Twitter-Börsengang
Die neue Aktie startet furios

Was für ein Start. Anleger reißen sich zum Börsengang des Kurznachrichtendienstes Twitter um die Aktie. Doch der Hype verpflichtet: Bald muss die junge Firma, die noch immer Verluste schreibt, gute Zahlen nachlegen.
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New YorkViel hatten die Macher von Twitter über sich selbst nicht gerade zu sagen, als das lang erwartete Großereignis endlich da war. „#Ring!“, das Motto-Schlagwort zum Börsengang, twitterte der Kurznachrichtendienst am Donnerstagmorgen New Yorker Zeit auf seiner Twitter-Seite, und beließ erst einmal dabei. Mehr muss die Firma auch nicht sagen: Die Finanzwelt kennt an diesem Tag ohnehin kein anderes Thema als den Börsengang des jungen Unternehmens aus San Francisco.

Was für ein Start: Anleger rissen sich um die Aktien, bereits in den ersten Handelsminuten schoss das Papier durch die Decke. Lag der Ausgabepreis noch bei 26 Dollar, kletterte der Kurs am Morgen an der New York Stock Exchange (NYSE) zunächst um 80 Prozent, dann sogar um 93 Prozent auf rund 50 Dollar nach oben. Erst am Nachmittag fiel er dann wieder leicht auf zwischenzeitlich 46 Dollar zurück und ging schlussendlich mit 44,90 Dollar aus dem Handel. Damit ist die erst vor sieben Jahren gegründete Firma rund 25 Milliarden Dollar wert. Anders als im Mai vergangenen Jahres beim sozialen Netzwerk Facebook ist Twitters Start ins Leben als Aktiengesellschaft damit mehr als geglückt.

Was anfangs als Hort für den Austausch von Belanglosigkeiten belächelt wurde, ist längst ein etabliertes soziales Netzwerk geworden. Politiker, Schauspieler oder Musiker wenden sich über die Tweets mit den maximal 140 Zeichen an ihre Fans, Medien verbreiten Nachrichten, Nutzer tauschen Fotos und Links aus. Eine wichtige Rolle wurde Twitter, ebenso wie Facebook, auch bei der Arabischen Revolution zugesprochen. Demonstranten konnten sich über den Dienst organisieren, Aufrufe verbreiten und Verbrechen dokumentieren.

Der Hype um den Kurznachrichtendienst hatte in den Tagen vor dem Börsengang immer mehr zugenommen. Wegen der großen Nachfrage hatte Twitter den Ausgabepreis von ursprünglich 17 Dollar auf 26 Dollar erhöht. Die Firma vermied dabei aber den Fehler, den Facebook und die begleitenden Banken im vergangenen Jahr machten: Sie hatten den Ausgabepreis auf 42 Dollar hochgeschraubt. Die Folge war, dass der Kurs gleich in den ersten Handelsminuten abstürzte und sich erst ein Jahr später wieder erholte. Zudem hatten technische Pannen an der Technologiebörse Nasdaq den Start des weltgrößten Online-Netzwerks vermiest. Twitter wählte lieber die Nyse.

Der Börsengang des Kurznachrichtendienstes ist nun der zweitgrößte IPO eines Technologieunternehmens aller Zeiten. Die Gier nach der Twitter-Aktie war so groß, dass die Nachfrage um das 30-fache über dem Angebot lag, meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. Rund 70 Millionen Papiere gab Twitter aus, zudem können die beteiligten Banken - darunter Goldman Sachs und die Deutsche Bank - innerhalb von 30 Tagen noch 10,5 Millionen weitere erwerben. Insgesamt könnte Twitter damit gut 2,1 Milliarden Dollar einnehmen.

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  • "Ihren einfältigen Usern mitteilen, dass bald die größte Weltfinanzkrise aller Zeiten ins Haus steht."

    ach Gottchen, die gabs immer, wirds immer geben und das wird sich nicht ändern.
    Macht es wie die Schweiz, ist doch vielen ein Vorbild hier, marode Bankenteile von den Notenbanken aufkaufen und dann wenn es Zeit ist, wieder zurück kaufen, und die Fledderer vor den Kadi.
    Aber dann kreischen gleich wieder Wohlstandsbäuche, oh Staatsfinanzierung, verboten! Dabei haben Notenbanken im Grunde überhaupt keine andere Aufgabe.
    Angeblichen Sozialismus anprangern, aber selbst grandios Finanz-Sozialismus leben, das Spiel muss man auch erstmal beherrschen :).
    Und da ist nicht das "blöde" Volk an der Reihe, sondern diejenigen die es "regieren" und unter IT nur das Wort Neuland einfällt. Vielleicht sollte manche Regierung mal endlich erklären wo vorne ist, und nicht nur dem "dummen" Volk, und damit dokumentieren wer in Wahrheit wen regiert.

  • Na also, da haben wir sie doch wieder:

    Die Zeiten der Tulpenzwiebel-Spekulation und von John Law, dem noch größeren Betrüger als die Finanzgangster von Lehmann.

    Man muß sich das einmal vorstellen, da macht so ein Quatschladen nur Verluste und die Bekloppten reißen sich, ähnlich wie bei dem komplett überflüssigen Facebook-Unfug, um die überteuerten Papiere.

    Eines jedoch könnten die Netzwerke erledigen:

    Ihren einfältigen Usern mitteilen, dass bald die größte Weltfinanzkrise aller Zeiten ins Haus steht.

    Bei Twitter würde ja sogar eine SMS ausreichen.
    Viel größer ist ja der Horizont der User nicht.

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