Morgan Stanley rechnet im zweiten Halbjahr mit sinkenden Preisen
Analysten sehen Stahlbranche mit Skepsis

Angesichts der Diskussion über die Entwicklung der Stahlpreise ändern die ersten Aktienanalysten ihre Einschätzungen. In der vergangenen Woche haben Teams von Morgan Stanley und Goldman Sachs verhaltene Ausblicke für die Börsenkurse der Stahlhütten veröffentlicht – nachdem die Notierungen schon seit einigen Wochen fallen.

DÜSSELDORF. „Wir sagen sinkende Margen ab dem zweiten Halbjahr voraus“, heißt es bei Morgan Stanley. Grund: Nachdem im Jahr 2004 die Stahlpreise explosionsartig angestiegen waren, schrumpfe nun die Stahlnachfrage. Dennoch halten sich die Hersteller bei der Produktion kaum zurück. Darum sinken die Stahlpreise voraussichtlich ab der zweiten Jahreshälfte, gleichzeitig steigen die Kosten für die Rohstoffe Kohle und Eisenerz weiter. Deshalb betrachtet Morgan Stanley die ganze Branche „mit Vorsicht“.

Goldman Sachs rechnet im Gegensatz zu Morgan Stanley erst 2006 mit fallenden Stahlpreisen. Im laufenden Jahr sollen die Preise zunächst noch steigen. Anleger müssten allerdings damit rechnen, dass die Unternehmen die zusätzlichen Einnahmen für Investitionen nutzen. Wer nicht investiere, stehe bald noch schlechter da, sagen die Goldman-Sachs-Analysten. Zum Beispiel Salzgitter: Anders als der österreichische Konkurrent Voestalpine habe Salzgitter noch keine Pläne für sein freies Bargeld veröffentlicht. Wenn die Stahlpreise im nächsten Jahr wieder fallen, werde der Unternehmenswert darum sinken. Den fairen Wert des Papiers sieht Goldman Sachs bei 11,70 Euro, 30 Prozent weniger als der aktuelle Kurs.

Ganz anders sieht das Hypo-Vereinsbank-Analyst Christian Obst. Allein das freie Geld und die Unternehmensbeteiligungen von Salzgitter rund machten eine Milliarde Euro aus – fast so viel, wie die Aktien zurzeit wert sind. Anleger erhielten die Gesellschaft quasi geschenkt, sagt Obst. Seine Kollegen stimmen ihm zu: Nach Angaben des Wirtschaftsinformationsdienstes Bloomberg empfehlen zurzeit acht weitere Analysten Salzgitter zum Kauf, nur Goldman Sachs würde aussteigen. Gestern kündigte Salzgitter an, seinen Geschäftsbereich Stahlverarbeitung aufzuteilen und den Sektoren Stahl und Dienstleistungen zuzuschlagen. Salzgitter sehe keine Wachstumsperspektive mehr. Außerdem soll der Vorstand kleiner werden.

Auch der deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp ist bei den Analysten beliebt. Wie Salzgitter habe auch das Düsseldorfer Unternehmen mit seinen Kunden langfristige Verträge bei hohen Preisen geschlossen, sagt Patrick Hummel von der Landesbank Baden-Württemberg. Der Gewinn werde im laufenden Jahr sogar eher noch steigen, denn die neuen Verträge machten jetzt größere Teile vom Geschäft aus.

Hypo-Vereinsbank-Analyst Obst weist darauf hin, dass eine ThyssenKrupp-Aktie gerade so bewertet sei wie im Durchschnitt der Jahre 1998 bis 2003 – obwohl das Unternehmen aus seinem eingesetzten Kapital heute mehr Rendite erwirtschaftet. Wenn die Bewertung damals richtig gewesen sei, müssten die Kurse jetzt steigen.

Das Morgan-Stanley-Team hält dagegen die Luxemburger Arcelor für unterbewertet. Eine Aktie koste zurzeit nicht einmal vier Fünftel vom Buchwert des Unternehmens. Außerdem sei die Dividende hoch und durch das geschätzte Ergebnis im laufenden Jahr locker gedeckt. Das scheinen auch die Kollegen so zu sehen – 18 Kaufempfehlungen stehen derzeit nur eine Verkaufempfehlung entgegen.

Uneinig sind sich die Beobachter dagegen über die künftige Entwicklung der britischen Corus, der stärksten europäischen Stahl-Aktie der vergangenen zwei Jahre. Goldman Sachs glaubt, dass der Kurs weiter steigen wird. Das Management habe die Produktionskosten gesenkt und die Leistung der Hütten erhöht – darum werde das Unternehmen 2005 zum ersten Mal seit fünf Jahren eine Dividende zahlen können. Das Morgan-Stanley-Team dagegen hat Corus gerade erst auf „untergewichten“ herabgestuft. Der Stahlsektor verliere bei einem Preisverfall mehr Gewinn als andere Branchen – und Corus sei besonders anfällig.

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