Devisen
Der Rubel rutscht

Während einige Analysten bereits vorsichtig ein Ende des Abwärtsdrucks beim Rubel sehen, betrachten andere den Absturz der russischen Währung nur als zwischenzeitlich gestoppt. Laut Einschätzungen der Citigroup seien noch bis zum Jahresende weitere Rückschläge von rund 15 Prozent zum Währungskorb aus Dollar und Euro möglich.
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WIEN/MOSKAU. Russland ist bereit, seine Währung zu verteidigen. "380 Milliarden US-Dollar stehen uns dafür noch zur Verfügung", sagte der russische Notenbank-Chef Sergej Ignatiew am Donnerstag nach einem Treffen mit EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Die russischen Währungshüter sind allerdings der Ansicht, dass sie in nächster Zeit überhaupt nicht mehr intervenieren müssen, um den geschwächten Rubel zu stützen. Nach dem steilen Absturz der russischen Landeswährung seit Sommer vergangenen Jahres hat sie sich in den vergangenen Wochen stabilisiert. Am Donnerstag gab es für einen Euro rund 45 Rubel.

"Der Devisenmarkt in Russland ist ausgeglichen", sagte Ignatiew. In den nächsten Monaten sei mit einer weiteren Stabilisierung zu rechnen. Am Zinsniveau will der oberste russische Währungshüter in nächster Zeit auch nichts ändern. Russland werde beim Leitzinssatz von etwa 13 Prozent bleiben, da auch die Inflation des Landes auf absehbare Zeit auf diesem Niveau verharren werde. Eine an sich gute Nachricht für ausländische Investoren, die ihr Geld vielleicht trotz der Krise in Russland anlegen wollen. Der Zentralbankchef versicherte auch, dass es in seinem Land keine Beschränkungen des freien Kapitalverkehrs geben werde, wie das zuletzt unter westlichen Investoren befürchtet worden war.

Nach Jahren des Booms hat die Wirtschaftskrise vor allem deutsche Unternehmen in Russland erwischt: Sie trifft vor allem der schwache Rubel. Rund ein Fünftel hat die russische Währung seit Sommer 2008 zum Euro verloren. Deutsche Produkte, traditionell schon im Top-Preissegment, werden jetzt noch teurer. Gleichzeitig schaffen es die russischen Kunden nicht, die nötigen Kredite für Investitionen aufzutreiben.

Vor allem Russland ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger für die deutsche Export-Wirtschaft geworden. Der gemeinsame Handelsaustausch stieg im vergangenen Jahr auf 68 Mrd. Euro. Nach Angaben der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer ist die Zahl der im Land aktiven Firmen seit 2005 auf über 6 000 gestiegen - ein Plus von einem Drittel. Allen voran solche aus dem verarbeitenden Gewerbe.

Der Russland-Chef des Reifenherstellers Continental, Jaron Wiedmeier, sieht die Währungsschwankungen als gewaltige Herausforderung für das Unternehmen, das seit sieben Jahren in Russland präsent ist.

Während die Banken vor dem Hintergrund der Schwankungen auf den Devisenmärkten ihren Firmenkunden verstärkt Optionsgeschäfte anbieten, um sich gegen das Kurschaos zu wappnen, sind die Unternehmen vor Ort skeptisch. Sogenannte Rubel-Hedges, die gegen das Währungsrisiko absichern sollen, sind teuer, sagt BMW-Russlandchef Christian Kremer. Sie liegen derzeit bei 20 bis 40 Prozent der Summe, die gesichert werden soll. Diese Kosten könne man unmöglich an die Kunden weitergeben.

Vor allem für mittelständische Betriebe, die das Gros der deutschen Unternehmen in Russland ausmachen, ist der Aufwand zu hoch. "Für uns zählt jetzt, so weit wie möglich die Kosten zu senken, um unseren Kunden mit Rabatten entgegen kommen zu können", sagt Michael Schultz, Russland-Chef von Werner & Pfeiderer Lebensmitteltechnik.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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