Fünf Fragen an: Jörg Kukies
„Der Blick auf die Bonität des Emittenten ist unabdingbar“

Jörg Kukies ist verantwortlich für strukturierte Produkte bei Goldman Sachs International. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt er, warum Garantiezertifikate unter der Finanzkrise nicht allzu sehr leiden und auf was Käufer achten sollten.

Herr Kukies, wie sicher sind Garantiezertifikate angesichts der Turbulenzen im Finanzsektor?

Garantiezertifikate sind in ähnlichem Ausmaß von der Krise betroffen wie andere Schuldverschreibungen auch. Eine Garantie ist immer nur so gut wie der Garantiegeber - das gilt für alle Finanzprodukte. Diese Erkenntnis ist nicht neu, kann aber gerade aktuell nicht stark genug betont werden. Für alle Emittenten ist es wichtig, dass wir das Bewusstsein für die Risiken der Produkte und die Notwendigkeit, die Bonität der Emittenten in die Anlageentscheidungen einzubeziehen, noch stärker schärfen.

Werden Garantiezertifikate von der Krise belastet oder können sie vielleicht sogar profitieren?

Ich glaube nicht, dass Garantieprodukte überproportional leiden werden. Ihr Marktanteil ist in den letzten Monaten auch deutlich gestiegen. Anleger sollten jetzt allerdings nicht zu einseitig auf Kapitalschutz setzen. Wer langfristige Anlagen sucht, muss sich immer bewusst sein, dass die Garantie ihren Preis hat und durch Abstriche bei den Renditeerwartungen erkauft wird.

Was bedeutet das konkret?

Viele Garantiezertifikaten sehen eine Durchschnittsbildung vor. Die Emittenten ziehen hier die Kurse an mehreren Stichtagen heran und berechnen eine durchschnittliche Rendite. Andere Zertifikate sehen eine Maximalrendite oder eine begrenzte Partizipation an Kursgewinnen vor, wieder andere werden mit einem Preisaufschlag verkauft. Das führt dazu, dass Anleger möglicherweise an Kursanstiegen nicht voll partizipieren. Im Gegenzug werden mögliche Kursverluste abgemildert oder ganz ausgeschlossen.

Was müssen Anleger bei Garantiezertifikaten noch beachten?

Neben dem unabdingbaren Blick auf die Bonität des Emittenten ist es wichtig, dass Anleger die Strukturen verstehen. Garantiezertifikate setzen sich zusammen aus einer Nullkuponanleihe und einer Optionskomponente. Daher reagieren ihre Kurse während der Laufzeit auf Veränderungen der Volatilität und des Zinsniveaus. Je länger die Laufzeit eines Zertifikates ist, desto stärker ist beispielsweise der Einfluss von Zinsschwankungen auf den Kurs. Zinsanstiege können dazu führen, dass Garantiezertifikate gegenüber ihrem Ausgangswert verlieren. Die Garantie gilt erst am Ende der Laufzeit.

Viele Garantiezertifikate notieren zurzeit weit unter ihrem Nominalwert. Wie groß ist die Chance, dass Anleger am Ende der Laufzeit mehr zurückbekommen als ihren Einsatz?

Bei vielen älteren Garantiezertifikaten hängt die Rückzahlung an der Wertentwicklung einer Vielzahl von Aktien. Hier ist es unmöglich, Aussagen zu den jeweiligen Rückzahlungsszenarien zu machen, da die Strukturen sehr unterschiedlich sind. Inzwischen dominieren am Markt aber einfacher strukturierte Papiere, deren Rückzahlung sich einzig nach der Kursentwicklung des Basiswertes richten. Je nach Einstiegszeitpunkt und Restlaufzeit kann es hier durchaus möglich sein, bei stark positiver Entwicklung des Basiswertes Gewinne zu erzielen.

Die Fragen stellte Ralf Drescher.

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