen empfindlich strapazierte. Lange ist’s her. Heute gilt eher die umgekehrte Version des Satzes: Die Basler Bank Sarasin beispielsweise sieht in der Aktie des Personaldienstleisters Adecco, bei dem Jacobs Großaktionär ist, derzeit einen der interessantesten Werte des Schweizer Aktienindexes SMI.

Die Einschätzung hat vor allem damit zu tun, dass Jacobs mit hohem persönlichen Einsatz Adecco nach vorne treibt. Das Unternehmen hatte sich zwar nach zahlreichen Übernahmen weltweit an die Branchenspitze gesetzt, schlitterte dann aber in eine Krise, die sich im nachhinein als reichlich überflüssig herausstellt. Ausgerechnet während des Enron-Skandals musste Adecco Buchhaltungsprobleme einräumen. Gefunden wurde zwar nie wirklich etwas, der Kurs aber brach ein. Als das Debakel überstanden war, hatte die Konkurrenz längst aufgetrumpft: Konkurrenten wie Randstad, Manpower und Vedior hatten sich auf das lukrative Geschäft mit der Vermittlung von Führungskräften gestürzt, in dem sich hohe Margen erwirtschaften lassen.

Adecco war zurückgefallen. Jacobs wollte es noch einmal wissen, übernahm vergangenen Herbst selbst die Führung, boxte den zweiten Großaktionär hinaus und verkündete nach nur zwei Monaten an der Spitze eine knapp 700 Mill. Euro teure Investition: Er beabsichtige, den deutschen Personaldienstleister DIS zu kaufen und dessen Management gleich mit. DIS-Chef Dieter Scheiff und Finanzchef Dominik de Daniel sollten diese Aufgaben künftig bei Adecco übernehmen. Die Zahlen, die DIS erzielt, dürften Jacobs beeindruckt haben: Bei 315 Mill. Euro Umsatz kam bei DIS im vergangenen Jahr ein Vorsteuergewinn von 40 Mill. heraus. Beide Manager haben damit zwar ein vergleichsweise kleines Unternehmen geführt, aber sie bringen Erfahrung mit: DIS ist wie Adecco inzwischen nach Nutzerbranchen gegliedert.

Störfeuer bei der Übernahme kommt von Finanzinvestoren und Hedge-Fonds wie The Liverpool Limited Partnership von den Bermudas und Elliott International von den Cayman Islands. Sie sind auf „Sondersituationen“ spezialisiert und haben DIS-Aktien gekauft, nachdem Jacobs seine Übernahmeabsicht bekannt gab. Nun versuchen sie ihr etwa zehn Prozent schweres Aktienpaket so teuer wie möglich an Adecco zu veräußern. Sie verlangen eine Sonderprüfung der Übernahmeumstände und haben – allerdings bislang vergeblich – mit einer einstweiligen Verfügung versucht zu verhindern, dass Scheiff zu Adecco wechselt.

Nimmt Scheiff wie geplant zur Jahresmitte seine Arbeit auf, wird er Adecco weiter weg vom Massengeschäft und hin in lukrative Nischen treiben. Das würde den Adecco-Aktien Attraktivität verleihen, wobei Erfolge aber nicht sofort sichtbar werden dürften. Dass Jacobs sich zunächst auf den Posten des Verwaltungsratspräsidenten und später ganz aus Managementfunktionen bei Adecco zurückziehen will, dürfte der Aktienentwicklung dann nicht mehr schaden.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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