Neues US-Steuergesetz
Blackstone wird zur politischen Zielscheibe

Ein neues Steuergesetz in den USA gefährdet den Börsengang der Investmentgesellschaft Blackstone. Der Steuersatz für börsennotierte Finanzinvestoren soll demnach auf 35 Prozent steigen. Experten halten es für möglich, dass Blackstone deshalb deutlich niedriger bewertet werden könnte.

NEW YORK. Der Börsengang der Investmentgesellschaft Blackstone gerät kurz vor seinem Start in der nächsten Woche ins Stocken. Selbst eine Verschiebung oder die Absage der Neuemission wird an der Wall Street nicht mehr ausgeschlossen. Der Grund: Vertreter der beiden großen Parteien in den USA haben im Senat einen Gesetzentwurf eingebracht, der den Steuersatz für an der Börse notierte Private-Equity-Firmen und Hedge-Fonds von derzeit 15 auf 35 Prozent erhöhen würde. Blackstone räumte in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht SEC ein, dass die Gesetzesinitiative den Wert der Firmenanteile mindern könnte. Experten halten einen Abschlag von bis zu 20 Prozent für möglich. Blackstone wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Die Private-Equity-Firma plant, etwa zehn Prozent ihrer Anteile für einen Preis zwischen 29 und 31 Dollar an der Börse zu platzieren. Das würde einem Volumen von etwa vier Mrd. Dollar entsprechen. Darüber hinaus will die Buyout-Firma knapp zehn Prozent an eine staatliche chinesische Investmentgesellschaft verkaufen. Unterm Strich ergäbe sich somit ein Emissionsvolumen von rund acht Mrd. Dollar.

Die beiden Senatoren Max Baucus und Charles Grassley drängen mit ihrer Gesetzesinitiative darauf, dass Buyout-Firmen und Hedge-Fonds nicht mit dem geringeren Steuersatz für Partnerschaften, sondern genauso hoch wie börsennotierte Investmentbanken besteuert werden. Neben Blackstone würde das auch Fortress betreffen, die bereits seit einigen Monaten an der Börse notiert ist. Der Gesetzentwurf räumt beiden Unternehmen eine Übergangszeit von fünf Jahren ein. "Wenn es bei der Drohung bleibt, müsste Blackstone vermutlich seine Pläne zurückziehen oder überdenken“, sagte Colin Blaydon, Direktor des Zentrum für Private Equity am Dartmouth College, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Überdenken dürften jetzt auch andere Private-Equity-Firmen wie Carlyle ihre Börsenabsichten. Die Steuerdebatte ist keineswegs auf Amerika begrenzt. Auch in Großbritannien berät das Parlament darüber, den Steuersatz für Beteiligungsgesellschaften anzuheben.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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