Nach Rekordjahr 2003 behauptet sich Brillenkonzern auch im schrumpfenden Markt
Fielmann widerlegt immer wieder die Skepsis der Analysten

Oft schon haben Analysten die Aktie der Optikerkette Fielmann als ausgereizt und überbewertet beschrieben – und wurden immer wieder von der Wirklichkeit eingeholt.

DÜSSELDORF. Kursziel erreicht, hieß es zuletzt zu Beginn dieses Jahres einstimmig von den Analysten bei einem Stand von 40 Euro. Die Gesundheitsreform ließ die Experten zögern. Doch das im MDax notierte Papier kletterte weiter – in den letzten zwölf Monaten um mehr als 50 Prozent. Derzeit notiert die Aktie bei rund 50 Euro. „Das Unternehmen ist sehr stark und Fielmann wird von der Gesundheitsreform mittelfristig am stärksten profitieren“, begründet Roland Könen, Analyst bei Bankhaus Lampe, den kontinuierlichen Aufwärtstrend.

Die im Zuge der Gesundheitsreform gestrichenen Kassenzuschüsse für Brillengestelle hatten dem Optikerdiscounter 2003 ein Rekordergebnis mit einem Plus von fast 80 Prozent beschert. Zwar kann Fielmann dieses Niveau – wie von vielen Analysten erwartet – in diesem Jahr nicht halten. Doch auch 2004 entwickelt sich das Geschäft positiv. So lag der Gewinn nach Steuern mit 74 Mill. Euro im ersten Halbjahr 2004 zwar weit unter dem Vorjahresergebnis, aber deutlich über den 64 Mill. Euro von 2002.

Denn auch wenn der bekannte Werbeslogan – „Vati muss keinen Cent dazuzahlen“ – nicht mehr zieht, jagt Fielmann der Konkurrenz weiter Kunden ab. So konnte das Hamburger Unternehmen im ersten Halbjahr 2004 seinen Marktanteil von 50 auf 52 Prozent ausbauen. Die überragende Mehrheit der Kunden greift dabei zur Fielmann-Kollektion, nur zehn Prozent zu den exklusiven Markenmodellen, die es bei Fielmann auch gibt. Bei letzteren sind die Margen nach Einschätzung von Experten geringer als bei den eigenen Gestellen. Dennoch will Deutschlands größter Optiker an dieser zweigleisigen Strategie festhalten, um so einen breiten Kundenkreis ansprechen zu können, wie ein Sprecher sagt.

Jüngster Clou des Vorstandsvorsitzenden und Gründers Günter Fielmann ist die gemeinsam mit der Hanse-Merkur aufgelegte Brillenversicherung, die seit dieser Woche bundesweit zu haben ist. Für zehn Euro Jahresbeitrag erhalten Versicherte alle zwei Jahre oder aber bei Bruch ein Kassengestell zum Nulltarif. „Die Versicherung ist ein kluger Schachzug. So nutzt Fielmann seine Präsenz und bindet Kunden“, sagt Matthias Engelmeier, Analyst bei Independent Research.

Wachstumsperspektiven hat Fielmann nach Meinung von Experten en masse. Vor allem in Süddeutschland gibt es noch fielmannfreie Flecken auf der Landkarte. „Dort muss Fielmann noch nachholen“, sagt Engelmeier. In Deutschland sieht Könen vom Bankhaus Lampe mittelfristig noch Potenzial für weitere 80 bis 100 Filialen. Wachsen will Fielmann aber auch im Ausland. Derzeit gibt es europaweit 523 Niederlassungen. Als besonders attraktiv, weil enorm margenstark, gilt das Schweizer Brillengeschäft. Dort rechnet Könen mittelfristig mit zehn neuen Filialen.

Die Phantasie der Analysten beflügelt vor allem die finanzielle Stärke des Unternehmens, das Günter Fielmann vor 31 Jahren gründete. Der Cash Flow ist üppig und das Unternehmen hat keine nennenswerten längerfristigen Verbindlichkeiten zu bedienen. „Investitionen werden zumeist aus dem operativen Geschäft getätigt“, sagt Könen, der ein Kursziel von 52 Euro angibt.

Zusätzlich attraktiv machen das Papier konstante und hohe Dividenden. Analysten rechnen auch in diesem Jahr mit einer Dividendenrendite zwischen drei und vier Prozent. Das konservative Geschäftsmodell hält die Volatilität zudem gering. „Halten“ lautet deswegen das Urteil der meisten Analysten.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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