Zeitungsverlage können nach Meinung von Experten mit stabilen Preisen rechnen
Bei Papier-Aktien lässt der Aufschwung auf sich warten

Für die Papierbranche ist auch 2003 kein gutes Jahr: Überkapazitäten, Dollarschwäche, Konjunkturflaute und härtere Konkurrenz aus Asien hat den europäischen und nordamerikanischen Papierproduzenten das Leben schwer gemacht. Zudem ist die Branche trotz einer Konsolidierungswelle vor einigen Jahren immer noch stark fragmentiert. Die fünf größten Konzerne weltweit kommen auf einen Weltmarktanteil von nur 15 %.

STOCKHOLM. Wer in Papier-Papiere investiert hat, dürfte auch 2003 als verlorenes Jahr abhaken können. Die Aktie des finnisch-schwedischen Papierriesen Stora Enso stieg in diesem Jahr an der Stockholm Börse zwar um 15 %, der Stockholmer SAX-Index zog aber im gleichen Zeitraum um über 25 % an. „Wir sind den Papier-Aktien gegenüber neutral“, sagt Papier-Analystin Catarina Ihre von der Bank Nordea. Sie glaubt an einen Aufschwung erst Ende 2004. Dennoch hat Nordea das Urteil über die meisten Papierkonzerne leicht nach oben korrigiert. Noch Anfang des Jahres waren die Experten den Papieraktien gegenüber negativ eingestellt.

Auch die Deutsche Bank verhält sich neutral und rechnet erst Ende kommenden Jahres mit einer Verbesserung der Lage. „SCA ist recht gut gerüstet", sagt Analyst Karl-Henrik Frejborg von der Deutschen Bank in Helsinki. Der schwedische Konzern hat sich auf Hygienepapiere spezialisiert und ist deshalb nicht ganz so stark von den Konjunkturschwankungen betroffen. Dennoch hat sich die SCA-Aktie in diesem Jahr nicht von der Stelle bewegt.

Der größte nordeuropäische Papierkonzern, UPM Kymmene aus Finnland, gehört zu Ihres Favoriten: „UPM Kymmene hat einen guten Produktmix“, sagt sie und glaubt, dass der Konzern die lange Krise am besten überstehen wird. Ganz schlecht steht dagegen der einheimische Konkurrent M-Real da. Das Unternehmen ist hoch verschuldet und hat einen schlechten Cash Flow. „Eigentlich müssten sie Unternehmensteile verkaufen, aber das ist derzeit nicht so leicht“, meint Ihre.

In andertalb Wochen beginnen die Verhandlungen über die Zeitungspapierpreise für das kommende Jahr, und die Vertreter der Papierriesen hoffen auf bessere Zeiten, sprich höhere Preise. Im Januar 2004 wird das Ergebnis des Preispokers bekannt gegeben.

Die Großen müssen sich gedulden

Glaubt man den Experten müssen sich die Großen der Branche, UPM Kymmene und Stora Enso, SCA und Norske Skog aus Norwegen allerdings noch ein wenig gedulden. „Wir gehen für das kommende Jahr bei Zeitungspapieren von unveränderten Preisen aus“, sagt Experte Frejborg. Seine Kollegin Ihre gibt ihm recht: „Die Unternehmen versuchen zwar zurzeit, Preiserhöhungen durchzusetzen, doch ich glaube, 2004 werden die Preise in etwa unverändert bleiben“.

Derzeit kostet das häufig verwendete 48,8 Gramm schwere Zeitungspapier 455 Euro je Tonne. Behalten die Experten Recht, können sich die Verlage in Europa auf dieses Preisniveau auch im Jahr 2004 einstellen, denn bei Zeitungspapier werden die Preise stets für ein Jahr verhandelt.

Die gesamte Branche befindet sich seit nunmehr drei Jahren auf Abwärtsfahrt. Die Zeitungen leiden weiterhin an dem stagnierenden Anzeigengeschäft. Aber auch sinkende Auflagen bei Zeitungen haben zu enormen Überkapazitäten geführt. In Finnland, dem größten europäischen Produktionsland, lag die Auslastungsrate der Papierkonzerne nach dem dritten Quartal bei 90 % – wie im Vorjahr. Einige Papierhersteller haben deshalb die Produktion gedrosselt.

Ein Hoffnungsschimmer ist die Entwicklung auf dem wichtigen US-Markt. Von dort kommen vorsichtig positive Signale, dass die Nachfrage nach Papier wieder anzieht.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%