Als Tourist in den USA und Kanada
Die Steuer steht nicht auf dem Preisschild

In Nordamerika müssen Reisende die Prozentrechnung beherschen, denn der ausgewiesene Preis sagt oft nicht alles. Trotzdem lässt sich wegen des schwachen Dollars in den USA zur Zeit ungewöhnlich billig shoppen - während sich in Kanada auch mal Frechheit lohnen kann.
  • 0

OTTAWA. Walburga Hermsdorf wundert sich sehr. Sie ist zum ersten Mal in Kanada und wollte eigentlich nur zwei Bier und zwei Mittagessen für sich und ihre Tochter bestellen – für 30,20 Dollar laut Speisekarte. Doch als es ans Zahlen geht, fordert die Bedienung des Byward Market insgesamt 34,35 Dollar. Was Frau Hermsdorf nicht bedacht hat: Die fünfprozentige „Goods and Service Tax“ (GST), die achtprozentige „Provincial Sales Tax“ (PST) des Staates Ontario und die Alkoholsteuer waren noch nicht im Preis enthalten.

Was in Kanada oder den USA zunächst als Schnäppchen erscheint, ist inklusive Verkaufssteuern oft doch nicht mehr so günstig. „Die europäischen Touristen sind zunächst überrascht, dass die Mehrwertsteuer nicht im Preis enthalten ist“, sagt David Veres, Tourismus-Experte am Niagara College in Niagara Falls/Ontario. Und noch etwas überrascht: Während in Deutschland die Mehrwertsteuer einheitlich 19 Prozent beträgt, sind die USA und Kanada Flickenteppiche: In der ölreichen kanadischen Provinz Alberta wird zwar wie in allen anderen Provinzen die fünfprozentige GST des Bundes erhoben, aber keine Mehrwertsteuer der Provinz, während die kleine Prince-Edward-Insel zehn Prozent fordert. Manches, was im Staate New York besteuert wird, kann im Nachbarstaat Pennsylvania steuerfrei erworben worden. In manchen US-Staaten variiert das System von Landkreis zu Landkreis.

Die beiden nordamerikanischen Länder machen in diesem Jahr aufgrund der Währungsturbulenzen unterschiedliche Erfahrungen. Kanadas Tourismus-Industrie lebt zum großen Teil von den Gästen aus dem Nachbarland – und leidet darunter, dass der kanadische Dollar so stark geworden ist. Er liegt etwa gleichauf mit dem US-Dollar und hatte diesen im November gar deutlich übertroffen. Dadurch ist Kanada für US-Bürger, die früher für einen US-Dollar eineinhalb kanadische bekamen, zu einem teuren Reiseland geworden.

Für Europäer waren die Wechselkurse selten so günstig. Für einen Euro bekommen sie zurzeit etwa 1,55 US- oder Kan-Dollar. Wer aber meint, er müsse mit einem hohen Bargeldbetrag einreisen und sich schon zuhause mit Dollars eindecken, zahlt den ungünstigeren Sortenkurs. Überholt ist die Mitnahme von heimischem Bargeld und der Umtausch in kanadische oder US-Währung, weil zu ungünstigeren Wechselkursen dann auch noch kräftige Gebühren kommen. Reiseexperten empfehlen, auch aus Sicherheitsgründen nur mit einem kleinen Barbetrag anzureisen. „Man sollte Bargeld für die ersten drei oder vier Tage haben, sich ansonsten aber darauf einstellen, ein- oder zweimal in der Woche bei einer Bank oder einem Geldautomaten Bargeld abzuheben“, rät Veres. Das Auswärtige Amt in Berlin empfiehlt zwar immer noch die „Mitnahme von ausreichend Reiseschecks in US-Dollar“, aber im touristischen Alltag werden Schecks fast völlig von EC- und Kreditkarte verdrängt.

Seite 1:

Die Steuer steht nicht auf dem Preisschild

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Als Tourist in den USA und Kanada: Die Steuer steht nicht auf dem Preisschild"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%