US-Börsenplattform
Gerücht um gezielte Sabotage bei Bats

Nach dem gestoppten Börsengang erwägt die US-Handelsplattform Bats, sich ganz aus dem Geschäft mit Neuemissionen zurückzuziehen. Derweil tauchen Verschwörungstheorien zum Fiasko des IPO auf.
  • 0

New YorkDie elektronische Handelsplattform Bats überlegt offenbar, sich ganz aus dem Geschäft mit Börsengängen zurückzuziehen. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge, denke das Unternehmen nach dem eigenen verpatzten Börsengang darüber nach, künftig auch keine anderen Unternehmen auf der Bats-Plattform listen zu lassen.

Bats hatte vor gut einer Woche den Gang an die eigene Börse geplant, doch der IPO endete aufgrund von technischen Problemen in einem Fiasko. Die Aktie fiel von 16 Dollar auf unter einen Cent. Bats-Chef Joe Ratterman hatte sich kurz nach Handelsbeginn zu dem äußerst ungewöhnlichen Schritt entschieden, den Börsengang zu rückzuziehen.

Die strategischen Überlegungen des Unternehmens aus Lexana im US-Bundesstaat Kansas zeigen, für wie ernst sie den daraus entstandenen Reputationsschaden hält. Der eigene Börsengang sollte der Eintritt in das lukrative IPO-Geschäft sein. Bats wollte sich damit von einer elektronischen Plattform zu einer vollwertigen Börse wandeln und die Konkurrenz zu den Platzhirschen NYSE Euronext und Nasdaq weiter verschärfen. Doch nach dem Fiasko hatten Branchenexperten darauf hingewiesen, dass es für Ratterman sehr schwer werden könnte, andere Unternehmen davon zu überzeugen, sich bei Bats listen zu lassen.

In den vergangenen Tagen sind zudem Gerüchte über eine Verschwörungstheorie aufgetaucht, wonach Börsengänge auf der Bats-Plattform auch in Zukunft ähnlich spektakulär scheitern könnten. Dem Nachrichtendienst Nanex zufolge handelte es sich bei dem Sturzflug der Bats-Aktie nicht um einen Software-Fehler, sondern um einen gezielten Angriff eines Computerhandelsprogramms. Ein Algorithmus soll absichtlich so programmiert worden sein, um den Preis der Aktie einen winzigen Moment vor Handelsbeginn auf null zu bringen.

Hinzu kommt: Der Algorithmus sei von den Plattformen der Nasdaq losgeschickt worden. Er muss müsse also von jemandem programmiert worden sein, der direkt mit den Computern der Technologiebörse verbunden ist.

Der Finanzblog „Zero Hedge“ mutmaßt nun, dass die großen Konkurrenten von Bats selbst hinter den Angriffen stecken könnten. Denn die würden am meisten von einem ruinierten Ruf der Technologie-Börse profitieren.
Nasdaq und NYSE suchen schon lange nach neuen Umsatzquellen. Nach der gescheiterten Fusion von Deutsche Börse und NYSE Euronext sei „jetzt jeder schmutzige Trick“ erlaubt, um so lange wie möglich an den alten Verhältnissen festzuhalten, ätzte Zero Hedge. Der Blog, dessen Schreiber anonym bleiben, spricht von einem Krieg der Börsen, der auf einer hohen technologischen Ebene ablaufe.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

Kommentare zu " US-Börsenplattform: Gerücht um gezielte Sabotage bei Bats"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%