Terminmärkten
Börsen werden Börsenstars

Um Europas Wertpapierbörsen ist eine heiße Übernahmeschlacht entbrannt. Die Aktienkurse der Börsenunternehmen schossen unter Mitwirkung aggressiver Hedge-Fonds stark in die Höhe. Doch all dies ist nichts gegen die exorbitanten Kurssteigerungen der Aktien amerikanischer Derivatebörsen.

FRANKFURT. Der Aktienkurs der Chicago Mercantile Exchange (CME) – Nummer eins unter den US-Terminbörsen – hat sich seit dem Börsengang Ende 2002 in etwa verzwölffacht.

Der Konkurrent Chicago Board of Trade (CBOT) hat seinen Börsenwert seit der Erstnotiz der Aktien im Oktober vergangenen Jahres bereits um mehr als 100 Prozent gesteigert. Ähnlich gut schneidet die Ölbörse Intercontinental Exchange (ICE) ab, deren Kurs sich in einem knappen halben Jahr mehr als verdoppelt hat. Schließlich freuen sich auch die Anteilseigner der größten US-Optionsbörse, der International Securities Exchange (ISE), in etwa über eine Verdreifachung des Kurses seit dem Börsengang im April 2005. Diese beeindruckende Wertentwicklung der Aktien von Derivatebörsen ruht auf einem soliden Fundament. Immer mehr Anleger haben inzwischen die Vorteile von Derivaten erkannt und setzen diese künstlichen Finanzinstrumente gezielt bei der Umsetzung ihrer Anlagestrategien ein. Den Terminbörsen hat dieser Run auf Derivate einen Umsatzboom beschert. So ist die Wachstumsdynamik der Terminbörsen wesentlich stärker ausgeprägt als die der Aktienbörsen.

Wertpapier-Analysten in den USA sind nach der Hausse jetzt dennoch wesentlich vorsichtiger. Nur für die CME-Aktie hält Camron H. Ghaffari von Morgan Stanley noch eine „Übergewichtung“ im Depot für gerechtfertigt. Der CBOT-Aktie traut der Experte nur noch eine durchschnittliche Kursentwicklung zu. Zudem hat er die Einstufung der ICE-Aktie von „übergewichten“ auf „durchschnittlich“ herabgesetzt. Grund: Der Hauptkonkurrent New York Mercantile Exchange, der Energie-Derivate bisher meist auf dem Börsenparkett handelt, wird seine Produkte künftig auf der elektronischen Handelsplattform der CME anbieten und der ICE somit stark zusetzen. Eine nur noch durchschnittliche Marktentwicklung erwartet Michael Vinciquerra, Wertpapier-Analyst bei Raymond James & Associates, für die ISE-Aktie.

Angesichts der schwindenden Kurschancen der schon notierten Terminbörsen, bieten die anstehenden Neuemissionen von Wettbewerbern für Anleger eine interessante Option – vorausgesetzt, die Rally der Börsenaktien verleitet die Neulinge nicht zu überhöhten Emissionspreisen. Pläne für einen Börsengang hegen derzeit Neal Wolkoff, Chairman der im US-Derivategeschäft bedeutenden American Stock Exchange, sowie William Brodsky, Chairman der Chicago Options Exchange (CBOE). Auch die New York Mercantile Exchange (Nymex) wird wohl noch in diesem Jahr als Aktiengesellschaft den Weg an die Börse finden.

Und auch außerhalb der USA machen sich Börsenbetreiber fit für die Notierung eigener Aktien. So denkt die japanische Leitbörse Tokyo Stock Exchange schon seit einiger Zeit über einen Börsengang nach. Und auch die Multi Commodity Exchange of India Eigenkapital plant eine Aktienplatzierung an der Börse in Bombay.

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