Rohstoff-Riese
Glencore enttäuscht auf Londons Börsenparkett

Ganz rund lief der Börsengang für den weltgrößten Rohstoffhändler nicht. Die Aktien von Glencore blieb an ihrem ersten Handelstag unter dem Ausgabepreis. Nun steht der Aufstieg in den Londons Leitindex an.
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LondonDer weltgrößte Rohstoffhändler Glencore hat bei seinem mit Spannung erwarteten Debüt an der Londoner Börse enttäuscht. Die Aktie blieb an ihrem ersten Handelstag zwischenzeitlich um rund fünf Pence unter dem Ausgabepreis von 530 Pence. Skepsis über Chinas Nachfrage im abflauenden Wachstumsboom und die Schuldenkrise in Europa belasteten den gesamten Rohstoffsektor.

Der Handel von Glencore-Aktien in Hongkong beginnt am Mittwoch. Dort liegt der Preis für den Ersterwerb bei 66,53 Hongkong-Dollar. Am Mittwoch wird auch Glencores Aufstieg in den Londoner Leitindex FTSE 100 erwartet, womit Millionen Briten über ihre Rentenversicherung zu Anteilseignern des ihnen bislang völlig unbekannten Unternehmens werden. Der mit rund 40 Milliarden Euro bewertete Schweizer Konzern verstärkt im Index den Anteil von Rohstoffkonzernen. Er liegt bislang bereits bei rund 15 Prozent und ist damit der zweitgrößte Sektor nach der Energiebranche mit Öl- und Gaskonzernen.

Außerbörslich konnten Glencore-Papiere bereits seit einigen Tagen erworben werden. Dort waren die Anteilsscheine zu Wochenbeginn im Zuge eines deutlichen Wertverlustes des gesamten Rohstoffsektors auf bis zu 506 Pence gefallen. Gegenüber diesem Preis bedeutete der Auftakt am Dienstag sogar einen Aufschlag von 2,3 Prozent. Analysten beurteilten die Entwicklung dann auch zuversichtlich. Der Börsengang belege das Vertrauen in den Rohstoff- und Aktienmarkt, erklärten die Experten von Numis in London.

Mit den Einnahmen in Höhe von rund sieben Milliarden Euro will Glencore seinen Kapitalstock ausbauen und künftiges Wachstum finanzieren. Experten rechnen mit einem Gebot für den britischen Bergbaukonzern Xstrata, an dem Glencore bereits einen Anteil im Wert von rund 17 Milliarden Euro hält.

Der im Kanton Zug ansässige Konzern macht mit der Neuemission einen großen Schritt an die Öffentlichkeit. Glencore ist gemessen an seinem Umsatz von rund 100 Milliarden Euro das größte Unternehmen der Schweiz, hat sich in den 40 Jahren seiner Geschichte aber weitgehend bedeckt gehalten. Der heute 60.000 Mitarbeiter zählende Konzern wurde 1974 von dem Rohstoffhändler Marc Rich gegründet und wird bislang von 500 Partnern kontrolliert, die nach dem Börsengang bis zu fünf Jahre lang keine Aktien verkaufen dürfen. Das Unternehmen besitzt auf der ganzen Welt Bergwerke, Raffinerien, Eisenhütten und Weizensilos. Nicht zuletzt ist es auch Eigentümer mehrerer Schiffe der britischen Royal Navy. Im Juni geben die Schweizer Einblick ins erste Quartal.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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