Strumpfhersteller Wolford
Laufmasche im Geschäft bringt neuen Eigentümer

Die Mehrheitseigentümer des verlustreichen Luxus-Textilunternehmens Wolford wollen ihre Anteile verkaufen. Schon seit Jahren befindet sich der Strumpfhersteller in der Krise und braucht dringend mehr Eigenkapital.
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WienDas Interesse am österreichischen Strumpf- und Wäschehersteller Wolford an der Wiener Börse hielt sich bis zum Schluss am Freitagabend in Grenzen. Der Kurs des verlustreichen Unternehmens stagnierte bei rund 19 Euro. Nur 6160 Aktien wurden überhaupt gehandelt. Das wird sich in den kommenden Woche grundlegend ändern. Denn die Hauptaktionäre der Wolford AG haben offenbar die Hoffnung auf eine schnelle Wende beim seit Jahren kriselnden Textilunternehmen aufgegeben.
Die WMP Familien-Privatstiftung, die Sesam Privatstiftung und deren Tochter, M. Erthal & Co. Beteiligungsgesellschaft m.b.H., wollen ihre Mehrheitsbeteiligung an dem Bregenzer Unternehmen verkaufen. Die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Deloitte wurde beauftragt einen neuen Kernaktionär zu suchen. Mit dem Verkauf der Anteile soll auch eine Eigenteilmaßnahme verbunden sein. Denn der Bregenzer Hersteller für luxuriöse Strümpfe und Mode braucht dringend frisches Geld. Derzeit ist Wolford in Gespräch mit Banken, um die Liquidität bis zum Eigentümerwechsel zu sichern. Bis wann ein neuer Mehrheitsaktionär für das Unternehmen am Bodensee gefunden werden kann, ist unklar. In Unternehmenskreisen hieß es am Wochenende: "An Interessenten fehlt es nicht." Der Verkaufsprozess soll möglichst schnell über die Bühne gehen. Die finanzielle Transaktion soll mit österreichischen Banken über die Bühne gehen. Interessierte Finanzinstitute aus Deutschland sollen leer ausgehen.

Bereits seit Jahren kämpft das Textilunternehmen mit über 1500 Mitarbeitern um seine wirtschaftliche Zukunft. Im März überraschte Wolford seine Aktionäre mit schlechten Neun-Monatszahlen. Der operative Verlust (Ebit) betrug in diesem Zeitraum 4,72 Millionen. Im Vorjahreszeitraum wurde noch ein Gewinn von 2,16 Millionen Euro erzielt. Die Unternehmensführen macht neben internen Problemen beim Vertrieb vor allem das schwierige Marktumfeld für das miserable Abschneiden verantwortlich.

Zuletzt betrug das Eigenkapital nur noch knapp 62 Millionen. Die Nettoverschuldung stieg auf 32 Millionen Euro. Der Vorstand versprach jüngst, wieder im Geschäftsjahr 2018/19 ein positives operatives Ergebnis erzielen zu wollen. Im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 wird von der Unternehmensführung aber ein operativer Verlust von bis zu zehn Millionen Euro sowie Wertberichtigung und Restrukturierungsmaßnahmen von bis zu neun Millionen Euro erwartet.

Der bevorstehende Eigentümerwechsel kommt nicht ganz überraschend. Schon im April hatte der Vorstand mitgeteilt, dass er mit Großaktionären über eine Erhöhung des Eigenkapitals verhandelt. Dazu sind aber nun die Mehrheitseigentümer nicht mehr bereit.
Unter der Aufsichtsratschefin Antonella Mei-Pochtler, Gründerin des Wiener Büros der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), wurde bislang eine Unternehmensstrategie verfolgt, die auf eigene Boutiquen, Online-Shops und Outlets in Warenhäusern setzt. In den vergangenen Jahren wurde die Organisationsstruktur des global agierenden Unternehmen auf den Prüfstand gestellt, um die Kosten drastisch zu senken. Produktion und Logistik sollten verbessert werden. Ziel war es bislang, die Umsätze systematisch zu steigern und die Gesamtkosten drastisch zu senken. Doch bisher haben die getroffenen Maßnahmen nicht den gewünschten Effekt erzielt. Mei-Pochtler löste 2014 Emil Flückinger ab, der über zwei Jahrzehnte dem Kontrollgremium angehörte.

Für die Aktionäre der Wolford AG ist die Aktie seit langem eine Nervenprobe. Beim Börsengang im Februar 1995 wurde das Papier noch als „Lady-Aktie“ gefeiert. Das Wertpapier wurde damals sogar mit dem Motiv der griechischen und ägyptischen Schutzgöttin der schönen Künste geschmückt. Derzeit ist das Papier mit einer Bewertung von nur noch rund 19 Euro weit weg vom Höchststand von mehr als 37 Euro im Jahr 2007.

Das Unternehmen wurde 1950 in Bregenz gegründet. Von der Firmenzentrale am Bodensee werden nach Unternehmensangaben 16 Niederlassungen geführt, die Strümpfe und Textilprodukte in mehr als 60 Ländern und 16 Onlineläden vertrieben. Wolford produziert ausschließlich in Österreich und Slowenien hochwertige Strümpfe und Wäsche.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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