Cost-Average-Effekt
Durchschnittspreise wirken keine Wunder

Es gibt Irrtümer, die schnell als solche erkannt werden. Andere wiederum halten sich hartnäckig – so wie der von den kraftspendenden Eigenschaften des Spinats durch seinen angeblich hohen Eisengehalt. Oder der vom Turbo-Sparen durch den so genannten Cost-Average-Effekt (CAE), zu deutsch dem Durchschnittskosteneffekt.
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FRANKFURT. Der Durchschnittskosteneffekt (CAE) besagt, dass konsequente, regelmäßige Einzahlungen gleich hoher Sparraten über einen längeren Zeitraum beispielsweise in einen Investmentfonds den durchschnittlichen Preis pro erworbenem Fondsanteil reduzieren. Die Idee leuchtet ein: Anleger, die regelmäßig einen festen Betrag in einen Sparplan einzahlen und dadurch Anteile an einem Aktienfonds kaufen, erwerben bei niedrigen Kursen viele Anteile und bei hohen Kursen entsprechend weniger Anteile. Dadurch erzielen sie geringere Durchschnittspreise für die einzelnen Fondsanteile. Dieser Effekt bestätigt sich beim Durchrechnen in den unterschiedlichsten Szenarien: Bei stetig steigenden Kursen zahlen Anleger mit einem Sparplan durchschnittlich einen geringeren Preis je Anteil als den durchschnittlichen Anteilspreis. Auch bei einem schwankenden Marktumfeld sind die durchschnittlichen Anteilskosten niedriger als der durchschnittliche Anteilspreis. Bei fallenden Kursen wirken sich regelmäßige Käufe mit gleichbleibenden Summen besonders vorteilhaft aus, da mit dem gleichen Anlagebetrag von Mal zu Mal mehr Anteile erworben werden. Steigen die Kurse dann wieder an, profitieren die Anleger von den günstig erworbenen Anteilen umso mehr. So weit ist der CAE mathematisch einwandfrei, korrekt und unbestritten.

Vorsicht ist allerdings geboten, wenn dem CAE darüber hinaus weitere Eigenschaften zugesprochen werden, wie etwa generelle Renditevorteile – oder wenn es heißt, bei Fondssparplänen schütze der CAE vor Kursverlusten und die Anleger profitierten in jedem Fall von schwankenden Kapitalmärkten, da sie in fallenden Märkten günstig einkauften. Sobald Anleger annehmen, dass sie durch einen geringeren Kaufpreis einen zusätzlichen Gewinn erhalten und gleichzeitig das Risiko ausschalten, zum falschen Zeitpunkt am Aktienmarkt zu kaufen, befinden sie sich Experten zufolge meist auf dem Holzweg. Der CAE sorge zwar für geringe Durchschnittspreise beim Einkauf einzelner Fondsanteile. Aus dieser Tatsache ließen sich aber keine weiteren Vorteile ableiten, sagen Wissenschaftler wie Thomas Langer, Professor für Finanzierung an der Uni Münster.

Bereits 2003 kam eine Forschergruppe der Uni Mannheim, der damals auch Langer angehörte, zu der Erkenntnis: „Weder kann man von einer renditeerhöhenden Wirkung des CAE sprechen, noch wird die höhere Volatilität (Schwankungsbreite) zu einer wünschenswerten Eigenschaft, sobald im Rahmen eines Einzahlungsplans nicht einmalig, sondern regelmäßig investiert wird.“ Und weiter heißt es in einem Arbeitspapier: „Das Argument, zur Renditesteigerung und Risikosenkung sei eine sukzessive Investition kleiner Chargen optimal, lässt sich zweifelsfrei widerlegen.“ Laut Langer mag das Durchschnittskosten-Argument zwar intuitiv überzeugen, eine echte praktische Relevanz hat es aber nicht. „Der Vorteil, bei fallenden Kursen größere Stückzahlen zu erwerben ist nur dann ein Vorteil, wenn die Kurse anschließend auch wieder anziehen“, sagt Langer. Entscheidend für den Sparerfolg sei eine gute Kursentwicklung des Produkts zum Ende der Laufzeit, ergänzt Professor Raimond Maurer von der Universität Frankfurt, etwa wenn der tatsächliche Kurs am Ende der Laufzeit über dem Durchschnittskurs liegt.

In einschlägigen Internetforen diskutieren die Teilnehmer den CAE fast schon wie einen Glaubenskrieg. So schreibt beispielsweise Bernd Blasius, Finanzstratege und Buchautor, beim Nachrechnen habe sich ergeben, dass sich der CAE mal positiv und mal negativ auswirke, in der Summe gebe es ihn nicht oder nur sehr stark abgeschwächt. Ein gewisser Hubert sieht im CAE gar nur einen Marketingtrick, um Kunden zu regelmäßigen Einzahlungen zu bewegen und sie fröhlich zu stimmen, wenn die Kurse sinken. Andere Stimmen behaupten hartnäckig, langfristig sei die Anlage in Raten noch immer der beste Mittelweg aus allem.

Aber CAE hin oder her, regelmäßiges Sparen ist in jedem Fall sinnvoll. Viele Anleger haben auch gar keine andere Wahl, als über regelmäßige kleinere Sparraten ab 25 bis 50 Euro langfristig auf ein Vermögen hinzuarbeiten. Schließlich stehen den meisten große Summen zur Einmalanlage schlichtweg nicht zur Verfügung. Sparpläne disziplinieren Anleger, regelmäßig etwas zur Seite zu legen und nehmen ihnen die Angst, überhaupt aktiv zu werden und den günstigsten Einstiegszeitpunkt finden zu müssen. Außerdem haben Sparpläne den Vorteil, flexibel zu sein. Anleger können Sparraten aussetzen und – wenn sie Fondsanteile wieder verkaufen – jederzeit über ihr Kapital verfügen.

Investoren müssen lediglich wissen, dass der CAE sowohl positiv als auch negativ wirken kann. In der Anfangsphase eines Sparplans sind fallende Kurse durchaus willkommen, da Anleger dann viele Anteile günstig erwerben können. Fällt der Anteilspreis des besparten Fonds aber zum Ende der Sparplanlaufzeit, wird das bis dahin angesparte Vermögen aufgezehrt. Verluste bei einem Crash kurz vor Ende des Sparplans sind dann kaum noch oder nur noch schwer auszugleichen. Experten raten daher, zum Ende des Vermögensaufbaus auf schwankungsärmere Geldanlagen wie Rentenfonds oder den Geldmarkt umzuschichten.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin

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