„Tugenden von vorgestern“ und erwartete Konjunkturerholung dürften vor allem die T-Aktie beflügeln
Banken empfehlen massiv Telekomtitel

An Kaufempfehlungen für die T-Aktie mangelt es nicht. Allein in den vergangenen fünf Tagen empfahlen die britische Investmentbank HSBC, DZ- und BW-Bank, WestLB und Dresdener Kleinwort Wasserstein die Aktie der Deutschen Telekom zum Kauf. Gestern folgten die Landesbank Rheinland- Pfalz und SEB Invest. Doch der Aktienkurs tritt auf der Stelle. Anderen Ex-Monopolisten wie Telefónica und France Télécom geht es ähnlich.

DÜSSELDORF. Die Masse an Kaufempfehlungen ist selbst für die gemeinhin als zu optimistisch gescholtene Analystenschar bemerkenswert. Schuldenabbau, hohe Einnahmen und mehr Ausgaben für Informationstechnologie sollen die Durststrecke beenden.

Grund für die bislang schleppende Kursentwicklung ist eine veränderte Sichtweise bei Investoren. „Technologie, Medien und Telekom galten einst als Wachstumsbranche schlechthin. Davon ist nichts übrig geblieben. Weil das Festnetzgeschäft etwa so schnell wächst wie die Geschäfte der Versorger, lassen sich beide Branchen gut vergleichen“, meint HSBC-Analyst Klaus Lüpertz. Versorger laufen bekanntlich in Bullenmärkten schlechter und in Abwärtsphasen besser als der Rest. Deshalb stürzten die Telekoms mit dem Platzen der High-Tech-Blase besonders stark ab, erholten sich ab März 2003 aber weniger gut als andere Branchen.

Sichtbar ist das am so genannten Beta. Es misst, wie stark Aktien von Bewegungen des Gesamtmarkts abweichen. Bis 2001 erreichte die Deutsche Telekom ein Beta von über zwei – die T-Aktie reagierte mit dem Faktor zwei und mehr auf Kursanstiege und -einbrüche. Aktuell liegt das Beta bei 0,9. Verbessert sich der Deutsche Aktienindex (Dax) um 10 %, legt die T-Aktie durchschnittlich nur um 9 % zu.

Die neue Einordnung ist nach Meinung der Experten richtig. Viele sehen dennoch Kurspotenzial. „Unser Favorit ist Portugal Telecom“, sagt Lüpertz. Er schätzt die hohen Verdienste im Festnetzbereich und sieht den Konzern breit aufgestellt, vor allem mit dem Mobilfunk in Lateinamerika, wo gutes Geld verdient werde. „Am besten gefällt mir aber, dass sich Portugal Telecom nicht an UMTS beteiligt hat. Das Unternehmen ist wenig verschuldet.“

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