Nach langer Durststrecke schöpfen Analysten wieder Hoffnung
Ein kleiner Fisch gibt Aktienkurs von Walt Disney Auftrieb

Alles andere als märchenhaft waren die Aussichten für den Medien- und Unterhaltungskonzern Walt Disney in der jüngeren Vergangenheit. Jetzt gibt es wieder Hoffnung für das Unternehmen.

HB HOUSTON. Schwindende Besucherzahlen in den Freizeitparks Disneyland und Disneyworld, rückläufige Werbeeinnahmen bei den Fernsehkanälen und schwache Kartenverkäufe für neue Zeichentrickfilme an der Kinokasse machten der US-Ikone schwer zu schaffen.

Doch jetzt schöpft der Markt wieder Hoffnung für Donald Duck & Co. Seit Jahresbeginn legte der Aktienkurs um rund ein Drittel zu und erreichte Anfang August bei knapp 24$ ein Vierzehn-Monats-Hoch. Mehrere Analysten erhöhten in den vergangenen Wochen ihre Kursziele für Walt-Disney-Aktien, nachdem der Konzern Ende Juli ein Ertragsplus von rund zehn Prozent im abgelaufenen Quartal gemeldet hatte und damit die Erwartungen der Experten übertraf.

William Drewry von der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) erwartet, dass der Disney-Kurs innerhalb von einem Jahr 31$ erreichen könnte - im Vergleich zum aktuellen Stand ein Plus von mehr als 50%. „Walt Disney ist noch nicht vollständig über den Berg, aber das Unternehmen hat bedeutsame Verbesserungen in den meisten Bereichen erzielt“, sagt auch Jessica Cohen von Merrill Lynch.

Ein Grund für den neuen Optimismus beim Micky-Maus-Konzern ist ausgerechnet ein kleiner Fisch. Denn nach mehreren Kinoflops wie „Treasure Planet“ steht Disney zurzeit wieder auf der Gewinnerseite: mit dem computeranimierten Film „Findet Nemo“, der von einem Clownfischvater und seinem verlorenen Sohn erzählt und Ende November auch in die deutschen Kinos kommt. Die Kalifornier produzierten den Streifen zusammen mit dem Tricktechnikstudio Pixar und landeten damit in den USA den Überraschungshit des Sommers. Mit rund 330 Mill. $ an Ticket-Einnahmen hat sich „Finding Nemo“ inzwischen zum erfolgreichsten Animationsfilm der US-Kinogeschichte entwickelt.

Bisheriger Rekordhalter in dieser Kategorie war Disneys Trickfilm „Der König der Löwen“, der im September erstmals im DVD-Format erscheinen soll. Analysten schätzen, dass dann 25 bis 30 Millionen Exemplare über den Ladentisch gehen könnten. Außerdem sollten Disney bis Ende des Jahres noch die Auslandseinnahmen und die Videoverkäufe für „Findet Nemo“ ein Plus verschaffen.

Der Erfolg hat allerdings seinen Preis: Pixar hat mehrfach angedeutet, die Zusammenarbeit mit Disney lockern zu wollen. Bislang hat Disney in die Pixar-Produktionen wie „Toy Story“ und „Die Monster AG“ investiert und dafür die Hälfte der Einnahmen sowie heftige Vertriebsgebühren kassiert. Doch Marktstudien zeigen, dass sich Pixar inzwischen bei vielen Kinogängern einen eigenen Namen gemacht hat und daher möglicherweise nicht mehr so stark auf den großen Namen des Partners angewiesen ist.

Problematisch sieht die Lage für Disney immer noch bei den Freizeitparks aus. Vor allem der europäische Ableger „Euro Disney“ in Paris leidet unter den Rückgängen im Tourismus. Nachdem eine US-Analystin in der vergangenen Woche darauf hinwies, dass die amerikanische Muttergesellschaft möglicherweise bei Zahlungsproblemen der Tochter hinzugezogen wird, rutschten die Aktien an der Börse um 3% ab.

„Bedauerlicherweise ist dieser Geschäftsbereich nicht nur der unsicherste, sondern für Disney auch der kapitalintensivste und größte, der rund 30% des operativen Gesamteinkommens ausmacht“, erklärt Cohen von Merrill Lynch. „Zudem ist es hier am schwierigsten, die Wende zu schaffen.“ Die Nachricht, dass Vizechef Roy Disney fast die Hälfte seiner Aktienanteile für rund 125 Mill.$ abzugeben plane, brachte den Kurs zusätzlich unter Druck.

Doch auch bei den Freizeitparks sollte das Schlimmste inzwischen überstanden sein, schätzen Analysten. „Disneys Aktienkurs hängt unter anderem von einer Erholung in diesem Bereich ab, und die Aussichten werden besser“, sagt Jill Krutick von Salomon Smith Barney, die den Titel zurzeit mit „Outperform“ (überdurchschnittliche Entwicklung) bewertet. CSFB-Kollege Drewry sieht die Lage ebenfalls „zunehmend optimistisch: Die Auslastung in Disneyworld ist im Juni um 2,6% und im Juli um 3,1% gestiegen. Damit hat sich der Besuchertrend in neun von zehn Wochen verbessert.“

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