Renditezahlung soll Vertrauen wecken
Dividende kommt wieder in Mode

Die Dividende ist wieder da. So viele Unternehmen wie schon lange nicht mehr haben in den vergangenen Monaten ihre Ausschüttungen erhöht. Das gilt für Europa wie für die USA, belegen Statistiken des Finanz-Informationsdienstes Standard & Poors (S&P). In einem Umfeld niedriger Zinsen und längerfristiger Seitwärtsbewegung der Aktienkurse haben Konzerne nach Jahren der Vernachlässigung die Dividende als Werbemittel für Anlegerkapital neu entdeckt.

HB DÜSSELDORF. Von den 350 im S&P Europe vertretenen Unternehmen haben bis Ende Juli 155 ihre Ausschüttung pro Aktie erhöht, nur 42 haben sie gesenkt. Das ergeben für das Handelsblatt aufgearbeitete Daten von S & P in London. Ähnlich ist das Bild in den USA: Dort haben von den im S&P 500 vertretenen Firmen 152 die Dividenden in den vergangenen Monaten erhöht, nur 14 haben sie gesenkt oder gestrichen. Prominentester Fall: Erstmals zahlte Microsoft eine Dividende. „Im gegenwärtig widrigen Umfeld wollen die Konzerne den Blick der Investoren auf positive mittelfristige Perspektiven lenken“, sagt Fondsmanager Bernd Maisch von der Vermögensverwaltung BWK, der sich mit seinem Dividendenstrategie-Fonds auf europäische Dividendenzahler spezialisiert hat. Offenbar aus diesem Grund hat eine Reihe von Konzernen die Dividende aufrechterhalten, obwohl sich der Gewinn verschlechtert hat. „Eine unveränderte Dividende soll unser Vertrauen in die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr ausdrücken“, begründete Vorstandschef Josef Ackermann den Schritt.

Nach dem Platzen der High- Tech-Blase und den Skandalen um gefälschte Bilanzen ist die Dividende als Vertrauen schaffendes Mittel willkommen. So kommen entsprechende Fonds in Mode: Der von der DWS aufgelegte Top Dividende Fonds hat innerhalb von vier Monaten einen Mittelzufluss von 740 Mill. Euro verzeichnet.

Faustregel für sinnvolle Dividende

Der Blick auf die Dividende allein reicht allerdings nicht. „Entscheidend ist, wie weit die Dividende durch Gewinne gedeckt ist“, sagt Branchenanalyst Clive McDonnell von Standard & Poors in London. Als Faustregel sagt er, Konzerne sollten nicht viel mehr als die Hälfte ihrer Gewinne ausschütten. Auch Bernd Maisch meint, die Qualität einer Bilanz könne man nicht unbedingt an der Dividende ablesen. „Die BASF kann es sich leisten, ihre Auszahlungen stabil zu halten, auch wenn die Gewinne mal zurückgehen“, sagt er. Der Chemiekonzern demonstriere damit Stabilität in einer von Zyklen beherrschten Branche. „Bei Bayer bin ich mir da nicht so sicher“.

Eher überraschend: Dividendenerhöhungen häufen sich in der Finanzbranche, allerdings meist außerhalb Deutschlands. Institute wie die Royal Bank of Scotland oder Unicredito Italiano hätten im Retailbereich bessere Margen als die Deutschen, außerdem befänden sie sich in einem von Wachstum geprägten wirtschaftlichen Umfeld, sagt Maisch. Gebeutelte deutsche Banken wie die Hypo-Vereinsbank oder die Commerzbank haben die Dividende entweder ganz gestrichen oder auf einen Symbolwert reduziert.

In den USA hat vordergründig vor allem die Steuersenkung auf Kapitalgewinne für einen Schub bei den Dividendenzahlungen gesorgt. Allein im Juli haben 44 der im S&P-500 vertretenen Unternehmen die Dividende erhöht.

Langfristig bessere Kursentwicklungen

Nach einer Untersuchung von S&P verzeichnen Dividendenzahler langfristig bessere Kursentwicklungen als Unternehmen, die keine Dividende zahlen. „Wer über viele Jahre Dividenden zahlen kann, beweist Finanzkraft und eine schlüssige Firmenstrategie“, sagt Marktstrategin Kary Pinkernell von der Investmentbank Merrill Lynch.

Manchmal haben Firmen sogar zu viel Kasse. „In Silicon Valley zahlen Firmen derzeit lieber Dividende, als dass sie ihre liquiden Mittel in Forschung und Entwicklung stecken“, beobachtet Branchenanalyst Tom Piazza von der Barclays Bank. Der Software-Konzern Microsoft sei dafür ein typisches Beispiel. Dividendenzahlungen seien in der High-Tech-Branche eher ein Hinweis, dass die Überkapazitäten im Technologiebereich noch lange nicht abgebaut sind. Bei den reinen Wachstumswerten bleibe die Dividende ein zweitrangiges Merkmal, wenn es um die Attraktivität einer Branche geht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%