Schlechte Aussichten
RWE vergrault Anleger

Der Stromkonzern legt sehr gute Zahlen vor, kündigt aber an, dass solche Gewinne vorerst nicht mehr erreicht werden können. Die Anleger sind enttäuscht. Die Aktie verliert über fünf Prozent.
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FrankfurtDie Zukunft ist wichtiger als die Vergangenheit, denken sich die Aktionäre von RWE. Zwar meldete der Energiekonzern, dass 2010 für ihn das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte war, aber für das laufende Jahr erwartet RWE deutlich niedrigere Erträge. Die Anleger sind enttäuscht. Sie warten nicht mal auf die Dividendenzahlung im Frühjahr, die voraussichtlich 3,50 Euro betragen wird, sondern trennen sich von ihren Papieren. An der Börse in Frankfurt gab der Kurs am Vormittag über fünf Prozent auf 49,20 Euro nach.

Der Essener Stromkonzern konnte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um etwa 12 Prozent auf 53,3 Milliarden Euro steigern. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und  Abschreibungen (Ebitda) lag mit 10,3 Milliarden Euro ebenfalls knapp 12 Prozent über dem Vorjahreswert. Allerdings verschlechterte sich das Nettoergebnis um 7,4 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Die Analysten hatten im Vorfeld weniger erwartet. DZ-Bank-Analyst Mario Kristl wies in einem Kurzkommentar darauf hin, dass die Geschäftszahlen für 2010 überraschend positiv ausgefallen seien.

Für das laufende Jahr rechnet Vorstandschef Jürgen Großmann jedoch mit einem Gewinneinbruch. Grund hierfür seien unter anderem die Belastungen aus der Steuer auf Kernbrennstoffe. „Insgesamt gehen wir davon aus, dass das betriebliche Ergebnis des RWE-Konzerns 2012 und auch im Folgejahr weiter rückläufig ist, wenn auch nicht so stark wie 2011“, hieß es im Geschäftsbericht. Das betriebliche Ergebnis werde um etwa 20 Prozent sinken und das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis um etwa 30 Prozent. Unter Händlern hieß es, dieser Rückgang sei höher als erwartet.

Der bislang stark auf Kohlekraftwerke setzende Konzern muss zudem ab 2013 deutlich mehr für Verschmutzungsrechte zahlen. Großmann zufolge wird RWE bei den gegenwärtigen Preisen für die Zertifikate ab 2013 jährlich 2,5 Milliarden Euro zahlen. Im vergangenen Jahr waren es 983 Millionen Euro. Im Gegenzug wollen die Essener bis 2013 durch Beteiligungsverkäufe bis zu acht Milliarden Euro einnehmen. Das Geschäft der Öl- und Gasfördertochter Dea will der Konzern ausbauen. In der Vergangenheit war spekuliert worden, dass sich RWE von der Tochter trennen könne. Erst ab 2014 rechnet will der Konzern wieder mit steigenden Gewinnen. Konzernchef Großmann verwies darauf, dass die Stromgroßhandelspreise mittelfristig wieder steigen würden. Auch die Belastungen durch die langfristigen Gaslieferverträge würden geringer.

„Der Ausblick für 2011 und 2013 ist schwach“, kommentierte Michael Schäfer, Analyst von Equinet gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Besser werde die Situation nicht durch die Tatsache, dass auch Anteilsverkäufe in die Prognose für 2013 eingingen.

Die Mehrheit der Analysten sieht wenig Potenzial. Obwohl die Aktie mit einem KGV von sieben relativ günstig bewertet ist, liegt das Kursziel der Experten nach Daten von Bloomberg im Schnitt nur bei knapp 52 Euro.

 

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