Software-Hersteller
IT-Branche verliert an Schwung

Der US-Software-Riese Oracle enttäuschte bereits im vergangenen Dezember mit schwachen Quartalszahlen. Nun bleibt auch die deutsche Software AG weit hinter den Erwartungen zurück. Ein Umbruch in der IT-Branche?
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DüsseldorfDie Anleger haben geschockt reagiert, als die deutsche Software AG (SAG) am Dienstag ihre Quartalszahlen bekanntgab. Zwischenzeitlich brach die im Technologie-Index TecDax gelistete Aktie des Darmstädter Unternehmens um 26 Prozent auf 22,46 Euro ein, der stärkste Verlust seit April 2002.

„Die gesamte IT-Branche wird Wachstumseinbußchen hinnehmen müssen“, sagt Markus Fiebel, Analyst bei Independent Research in Frankfurt. Im abgelaufenen und in den kommenden beiden Quartalen werde es eine leichte Abschwächung geben, es werde aber nicht in eine Krise umschlagen.

Bereits im zweiten Quartal 2011 hatte die SAG die Erwartungen ihrer Anleger nicht erfüllt. „Das zweite Quartal war eine herbe Enttäuschung“, sagt Fiebel. Allerdings sei die SAG in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, 2011 habe das Wachstum eben einmal stagniert. Ursache dafür seien im Sommer hauptsächlich aufgeschobene Großaufträge gewesen, die dann erst im dritten Quartal einen positiven Effekt hatten.

Im vierten Quartal blieb die SAG erneut weit hinter den Erwartungen: Der Netto-Gewinn lag zwischen 45 und 50 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 64,7 Millionen), der Umsatz lag zwischen 290 und 295 Millionen Euro. Analysten hatten mit 340 Millionen Euro gerechnet.

Vor allem in der Sparte Business Process Excellence (BPE), also bei Produkten zur Optimierung und Integration von Geschäftsprozessen, hat die SAG in den USA deutlich schwächer abgeschnitten. Vorstandschef Karl-Heinz Streibich sieht den Grund dafür in der Gesellschaftsstruktur der Software AG. Als deutsches Unternehmen sei sie bei öffentlichen Ausschreibungen in den USA benachteiligt. Er will deshalb noch in diesem Jahr eine Unternehmenseinheit nach US-Recht gründen.

Im Bereich Enterprise Transaction Systems (ETS), also bei Angeboten zum Datenmanagement, hat sich nach Meinung von Analystin Alla Gorelova von Wolfgang Streubing nach fünf sehr starken Jahren, die vorwiegend durch eine starke Nachfrage in Brasilien getrieben wurden, eine Normalisierung eingestellt. Commerzbank-Analyst Thomas Becker bewertet diesen Geschäftszweig ähnlich: „Brasilien hat im vierten Quartal 2010 allein 20 Prozent des Umsatzes im ETS-Lizenzgeschäft ausgemacht.“

„Bei der SAG werden Probleme eigentlich immer schnell gelöst“, sagt Analystin Gorelova, die die Aktie mit „Halten“ bewertet. Jetzt sei es an der Zeit, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Saisonal bedingt seien die kommenden beiden Quartale noch schwach, gegen Ende 2012 werde es ihrer Meinung nach aber eine Erholung des Aktienkurses geben. Einige Analysten sahen das anders und stuften die Aktie auf „Halten“ oder „Verkaufen“ herab.

Die SAG ist nicht das einzige Software-Unternehmen, das enttäuscht. Bereits im Dezember hatte der US-Hersteller Oracle seine Zahlen veröffentlicht: Der Umsatz ist von September bis November nur um zwei Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar gestiegen. Normalerweise sind Anleger ein zweistelliges Umsatzplus gewohnt. „Oracle hat die Erwartungen verfehlt und wurde dafür abgestraft“, sagt Andreas Wolf, Analyst bei Warburg Research. Viele fürchteten nun, dass auch SAP enttäuschen könne.

Der Branchenführer SAP stellt seine Zahlen erst am 25. Januar vor. „Es wird keine gravierenden Schreckmomente geben“, sagt Branchenexperte Fiebel von Independent Research. „Allerdings empfinde ich die SAP-Einschätzung als etwas zu positiv“. Wenn es in der Vergangenheit einen Aktieneinbruch gegeben habe, habe es nie Auswirkung auf den Softwarehersteller aus Walldorf gehabt.

Eine leichte Korrektur könnte also überfällig sein. SAP-Anleger sollten ihre Erwartungen deshalb ruhig schon mal etwas zurückschrauben.

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  • Die Softwarebranche reift und dann ist immer Schluss mit den unglaublichen Wachstumszahlen. Das ist ein Luxusproblem und ich mache mir keine Sorgen in Zukunft vermehrt Informatiker unter der Brücke schlafen zu sehen...

  • Dann wird bald der Fachkräftemangel in Fachkräfteüberschuß umschlagen und ein MINT-Studium lohnt nicht mehr. Das einzige Mittel, das Managern einfällt, um schnell den Gewinn zu erhöhen ist Personalabbau.

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