Marktanalyse
Dax steht 2008 am Scheideweg

Die Hausse an den internationalen Aktienmärkten könnte im Jahr 2008 einer schwierigeren Phase Platz machen.

FRANKFURT. Knackpunkte sind vor allem die US-Konjunktur mit der Rezessionsgefahr, aber auch die weltweit steigenden Erzeuger- und Konsumentenpreise. Hinzu kommen in Deutschland auch noch schleichende strukturelle Veränderungen wie das Liebäugeln mit staatlich festgeschriebenen Löhnen (Briefzusteller, Manager) und Preisen (Energie), mit denen die Gesellschaft auch auf die Selbstbedienungsmentalität diverser Unternehmensvorstände reagiert.

Zwar sind die meisten Analysten und Aktienstrategen für den Dax weiterhin zuversichtlich. So hat die WestLB ein Kursziel von 8 000 Punkten aufgestellt, die Deutsche Bank sieht den Dax Ende 2008 auf 8 300 Punkten steigen, die Dresdner Bank noch 100 Punkte höher, und die BHF-Fachleute sind mit einem Ziel von 8 700 Punkten fast so optimistisch wie die Strategen der Commerzbank, die dem Dax einen Anstieg auf über 9 000 Punkte zutrauen.

Doch ist der Dax nach Meinung einzelner Marktteilnehmer bereits jetzt keinesfalls billig. Die Landesbank Berlin verweist darauf, dass das KGV unter Ausklammerung der optisch besonders preiswerten Finanztitel bei 15 liegt. Bei den Finanztiteln können die Gewinnschätzungen aber Makulatur sein, wie die UBS erst gezeigt hat. Und auch bei den zyklischen Titeln rechnen Marktteilnehmer wegen der hohen Erzeugerpreise mit Margendruck und Gewinnrevisionen, und das ist alles andere als der Nährboden für eine Fortsetzung der Hausse.

Noch schlechter zeichnen einige Beobachter das Bild in den USA. Die Analysten der Finanzwoche schreiben, die angeblich guten S&P-500-Gewinne seien durch „aufgeblähte Finanzgewinne extrem positiv überzeichnet“. Erstmals nach 5 Jahren Hausse würden die Gewinne im Gesamtjahr 2007 sinken, und für den Dow würden bereits Price-Earning-Ratios von 48 herumgereicht.

Damit dürfte zumindest das erste Quartal an den Märkten sehr schwierig werden. Gewinnrevisionen könnten die Indizes drücken. Sollten die USA tatsächlich in eine Rezession abgleiten, sind auch stärkere Verluste möglich, erfahrungsgemäß zwischen gut 10 Prozent und etwa 50 Prozent. Anleger sollten die US-Daten hinsichtlich möglicher Rezessionssignale genau beobachten. Als Frühwarnsystem gelten die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten, starke Zuwächse bei den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe könnten den Beginn einer Baisse einleiten.

Das vielbeschworene Abkoppeln Europas und Asiens von der US-Wirtschaft wird wohl kaum gelingen. Asien, besonders China, ist die verlängerte Werkbank der USA, und in Deutschland stützt sich das Wachstum bisher vor allem auf den Export. Zwar setzen Volkswirte auf einen anziehenden Binnenkonsum in Deutschland. Vermutlich genauso groß wie diese Chance ist aber wohl die Gefahr, dass die Gewerkschaften in einer Phase ohnehin sinkender Gewinnschätzungen hohe Lohnforderungen durchsetzen und die Margen der Unternehmen so zusätzlich drücken.

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