Kurzfristig rechnen Analysten jedoch nicht mehr mit großen Kurssprüngen – Neupositionierung zeigt deutliche Erfolge
Dax-Aufnahme macht Conti attraktiv

Den Rückenwind durch die Aufnahme in den Deutschen Aktienindex Dax hätte die Aktie des Autozulieferers und Reifenherstellers Continental AG eigentlich gar nicht nötig gehabt: Um etwa 50 % hat der Kurs bereits seit Jahresbeginn zugelegt und damit den Dax deutlich geschlagen.

hof FRANKFURT. Doch dass das Papier nach dem Willen der Deutschen Börse ab dem 22. September wieder in dem Topsegment vertreten ist, wird dem Kurs mittelfristig helfen. Darin sind sich Analysten einig. Auch darin, dass Continental-Chef Manfred Wennemer das Unternehmen auf die richtige Spur gesetzt hat. Denn die Erfolge der Restrukturierung und Neupositionierung vom Reifen- zum Technologieanbieter können sich sehen lassen: Continental hat in den vergangenen Jahren die Verschuldung deutlich gesenkt, sechs Quartale in Folge konnte das Unternehmen trotz eines schwierigen Marktumfeldes die Erträge erhöhen. Für ein Ende der Erfolgsfahrt sieht Wennemer keinen Anlass. Im laufenden Geschäftsjahr will er einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 700 Mill. Euro machen.

Die Gesundung hat sich an der Börse bereits deutlich niedergeschlagen. Die Marktkapitalisierung von Continental stieg seit September 2001 von 1,3 Mrd. Euro auf aktuell rund 3 Mrd. Euro. Die meisten Analysten wie Tino Morgner von der WGZ-Bank und Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim wittern dennoch weiteres Kurspotenzial. Angesichts des starken Preisanstiegs in den vergangenen Monaten sehen sie aber die Bäume nicht mehr in den Himmel wachsen. „Die Prämie für den Dax-Aufstieg dürfte bereits eingepreist sein“, kommentiert Roland Könen vom Bankhaus Lampe. Sein Kursziel von 28 Euro auf Sicht von 12 Monaten entspricht jedoch einem Aufschlag von annähernd einem Viertel gegenüber dem aktuellen Wert von Mittwochnachmittag. Bis dahin hatte die Aktie im Handelsverlauf einen Teil ihrer anfänglichen Gewinne abgeben müssen. Conti-Finanzvorstand Alan Hippe ist optimistischer: Kurzfristig werde sich nicht viel bewegen, glaubt er. Nach der Analyse der Kennzahlen habe der Kurs aber mittelfristig Potenzial von 30 % bis 40 %. Helfen werde die Rückkehr in den Dax nach siebenjähriger Abstinenz – zum ersten Mal in der Geschichte des Index schafft dies ein Unternehmen – und das wachsende Geschäftsvolumen.

Continental, hinter Bridgestone, Michelin und Goodyear der viertgrößte Reifenhersteller, profitierte zuletzt trotz der lahmenden Autokonjunktur vor allem von einer starken Nachfrage nach elektronischen Fahrhilfen, wie Brems- und Stabilisierungshilfen. Der Anteil des Reifenumsatz rutschte durch die Übernahmen des Bremssystemherstellers Teves und des Elektronikspezialisten Temic deutlich unter die Marke von 50 %. Außerdem konnte Continental im margenträchtigeren Ersatzgeschäft bei Reifen zumindest in Europa zulegen. Problemkind ist momentan noch das US-Geschäft, wo zuletzt – wenn auch sinkende – Verluste erzielt wurden.

Dass sich Conti weiter verbessert, glaubt auch Juchemich. Er erwartet, dass das Unternehmen „bereits Ende des Jahres die Früchte der operativen Entwicklung ernten kann.“ Für Sal. Oppenheim und das Bankhaus Lampe ist Continental ein „Outperformer“, die WGZ-Bank rät, die Aktie zu „akkumulieren“. Tino Morgner belässt sein Kursziel dennoch bei 25 Euro.

Zusätzliche Phantasie könnte die Conti-Aktie auch durch Akquisitionspläne bekommen. Das Unternehmen werde seine zurückgewonnene Flexibilität durch den Schuldenabbau möglicherweise zu Zukäufen nutzen, bestätigte Wennemer. Er dämpfte jedoch Hoffnungen: Kurzfristig sei nicht mit einer Übernahme zu rechnen.

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