Strategiewechsel?
Apple-Aktionäre können auf Dividende hoffen

Seit 17 Jahren hat Apple keine Dividenden mehr an seine Anteilseigner ausgeschüttet. Steve Jobs war stets gegen eine Wiedereinführung der Zahlungen. Doch sein Nachfolger Tim Cook macht den Aktionären wieder Hoffnungen.
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CupertinoApple schließt eine mögliche Wiedereinführung von Dividenden an seine Anteilseigner offenbar nicht mehr aus. Konzernchef Tim Cook räumte am Donnerstag auf einer Aktionärsversammlung ein, dass das Computerunternehmen über mehr Cash-Reserven verfüge als es benötige.

Das Management und der Aufsichtsrat „denken sehr intensiv“ über die Verwendung der Reserven in Höhe von 98 Milliarden Dollar nach, sagte Cook in der Firmenzentrale im kalifornischen Cupertino. Er deutete an, dass eine Entscheidung kurz bevor stehe.

Das inzwischen wertvollste Unternehmen der Welt hatte 1995 aufgrund damaliger Finanznöte die Ausschüttung von Dividenden eingestellt. Cooks Vorgänger Steve Jobs hatte eine Wiedereinführung der Zahlungen stets abgelehnt. Die jüngste Aktionärsversammlung war die erste seit Jobs Tod am 5. Oktober vergangenen Jahres.

Bisher nutzte Apple die Reserven für zum Teil milliardenschwere Langzeit-Deals mit Zulieferern oder relativ kleine Zukäufe. Eine weitere Übernahme wurde kurz nach der Aktionärsversammlung bekannt: Apple bestätigte den Kauf der Firma Chomp, die eine App-Suchmaschine betreibt. Apple hat inzwischen rund 550.000 Apps in seiner iTunes-Plattform. Entsprechend groß ist die Herausforderung für die Nutzer, sich in dieser Masse zurechtzufinden.

Die jüngst wieder aufgeflammte Kritik an Arbeitsbedingung bei chinesischen Apple-Partnern wie dem Auftragsfertiger Foxconn war bei der Versammlung im kalifornischen Cupertino kein Thema. Nur einige wenige Demonstranten auf der Straße prangerten eine „Ausbeutung“ der Arbeiter an. Cook verkündete zugleich, dass Apple im vergangenen Jahr Technik im Wert von 750 Millionen Dollar an Bildungseinrichtungen gespendet hat.

Während des Treffens versammelten sich einige Demonstranten vor der Apple-Zentrale, um gegen die Arbeitsbedingungen in chinesischen und taiwanischen Partnerfabriken des iPhone- und iPad-Herstellers zu protestieren. Sie trugen Plakate bei sich mit Aufschriften wie „Stoppt Ausbeutung“ und „Ich will ein ethisch einwandfreies Telefon“.

Unterdessen sucht Apple-Chef Tim Cook offenbar den Schulterschluss mit Facebook: Auf die Frage von Anteilseignern über das Verhältnis zum weltgrößten Online-Netzwerk sagte Cook bei der Aktionärsversammlung am späten Donnerstag, Facebook sei ein „Freund“. Die beiden Firmen arbeiteten bereits zusammen, Apple-Nutzer seien sehr bei Facebook aktiv. „Ich habe immer gedacht, dass unsere beiden Unternehmen mehr zusammen machen können“, wurde Cook von US-Medien zitiert.

Am Freitag, einen Tag nach dem Aktionärstreffen, wäre der im Oktober verstorbene Steve Jobs 57 Jahre alt geworden. „Es vergeht kein Tag, an dem ich ihn nicht vermisse“, sagte der sonst eher wenig emotional wirkende Cook.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Steve Jobs hätte dem Rat von Warren Buffet folgen sollen und Apple Aktien am Markt zurück kaufen, in einer Zeit als schon genügend Cash in der Applekasse war. Wir wissen er tat es nicht. Das war ein Fehler. Heute hat Apple über 100 Mrd. Dollar Cash in der Kasse. In dieser Situation Aktionäre nicht mit einer saftigen Dividende zu beteiligen, fehlen gute Argumente.
    Apple steht vor schwierigen Zeiten. Die Konkurrenz schläft nicht. Der Neuigkeitswert der einzigartigen Innovationen von Apple versiegt im Rhythmus der Innovationszyklen des Wettbewerbs. Der Verfall beginnt am Rand, erst unmerklich dann fortschreitend. Nokia mit Windows im Preissegment. Nokia mit 41Megapixel Kamera. Samsung mit schnelleren Prozessoren und phantastischen Bildschirmen. Panasonic mit Robustheit und Wasserfestigkeit. Motorola mit Patenten und Kevlargehäuse. Alle mit dem einem besseren Preis. Wenn die Eliten die neuen Features des Wettbewerbs gut finden, dann wird Apple unter Druck kommen.

  • Steve Jobs ist tot. Nun kommen die Verwaltungsmanager und denken über Dividenden nach. Natürlich haben viele TOP-Apple Manager eigene Aktientranchen. Dividende heißt hier auch sich selbst hohe Geldsummen auszuzahlen. APPLE wird ein normales Unternehmen mit Interessen der Angestellten am eigenen Gehalt und des Auszahlens von Geldern. Abhängig Beschäftigte ohne Aktiebesitz gehen dabei leer aus. Eigentümer der Apple-Aktien dürften sich dagegen über diesen warmen Regen freuen.

    Nicht freuen wird man sich, dass Apple erlahmen wird; Apple müsste sich heute schon mit Produkten beschäftigen, die es nocht nicht als Apple-Produkte gibt. Sich in fremde Märkte zu bewegen kostet eine Menge Geld, bevor das Investment sich lohnt. "Verwalter" scheuen dieses Risiko mehr, als Innovatoren. Jobs war ein Innovator, der Risiken einging.

    Apple Eigentümer haben nun einen Aktienhöchststand und bekommen obendrein eine Dividende ausgezahlt. Wie schön. Auf dem Zenit des Erfolges ist es leicht Geld auszuschütten. Es ist aber leicht möglich, dass Apple gedanklich verfettet und nur seinem eigenen Mainstream hinterherläuft, der von Jobs gelegt wurde. Verwalterseelen praktizieren genau das und ... werden träge. So lange träge, bis es zu spät ist ... für neue Produkte.

    Vielleicht setzt gerade die Trägheit.

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