Devisen
Südafrikanischer Rand hat große Schwachstellen

Die Finanzkrise hat Südafrika schmerzlich daran erinnert, wie eng seine Wirtschaft und Währung mit der Weltwirtschaft verzahnt sind. Seit Anfang letzten Jahres hat der Rand fast 30 Prozent gegenüber Euro und Dollar verloren; während der größten Panik Ende Oktober beliefen sich die Verluste sogar auf rund 50 Prozent. Sollte Simbabwe nun ebenfalls den Rand einführen, könnte das weitere gravierende Folgen haben.
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KAPSTADT. Derzeit bekommen Anleger für einen Euro knapp 13 Rand. Dass sich die südafrikanische Landeswährung zuletzt stabilisierte, dürfte unter anderem am kräftig gestiegenen Goldpreis liegen. Als einer der führenden Produzenten des Edelmetalls profitiert Südafrika von den höheren Exporteinnahmen seiner Minenkonzerne; das wiederum stützt die Währung.

In welch engem Zusammenhang der Rand-Kurs mit der Bewertung Südafrikas durch ausländische Investoren steht, hat das Land schon mehrfach erfahren müssen: Ende 2001 fiel die Währung wegen politischer Unsicherheiten binnen weniger Wochen von sechs auf fast 14 Rand gegenüber dem Dollar. Vier Jahre später hatte der Rand alle Verluste wieder wettgemacht, weil Südafrika als eines der führenden Rohstoffländer besonders vom Rohstoffboom ab 2002 profitierte.

Nun ist das Pendel wieder in die andere Richtung geschlagen: Die Sorge vor einem Einbruch der Platin-, Chrom- und Diamantenpreise hat dem Rand in den letzten Monaten schwer zugesetzt. Viele Anleger befürchten, dass mit dem Verfall der Rohstoffpreise auch die Wirtschaft einbrechen könnte. Im vierten Quartal 2008 schrumpfte die Volkswirtschaft bereits um 1,8 Prozent – der erste Rückgang in mehr als zehn Jahren.

Viele Beobachter wie Azar Jammine vom Wirtschaftsdienst Econometrix rechnen damit, dass die Zentralbank ihre Hochzinspolitik aufgibt und den Leitzins in Kürze um mindestens zwei Prozentpunkte senken wird. Dies könnte den Druck auf den Rand erhöhen, weil die Währung wegen der fallenden Zinsen für ausländische Anleger an Attraktivität verliert. Der Kapstädter Wirtschaftsprofessor Brian Kantor dagegen sagt, dass Anleger mehr an einer wachsenden Wirtschaft als einem hohen Zinsniveau interessiert seien – und eine Zinssenkung den Rand deshalb mittelfristig stärken dürfte.

Dank der vergleichsweise hohen Zinsen war jahrelang viel spekulatives Geld ans Kap geflossen. Als Hochzins- und Rohstoffwährung hatte der Rand vom Renditehunger ausländischer Anleger profitiert. Die meisten Experten rechnen nicht mit einer schnellen Rückkehr der Investoren. Die Risikobereitschaft ist geschwunden; von der einst hohen Liquidität an den Märkten ist nicht viel übrig geblieben.

Die große Schwachstelle des Rands ist jedoch Südafrikas hohes Handelsbilanzdefizit von acht Prozent. Es ist ein Indikator dafür, dass Südafrika noch immer weit mehr importiert als exportiert. Daran dürfte sich schon allein wegen des fast 800 Mrd. teuren Infrastrukturprogramms für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 mittelfristig wenig ändern. Nachdem die gestiegenen Gold- und Devisenreserven der Reservebank lange Zeit als Puffer fungiert hatten, sind die Marktakteure deutlich ängstlicher geworden.

Sollte die Risikoscheu der Investoren anhalten, die Rohstoffnachfrage noch längere Zeit stagnieren und die Wirtschaft am Kap in eine Rezession schlittern, dürfte der Rand auf absehbare Zeit unter Druck bleiben. Mutige Anleger könnten mit einem Hebelzertifikat gegen die südafrikanische Währung spekulieren.

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