Kurseinbruch
Krise des Welthandels trifft HHLA-Aktie mit Wucht

Der Hamburger Hafen hat das Jahr 2008 mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Doch die Anleger interessieren sich für die guten Zahlen von gestern herzlich wenig. Sie scheuen die Aktie, weil sie angesichts des Einbruchs im Welthandel mit schwindenden Erträgen rechnen. Analysten bemängeln vor allem die Abhängigkeit vom asiatischen Markt.

FRANKFURT. In den Häfen stapeln sich die Container, die deutschen Seehäfenbetreiber kündigten bereits Kurzarbeit und Stellenabbau an. Auch die Prognosen für die nächsten Monate sind düster. Der deutsche Außenhandelsverband (BGA) rechnet 2009 mit einem Exportrückgang um 15 Prozent, dem stärksten Rückgang seit Gründung der Bundesrepublik vor 60 Jahren. Neun Prozent Rückgang im Welthandel erwartet die Welthandelsorganisation WTO. Doch ein Lichtblick bleibt: Der negative Trend könnte sich ab Mitte des Jahres wieder langsam umkehren.

Angesichts der trüben Lage bringt die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) ein Sparprogramm auf den Weg. Dazu gehört neben Kurzarbeit auch ein deutlich verlangsamter Ausbau der Kapazitäten. Statt der ursprünglich geplanten 1,2 Milliarden Euro kündigte Vorstandschef Klaus-Dieter Peters an, bis 2012 nur die Hälfte investieren zu wollen.

Der weltweite Exporteinbruch trifft die HHLA nach einem Rekordjahr 2008. Der Logistiker erwirtschaftete einen Konzernumsatz von 1,32 Milliarden Euro und konnte seinen Betriebsgewinn (Ebit) um 67 Millionen auf 355 Millionen Euro steigern.

Doch trotz guter Zahlen sind die Anleger bereits seit dem vergangenen Sommer zurückhaltend. Der Kurs kannte nur eine Richtung: abwärts. Im Vergleich zum Vorjahr büßte die Aktie rund die Hälfte ihres Wertes ein. Das angekündigte Sparprogramm sorgt jedoch vorerst für eine Erholung. Der Schlusskurs lag gestern Nachmittag bei rund 22,90 Euro.

Aus Sicht der Analysten ist die momentane Verunsicherung entscheidend für die Zurückhaltung der Investoren. "Der Hamburger Hafen ist aus Anlegersicht eng mit dem Welthandel verbunden", sagt Sebastian Hein, Analyst beim Bankhaus Lampe. "Die schlechten Prognosen für den Welthandel werden deshalb eins zu eins auf das Unternehmen übertragen."

Neun von achtzehn Analysten empfehlen dennoch, die Aktie zu kaufen. Fünf Analysten raten zum Verkauf und vier, die Aktie zu halten. So gemischt wie die Analystenempfehlungen sind auch die anvisierten Kursziele. Bankhaus-Lampe-Analyst Hein erhöhte sein Kursziel leicht von 21 auf 23 Euro, stufte die Aktie aufgrund der unsicheren Prognosen jedoch unverändert auf "Halten" ein. Das Unternehmen sei im Vergleich zur Konkurrenz gut aufgestellt, momentan räche sich jedoch die starke Abhängigkeit vom asiatischen Markt.



Hier finden Sie die aktuellsten Analysten-Einstufungen zu HHLA.



Trotzdem sei die Aktie aber nach wie vor für Anleger interessant, sagt Michael Bahlmann, Analyst beim Bankhaus M.M. Warburg. Bahrmann sieht das Kursziel bei 30 Euro und empfiehlt die Aktie zum Kauf. Allerdings revidierte er seine Schätzungen für 2009 deutlich nach unten. Statt einem Ergebnis je Aktie (EPS) von 1,53 Euro geht der Analyst nun von einem EPS von 1,18 Euro aus. "Es ist derzeit schwierig abzuschätzen, wie stark der Containerumschlag im laufenden Jahr fallen wird", so Bahlmann. Die langfristige Analyse des Unternehmens und die beabsichtigte massive Senkung der Investitionen veranlassen ihn jedoch, bei seiner Kaufempfehlung zu bleiben.

Weit weniger optimistisch schätzt Analystin Ruxandra Haradau-Döser vom Bankhaus Metzler die derzeitige Marktlage ein. Sie empfiehlt, die Aktie zu verkaufen. Grund sei vor allem die unsichere Preisentwicklung der nächsten Monate. Der größte HHLA-Kunde Hapag-Lloyd hatte angekündigt, über die Kosten des Umschlags neu verhandeln zu wollen. Das lasse Preissenkungen wahrscheinlich werden. Auch die HHLA selbst hält sich mit Prognosen für den weiteren Jahresverlauf zurück. Trotz einem zu erwartenden Rückgang bei Umsatz und Gewinn rechnet Vorstandschef Peters aber damit, auch 2009 profitabel bleiben zu können. Außenhandelsexperten erwarten zudem bereits für 2010 wieder einen Anstieg der Ausfuhren um vier bis fünf Prozent.

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