Telekom-Aktie
Skepsis übertrumpft die Chancen

Die T-Aktie ist heute ganz den Analysten ausgeliefert, doch die sind sich nicht einig: Binnen weniger Minuten sagt ein Analyst "Kaufen", ein anderer urteilt "Verkaufen". Nur eins ist klar: Die Aktie birgt Risiken.
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DüsseldorfDas Papier der Deutschen Telekom leidet heute unter einem vernichtenden Urteil von Goldman Sachs: Die Investmentbank hat die Aktie von „Hold“ auf „Sell“ herabgestuft und das Kursziel von 11,30 auf 10,70 Euro gesenkt. Gleich zu Beginn des Börsentages sackte der Kurs dadurch mehr als ein Prozent ab. Bis zum späten Vormittag rettete allerdings das Vertrauen des japanischen Analysehauses Nomura in die T-Aktie den Kurs - der hat sich mit einem Minus von knapp 0,4 Prozent bei 10,66 Euro eingependelt.

Die T-Aktie hat in den vergangenen Monaten mit dem Misstrauen der Anleger gekämpft, denn die Erwartungen an das Geschäftsjahr 2011 sind eher nüchtern. Bereits die Zahlen für 2010 enttäuschten, und für das laufende Jahr konnte René Obermann auch kein weiteres Gewinnwachstum in Aussicht stellen. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) werde bei etwa 19,1 Milliarden Euro stagnieren.

Um mit den Kabelnetzbetreibern Schritt zu halten und die Kundenwünsche nach schnellen Internetzugängen zu erfüllen, dürften bis 2020 hohe Investitionen in Netze der nächsten Generation (NGA) notwendig werden, schrieb Goldman Sachs-Analyst Hugh McCaffrey in seiner am Dienstag veröffentlichten Branchenstudie. Bei der Telekom dürften sich die NGA-Verbindlichkeiten auf sechs Milliarden Euro belaufen, die nun in seiner Bewertung berücksichtigt seien. Auch wenn sich das Management tapfer schlage, gebe es doch strukturelle Herausforderungen und damit Risiken in Deutschland, zitierten Börsianer aus der Studie. Zudem scheine der angestrebte Verkauf der US-Mobilfunktochter T-Mobile USA bereits in den Kursen eingepreist zu sein.

Dagegen hob das japanische Analysehaus Nomura sein Anlagevotum für die Telekom-Aktien von „Neutral“ auf „Buy“ an und schraubte das Ziel von 12,40 auf 13,00 Euro hoch. Zwar bewertet auch Analyst James Britton die Perspektiven der Branche in Europa skeptisch und sieht negative Auswirkungen der staatlichen Sparmaßnahmen auf die operative Entwicklung sowie eine Kannibalisierung der Mobilfunk-Erlöse durch die mobile Datenübertragung. Die Deutsche Telekom sei aber von diesen Effekten vergleichsweise wenig betroffen und die Aktie sehr attraktiv bewertet. Zudem geht der Experte davon aus, dass der Verkauf von Mobile USA gelingen wird.

Schlagzeilen macht das Bonner Unternehmen jüngst auch mit einigen umstrittenen Personalentscheidungen. Die Telekom will auch weiterhin weiblicher werden. Daher hat René Obermann gleich zwei neue Frauen in den Vorstand bestellt, doch zumindest mit der designierten Personalchefin Marion Schick war die Arbeitnehmervertretung nicht zufrieden. Unter Protest verließen sie die Sitzung.

Es wäre nicht die erste Maßnahme im Rahmen der Frauenförderung, die die Telekom vermasselt: Sie hatte bereits im März 2010 als erstes Dax-Unternehmen eine Frauenquote eingeführt. Bis Ende 2015 sollten demnach 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen im Unternehmen mit Frauen besetzt sein. Die erste Berufung einer Frau ins obere Management nach Verkündung der Quote ging allerdings gründlich schief: Die mit vielen Vorschuss-Lorbeeren bedachte Produktions- und Innovationschefin Anastassia Lauterbach warf bereits im Februar dieses Jahres nach nicht einmal einem Jahr das Handtuch.

Der Aufsichtsrat hat dieses Mal die ehemalige baden-württembergische Bildungsministerin Marion Schick vom kommenden Jahr an als Personalchefin berufen. Neben Schick wurde Claudia Nemat, bisher Direktorin der Unternehmensberatung McKinsey, in den Vorstand gewählt.

Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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