Unter der Lupe
Biogas-Aktie unter Druck

Die Anleger von Envitec Biogas würden die Zeit wohl gerne rückwärts laufen lassen. Mitte des Jahres war die Aktie des Herstellers von Biogas-Anlagen an der Börse gestartet. Alles deutete auf eine Erfolgsgeschichte hin. Doch ein Einbruch in der Gewinnentwicklung setzte die Kurse mehrerer Branchenvertreter massiv unter Druck – darunter auch Envitec. Experten raten zur Vorsicht.

FRANKFURT. Erst kündigte Konkurrent Schmack Biogas eine Gewinnwarnung an, dann enttäuschte Envitec selbst bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende August. Zwar stieg der Gewinn vor Zinsen und Steuern im ersten Halbjahr 2007 um fast 50 Prozent auf rund elf Mill. Euro, doch die Gewinnmarge sank. Während im zweiten Quartal 2006 von einem Euro Umsatz noch 29 Cent an Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) übrig blieben, waren es ein Jahr später nur noch 16 Cent. Aktuell hat die Envitec-Aktie im Vergleich zum Höchststand mehr als die Hälfte an Wert verloren, ein Großauftrag gab ihr jüngst etwas Auftrieb. Doch rasche und deutliche Besserung ist nicht in Sicht.

Ein Grund dafür ist die sinkende Nachfrage der Landwirte nach Biogasanlagen. Da die Preise von Mais, Raps und Getreide stark gestiegen sind, ist eine Vergärung dieser Anbauprodukte zu Biogas weniger interessant, die Bestellungen der Landwirte somit rückläufig. Der Fachverband Biogas rechnet im aktuellen Jahr mit einem Umsatzrückgang um 50 Prozent im landwirtschaftlichen Bereich.

Die Aktivitäten von Envitec erstrecken sich über die gesamte Produktionskette von Biogas und umfassen Planung, Bau und Inbetriebnahme der Anlagen. Envitec betreibt selbst einzelne Anlagen und will diesen Bereich noch ausbauen. 2008 sollen bereits 15 bis 20 Prozent des Umsatzes aus dem Eigenbetrieb stammen, schreibt Envitec in seinem Halbjahresbericht.

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 370 Mill. Euro ist der Anlagenbauer an der Börse größer als die Konkurrenten Schmack und Biogas Nord zusammen. Dennoch beschäftigen sich nur wenige Anlageexperten mit der Envitec-Aktie. Einschätzungen von drei Analysten sind beim Finanzinformationsdienst Bloomberg aufgeführt. Die Arbeitgeber der drei Analysten waren am Börsengang von Envitec beteiligt. Ihr Urteil ist trotz der Krise überwiegend positiv. Christoph Eckert von Dresdner Kleinwort empfiehlt die Aktie zum Kauf mit einem Kursziel von 48 Euro. Gleiches gilt für Sven-Erik Hintz. Sein Kursziel liegt bei 49,5 Euro.

Etwas zurückhaltender gibt sich Sebastian Zank, Analyst bei der WestLB. Auf Zwölf-Monats-Sicht sieht er die Aktie bei 35 Euro. Obwohl selbst das einen Anstieg von rund 30 Prozent bedeuten würde, rät er, Envitec nur zu halten. Fundamental habe die Aktie zwar viel Potential, sagt Zank, doch „bevor keine neuen Signale aus der Politik kommen, rechnen wir nicht mit einer kurzfristigen, positiven Entwicklung.“

Signale aus der Politik gibt es zwar, doch diese machen den Anlegern derzeit nur wenig Hoffnung. Im Erfahrungsbericht 2007 zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schlägt das Bundesumweltministerium eine Kürzung der Grundvergütung für den Strom aus Biomasse vor. 0,5 Cent je Kilowattstunde weniger solle es künftig bei kleinen und mittleren Anlagen geben, zwei Cent weniger bei großen Anlagen. Für den Geschäftsführer des Fachverbandes Biogas, Claudius da Costa Gomez, wäre damit die Erfolgsstory von Biogas in Deutschland beendet. SPD-Bundestagsabgeordnete Marko Mühlstein mahnt zur Gelassenheit: „Wir werden uns dafür einsetzen, dass Biogas auch nach einer Novellierung des EEG eine wichtige Säule der erneuerbaren Energien bleibt.“ Für die Envitec-Aktionäre bleibt also ein kleiner Funken Hoffnung.

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