Nur noch "mutige Zocker" setzen auf Aktien von kleinen Airlines
Die großen Fluglinien profitieren

Die überfällige Konzentrationswelle der Branche bringt vor allem Air France und Lufthansa neue Chancen. Viele kleine Gesellschaft kämpfen ums überleben, einige haben schon in besseren Zeiten kein Geld verdient.

DÜSSELDORF. Die Neuordnung in Europas Luftfahrtbranche ist nach Jahren des Stillstands in vollem Gange: Die Fluglinie Swiss hat sich gerade in höchster Not British Airways angeschlossen, weil ein weiterer Alleingang wohl die sichere Pleite bedeutet hätte. Und seit Montag Abend steht fest: Die niederländische KLM schlüpft unter das Dach von Air France.

Geplagt von Terror, Krieg und anderen Katastrophen, zudem bedrängt durch aggressiv expandierende Billigflieger, kämpfen viele kleinere Airlines ums Überleben: Staatsgesellschaften wie die italienische Alitalia haben schon in besseren Zeiten kein Geld verdient: Jetzt, da erfolgreiche Billig-Linien wie Ryanair auch noch die Preise europaweit abstürzen lassen, stehen einige Carrier vor dem Aus. Aktien der Alitalia oder der ebenfalls hochdefizitären Swiss kämen deshalb „allenfalls noch für mutige Zocker“ in Betracht, warnen Analysten.

Schon die drei Branchenriesen British Airways, Air France und Lufthansa haben in einem derart widrigen Umfeld Probleme genug, rote Zahlen zu vermeiden. „Kostensparen ist ein Dauerthema“, sagt Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber.

Immerhin sieht die Luftfahrt erste Hoffnungsschimmer, seit die Lungenepidemie SARS in Asien besiegt ist. Nach zwei schwierigen Jahren erhole sich die Branche allmählich, schreibt die Deutsche Bank in ihrer jüngsten Kurzstudie. Von den großen europäischen Airlines hält sie derzeit allerdings nur Air France für kaufenswert.

Der vor der Privatisierung stehende französische Flugkonzern könnte nach der Fusion mit KLM zum europäischen Branchenführer aufsteigen und samt seiner globalen Flugallianz Sky-Team den Marktführer Star Alliance um Lufthansa überholen. Nach den bisher bekannt gewordenen Plänen sollen beide Fluglinien künftig unter dem Dach einer gemeinsamen Holding arbeiten: Air France würde dominieren, die kleinere KLM erhielte einen Anteil von etwa 15 %. Uwe Weinreich, Luftfahrt-Analyst der Hypo-Vereinsbank, ist von der Liaison angetan: „Air France wird einen riesigen Schritt nach vorn machen“, meint er. Die Möglichkeiten, intern Kosten zu senken, Flugpläne besser abzustimmen und überschüssige Kapazitäten zu reduzieren, seien enorm.

Die Börse teilt die Euphorie: Air-France-Aktien legten in Paris seit Jahresbeginn um fast 50 % auf 14 Euro zu. Die Papiere der deutlich defizitären KLM verdoppelten sich gar auf aktuell über 13 Euro. Während Analysten für den Kurs von Air France noch Luft sehen, gilt die KLM-Bewertung als reichlich ambitioniert. Schließlich sehen einige Branchenexperten den erwarteten Mega-Deal auch skeptisch: Zusammenschlüsse in der Luftfahrt seien grundsätzlich ein schwieriges Unterfangen, sagt etwa Luftfahrtanalyst Ulrich Horstmann von der Bayerischen Landesbank. Was Airline-Fusionen angeht, gibt es aus dem weltgrößten Luftverkehrsmarkt USA bisher in der Tat allenfalls abschreckende Beispiele.

Dass pure Größe allein nicht weiterhilft, predigt auch die Lufthansa – seit die avisierte Übernahme des Konkurrenten Swiss von Schweizer Seite abgeblockt wurde. In Analystenkreisen werden vor allem die solide Bilanz der Deutschen geschätzt sowie das Bemühen, die profitabelste Fluglinie Europas zu werden.

Trotz der Swiss-Absage gelten die Deutschen weiterhin als gut positioniert. „British Airways wird unter der Konstellation Air France/KLM stärker leiden als die Lufthansa“, glaubt Analyst Weinreich. Er erwartet vom Kranich-Konzern bald Effizienzsteigerungen im Europaverkehr und wertet die jüngsten Verkehrszahlen als positives Signal. Sein Urteil: Der Lufthansa-Kurs entwickelt sich überdurchschnittlich.

Die drei Großen

Air France: Eine Fusion von Air France und KLM wäre ein Meilenstein in der Neuordnung der europäischen Luftfahrt. Es entstünde ein Branchenriese mit einem Jahresumsatz von knapp 20 Milliarden Euro, 480 Flugzeugen und fast 100 000 Beschäftigten.

British Airways: Die Briten geraten als bisheriger Marktführer Europas unter Druck. Wegen ihrer starken Ausrichtung auf den Nordatlantikverkehr waren sie europaweit am stärksten vom Terror des 11. September 2001 betroffen.

Lufthansa: Mit ihrem weltweit führenden Bündnis Star Alliance und ihrer starken Ausrichtung auf Asien sind die Deutschen gut aufgestellt. Im Europaverkehr gibt es allerdings erhebliche Probleme.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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