Kurssprünge
Top-Manager nutzen die Börsenturbulenzen

Top-Manager haben das Auf und Ab der vergangenen Börsenwochen ausgenutzt: Es wurde kräftig gekauft und verkauft - meist gegen den Trend des allgemeinen Marktgeschehens.
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FrankfurtAuf den ersten Blick könnten Siemens-Aktionäre bei dieser Meldung einen Schreck bekommen. Nahezu der gesamte Vorstand hat sich an einem einzigen Tag von Aktien im Wert von über neun Millionen Euro getrennt. Eine konzertierte Aktion, könnte man vermuten. Oder noch schlimmer: einen erwarteten Einbruch des Geschäfts im kommenden Jahr.

Bei Siemens kennt man solche Befürchtungen von Kleinanlegern natürlich und hat sofort reagiert. Die Verkäufe stünden in Zusammenhang mit einem Mitarbeiterprogramm, das vor drei Jahren aufgelegt wurde, hieß es. Mit den Erlösen sollten Steuern beglichen werden, die dafür anfallen. Mehr als die Hälfte der abgegebenen Papiere stammen von Vorstandschef Peter Löscher, der über 4,8 Millionen damit eingenommen hat.

Simon Bölinger vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) in Aachen verfolgt die Wertpapierorders der Unternehmensinsider seit Jahren. Er rät Anlegern, die weitere Entwicklung bei Siemens nach diesen Deals zumindest genau zu verfolgen. Zu 73,41 Euro je Aktie haben die Bosse des Konzerns verkauft. Am Freitag lag der Kurs dann bei rund 75,50 Euro. Der allgemeine Kursaufschwung der vergangenen Woche hat somit auch die Siemens-Aktie erfasst.

Top-Käufe

UnternehmenInsiderVolumen in EuroVeröffentlichtIndex
TuiPoalim Worldwide2.023.87921.11.'11MDax
Gerry Weber

R+U Weber GmbH & Co. KG;

N+A Hardieck GmbH & Co. KG

1.877.08924.11. - 30.11.'11MDax
JungheinrichLJH Holding, WJH Holding1.412.21922.11. - 25.11.'11SDax
BrenntagJ. Buchsteiner, St. Edward Holland426.39717.11.'11MDax
TAG ImmobilienLutz R. Ristow399.13018.11. - 21.11.'11SDax

Die Mehrzahl der Analysten ist trotz der Verkäufe weiter von der Siemens-Aktie überzeugt: Für sie spricht zunächst einmal der Erfindungsgeist des Unternehmens. In diesem Jahr hat der Konzern die Zahl seiner Erfindungen um zehn Prozent auf 8600 gesteigert. Daneben sind es immer mehr die langfristigen Zukunftstrends wie der global steigende Strombedarf oder die wachsende Nachfrage nach Gesundheitsprodukten, die die Analysten loben. Und das zu einem Kurs, der trotz der jüngsten Erholung sowohl historisch als auch im Vergleich zu den Wettbewerbern sehr attraktiv wirkt. „Wir sehen eine unveränderte Einstiegschance“, betonen die Analysten von Commerzbank Wealth Management.

Solche Aussagen wirken weit optimistischer als das, was beim zweiten großen Verkauf der vergangenen beiden Wochen zu hören ist. Der Carbonproduzent SGL, der sowohl bei BMW als auch bei VW im Moment begehrt ist, hat an der Börse in den vergangenen Monaten von der Nachfrage der Autohersteller stark profitiert. Die Aktie ist damit 20 Prozent mehr wert als vor dem Absturz der Märkte im Juli. Dass Vorstandschef Robert Köhler dies genutzt hat, um sich von Papieren im Wert von knapp 450.000 Euro zu trennen, verwundert Fifam-Experten Bölinger kaum. „Es ist nicht erstaunlich, wenn sich Insider für einen antizyklischen Verkauf entscheiden“, sagt er.

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