Seit dem Börsengang ist die Aktie des Solaranbieters kontinuierlich gestiegen
Bei Conergy kehrt allmählich Ruhe ein

Gut vier Monate nach ihrem Debüt hat sich die Aktie des Solarunternehmens Conergy an der Börse gut etabliert. Der Kurs des Papiers ist seit der Erstnotiz kontinuierlich gestiegen. Nun erwarten Analysten allerdings erst einmal eine Abkühlung.

DÜSSELDORF. Gut vier Monate nach ihrem Debüt hat sich die Aktie des Solarunternehmens Conergy an der Börse gut etabliert. Der Kurs des Papiers ist seit der Erstnotiz kontinuierlich gestiegen, den Höchststand erreichte er im Juli bei 90,50 Euro. Zudem wurde Conergy Ende Juni in den deutschen Technologieindex TecDax aufgenommen. Nach den turbulenten Monaten erwarten Analysten jetzt allerdings erst einmal eine Abkühlung.

Conergy war am 17. März an die Börse gegangen. Angelockt durch den Boom bei anderen Solaraktien griffen die Anleger beherzt zu: Die Emission war 29-fach überzeichnet und gleich am ersten Handelstag sprang das Papier vom Ausgabekurs bei 54 Euro auf 71 Euro. Die Branche profitiert zurzeit von einer stark steigenden Nachfrage nach Anlagen zur Nutzung von Sonnenenergie. Weltweit wuchs der Markt für Photovoltaik seit 1993 nach Angaben der International Energy Agency mit einer Rate von rund 33 Prozent jährlich, dementsprechend stiegen auch die Umsätze von Conergy, Solarworld und anderen Unternehmen der Branche. Die Börsenwerte stiegen mit.

Obwohl Experten auch künftig mit einer hohen Nachfrage nach Solaranlagen rechnen, sind sie bei Conergy derzeit zurückhaltend: Gerard Reid, Analyst bei First Berlin Equity Research, bewertet die Aktie aktuell mit „hold“, bei einem Kursziel von 92 Euro. Grund für seine Zurückhaltung sei eine große Verunsicherung über die steigenden Rohstoffpreise. „Es bestehen Nachschubprobleme für Silizium“, sagt Reid. Silizium ist das Grundmaterial für die meisten Solaranlagen. Seit Mai ist der Preis um 25 Prozent gestiegen. „Große Unternehmen haben sich für dieses Jahr bereits eingedeckt, im nächsten Jahr wären aber auch sie von den steigenden Rohstoffpreisen betroffen“, sagt Burkhard Weiss, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Die Diskussion um eine Kehrtwende in der Energiepolitik, die mit einem möglichen Regierungswechsel im September einhergehen könnte, hat Conergy dagegen bisher kaum belastet. Nach der Ankündigung von Bundeskanzler Gerhard Schröder, Neuwahlen anzustreben, sackte die Conergy-Aktie zwar kurzzeitig von 74 auf 67 Euro ab. Wettbewerber wie Solarworld verloren aber deutlich stärker an Wert. Schon nach wenigen Tagen setzte Conergy den Aufwärtstrend dann fort. Der Grund: Conergy ist weniger als andere Unternehmen der Branche von der staatlichen Förderung abhängig. Das Unternehmen hat in den vergangenen Monaten kräftig im Ausland investiert. Der Auslandsumsatz hat sich im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr auf 20,5 Mill. Euro vervierfacht.

Dabei konzentriert sich der Anbieter von Photovoltaik- und Solarwärmeanlagen auf wachstumsstarke Märkte wie Australien, Mexiko und die USA. „Unser Ziel ist es, bereits ab 2008 über 50 Prozent unseres Gesamtumsatzes im Ausland zu erzielen“, sagt Conergy-Chef Hans-Martin Rüter. Ebenfalls weitet das Unternehmen sein Engagement außerhalb des Solarsektors aus. Ende Juni gelang ihm mit der Übernahme von MAT-tec Engineering der Markteintritt bei der Bioenergie. Diese Investition dürfte sich nach Meinung von Burkhard Sawazki, Analyst bei der WestLB, besonders dann auszahlen, wenn es im Herbst tatsächlich zu einem Regierungswechsel kommt, weil „die CDU verstärkt auf Biomasse setzt.“

Der Gesamtumsatz von Conergy belief sich im zweiten Quartal auf 105 Mill. Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Kosten des Börsengangs lag bei 6,3 Mill. Euro, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Die Zahlen entsprechen damit den eigenen Zielvorgaben und „liegen im Rahmen der Erwartungen“, sagt Sawazki. Die Anleger hatten sich offensichtlich jedoch mehr erhofft. Nach der Bekanntgabe der Zahlen fiel der Aktienkurs von knapp 90 Euro auf 87 Euro. Gestern gab der Kurs abermals um rund drei Prozent nach. Sawazki hält die Aktie damit immer noch für „relativ teuer“ und bewertet sie mit „underperform“. Das derzeit einzige Argument für einen Kauf der Aktie ist wohl die Ankündigung von Vorstandschef Hans-Martin Rüter, schon in diesem Jahr eine Dividende ausschütten zu wollen.

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